Internationale Gesellschaft für Schulbuch- und Bildungsmedienforschung e.V.

† Prof. Dr. Vitaly Bezrogov (1959–2019)


 

Wir sind tief bestürzt über den plötzlichen und unerwarteten Tod unseres geschätzten Stellvertretenden Vorsitzenden, Prof. Dr. Vitaly Bezrogov. Er war langjähriges Mitglied der Internationalen Gesellschaft für Schulbuch- und Bildungsmedienforschung e.V. und der Interessengemeinschaft Fibeln. Auf der IGSBi-Jahrestagung 2017 in Augsburg wurde er zum Stellvertretenden Vorsitzenden unserer Gesellschaft gewählt. Er brachte sich engagiert in die Vorstandsarbeit ein. Das Thema und die Konzeption der Jahrestagung von 2019 in Chur – „Migration und Bildungsmedien“ – gingen auf seine Initiative zurück.

Die Internationale Gesellschaft für Schulbuch- und Bildungsmedienforschung wird sich immer in Dankbarkeit an Prof. Dr. Vitaly Bezrogov erinnern und ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Jahrestagung 2020 "Nation, Nationalismus und Schule im zeitgenössischen Europa"

Schulbücher, didaktische Medien, Unterrichtspraxis und Bildungstheorie

8.–10. September 2020 an der Universität Parma, Italien

 

Die Jahrestagung der Internationalen Gesellschaft für Schulbuch- und Bildungsmedienforschung e.V. findet in diesem Jahr in Kooperation mit SPECIES (Society of Politics, Education and Comparative Inquiry in European States), SPES (Society of Politics, Education and History) und dem Department of Humanities, Social Sciences and Cultural Industries der Universität Parma, Italien, statt.

Organisationskomitee in Parma: Prof. Dr. Luciana Bellatalla und Prof. Dr. Piergiovanni Genovesi.

 

Call for Papers

Während des 19. und bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhundert(s) hinein stand das Thema der nationalen Identität (und insbesondere der nationalen Überlegenheit) in nahezu allen europäischen Ländern im Fokus der Erziehung.

Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg gab es aufgrund der Erfahrung nationalistischer Entgleisungen einige Versuche, „Nationalismus“ neu zu definieren. Aber diese Versuche scheiterten an den Klippen der ökonomischen Krise und an den autoritären politischen Machtergreifungen, die sich innerhalb kürzester Zeit auf ganz Europa auswirkten. Am Endes des Zweiten Weltkriegs führte eine neue Entschlossenheit, alle nationalistischen Degenerationen zu beenden, zu einer grundsätzlichen Tendenz in Richtung eines vereinigten Europa.

Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts geben zahlreiche Schwierigkeiten im europäischen Einigungsprozess und das Ende der ideologischen Kämpfe, von denen die Periode des Kalten Krieges gekennzeichnet war, dem Thema „Nation“ neuen Auftrieb. Das Konzept der „Nation“ ist mittlerweile sogar zum Schlüsselbegriff zahlreicher politischer Parteien und europäischer Regierungserklärungen geworden, als Abwehr gegen echte oder vermeintliche internationale Probleme.

Ziel dieser internationalen Konferenz ist es, in zeitgenössischer und vergleichender Perspektive zu analysieren, wie sich das Thema „Nation“, insbesondere mit Blick auf nationalistische Entartungen, in Theorie und Praxis des Unterrichts in den europäischen Ländern zeigt.

Die Beiträge sollen in diachronischer Perspektive die kulturellen, sozialen und politischen Implikationen des Konzepts der „nationalen Identität“ herausarbeiten, und zwar mit Hilfe der Analyse von Schulbüchern, didaktischen Materialien, Erziehungs- und Bildungstheorien, Bildungsmedien und außerschulischen Materialien (z.B. Kinderbüchern, Comics, Spielen usw.).

 

Wir bitten um Einreichung von Vorschlägen zu folgenden Themenbereichen:

a) Theorien, Schlüsselbegriffe und Metaphern, mit denen Konzepte wie „Bürgerschaft“, „Identität“ und „Anderssein“, „Unabhängigkeit“, „Nation“, „Gegner“, „Vaterland“ und „Tradition“ definiert und vermittelt werden;
b) Vorschläge, soziokulturelle Debatten und Inhalte von Lehrplänen zum Komplex der „politischen“ Bildung;
c) die Bedeutung des künstlerischen, kulturellen und historischen Erbes für die Definition von nationaler Identität;
d) die Bedeutung des Religiösen für die Definition von nationaler Identität;
e) Merkmale und Bedeutung der europäischen Dimension für die Definition von nationaler Identität;
f) die Rolle von Strategien der „Traditionsbildung“.

 

Tagungssprachen sind Deutsch, Englisch und Italienisch.

 

Bitte senden Sie Ihren Vorschlag (in englischer Sprache) mit einer Länge von maximal 2.000 Zeichen (einschl. Leerzeichen) bis spätestens zum 31. März 2020 an:

 

Bitte geben Sie bei Ihrer Einreichung Namen, Vornamen, Arbeitsstelle, akademische Stellung, E-Mail-Adresse, Sprache des Vortrags und außerdem die bevorzugte Themengruppe (a, b, c, d, e oder f) an.

 

Sie erhalten eine Rückmeldung über Annahme oder Ablehnung ihres Vorschlags bis zum 31. Mai 2020.

 

Rückblick auf die Jahrestagung 2019 "Migration und Bildungsmedien"

Die 17. Jahrestagung der Internationalen Gesellschaft für Schulbuch- und Bildungsmedienforschung e.V. (IGSBi) fand in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Graubünden vom 6. bis zum 8. Oktober 2019 an der PH in Chur (Schweiz) statt.


 

Ekaterina Romashina
Ekaterina Romashina
Ekaterina Romashina
Ekaterina Romashina
Ekaterina Romashina

 

Bildungsmedienforscher*innen und -schaffende aus dreizehn verschiedenen Ländern beschäftigten sich in diesen Tagen intensiv mit dem Thema „Migration und Bildungsmedien“.

Auf einen Eröffnungsvortrag zur „Kulturalität des Verstehens als Problem für zugewanderte Kinder und Jugendliche“ folgten drei dicht gefüllte Themenblöcke:

 

  • „Bildungsmedien für Migrant*innen – historische Perspektiven“
  • „Bildungsmedien für Migrant*innen – aktuelle Perspektiven“
  • „Die Darstellung von Migration und Migrant*innen in Bildungsmedien“

Die Beiträge des ersten Blocks behandelten u.a. Bildungsmedien für russische und spanische Migrant*innen im 19. und 20. Jahrhundert, Lehrmittel für migrierte Französischlehrer*innen in Polen und Bildungsmedien für spezifische Gruppen von sogenannten „Bildungsmigrant*innen“ – Schulbücher für ungarische Jugendliche, die jenseits der Grenze in österreichische Schulen gingen, und ein eigens für mosambikanische Jugendliche, die in der DDR eine sogenannte „Schule der Freundschaft“ besuchten, verfasstes Biologielehrbuch.

 

Im zweiten Block ging es um aktuelle Lehrmittel für Migrant*innen z.B. in Italien, Deutschland und der Schweiz, um unterschiedliche dabei zum Einsatz kommende mediale Formen – neben Schulbüchern z.B. Bilderbücher und digitale Lern-Apps –, aber auch um inhaltliche Anpassungen von Bildungsmedien aufgrund von Migrant*innen mit einem anderen religiösen und kulturellen Hintergrund, z.B. in Kanada.

 

Die Beiträge des dritten Blocks behandelten die Darstellung von Migrant*innen und fragten aus verschiedenen Perspektiven nach deren Angemessenheit. Hier kamen diverse Fächer(kulturen), wie Geographie- und Fremdsprachenunterricht, in wiederum unterschiedlichen Ländern, etwa Deutschland, Finnland, Ungarn und der Schweiz, zu Wort. Auch ein didaktisches Spiel wurde vorgestellt und diskutiert.

 

Neben den interessanten Vorträgen und den anregenden Diskussionen sowie Gesprächen in den Pausen bestand ein besonderer Höhepunkt der Tagung in der Verleihung des Arsen-Djurović-Preises für historische Schulbuchforschung an zwei Preisträgerinnen (Dr. Sabrina Schmitz-Zerres, Universität Duisburg-Essen, und Dr. Evita Wiecki, Ludwig-Maximilians-Universität München, beide Deutschland) sowie des einmalig vergebenen Arsen-Djurović-Sonderpreises für historische Bildungsmedienforschung (Dr. Iris Seri-Hersch, Aix-Marseille-Université in Aix-en-Provence, Frankreich) im Rahmen eines gemeinsamen Abendessens.

 

 

Verleihung des Arsen-Djurović-Preises für historische Schulbuchforschung

In diesem Jahr wurde der Arsen-Djurović-Preis für historische Schulbuchforschung, der von Dr. Milica Djurović, der Witwe des langjährigen serbischen Vizepräsidenten von IGSBi, alle zwei Jahre gestiftet wird, zum vierten Mal vergeben.

 

Aufgrund der zahlreichen hochqualifizierten Einreichungen wurde der Preis wie schon im Jahre 2017 zwischen zwei Personen aufgeteilt. Verliehen wurde er an

  • Sabrina Schmitz-Zerres von der Universität Duisburg-Essen, Deutschland, für ihre Arbeit „Die Zukunft erzählen. Inhalte und Entstehungsprozesse von Zukunftsnarrationen in Geschichtsbüchern von 1950 bis 1995“ (Vandenhoeck & Ruprecht 2019) und an
  • Evita Wiecki von der Ludwig-Maximilians-Universität München, Deutschland, für ihre Arbeit „,Ein Jude spricht Jiddisch‘. Jiddisch-Lehrbücher in Polen – ein Beitrag zur jüdischen Bildungs- und Kulturgeschichte im 20. Jahrhundert“ (Vandenhoeck & Ruprecht 2018, 22019).

Außerdem wurde in diesem Jahr einmalig ein Arsen-Djurović-Sonderpreis für historische Bildungsmedienforschung verliehen, da in einer der eingereichten Arbeiten nicht Schulbücher, sondern Manuale für Lehrkräfte im Zentrum stehen (also Bildungsmedien in einem weiteren Sinne), die Jury diese Veröffentlichung aber aus verschiedenen Gründen so herausragend fand, dass sie sich zur Vergabe eines Sonderpreises entschied, und zwar an

  • Iris Seri-Hersch von der Aix-Marseille Université in Aix-en-Provence, Frankreich, für ihre Arbeit „Enseigner l’histoire à l’heure de l’ébranlement colonial. Soudan, Égypte, empire britannique (1943-1960)“ [„Geschichtsunterricht in Zeiten der kolonialen Auflösung: Sudan, Ägypten und das Britische Empire (1943–1960)“] (Institut d'études de l'Islam et des sociétés du monde musulman Paris 2018).

Näheres zu den ausgezeichneten Schriften und den Preisträgerinnen sowie deren Würdigung durch die Jury kann den betreffenden Laudationes entnommen werden.

 



Neuerscheinungen

Annemarie Augschöll Blasbichler / Eva Matthes / Sylvia Schütze (Hrsg.): Europa und Bildungsmedien / Europe and Educational Media (Bad Heilbrunn: Klinkhardt 2019)

Die Europäische Union konnte bei den jüngsten Europa-Wahlen zwar viele Anhänger mobilisieren; allerdings ist auch sichtbar geworden, dass sie immens an Attraktivität eingebüßt hat. Eine Wiederbelebung der europäischen Idee von Menschenrechten, Demokratie, Freiheit und Toleranz und damit auch des Wertefundaments der Europäischen Union kann allerdings nur gelingen, wenn eine deutliche Mehrheit der Bürger*innen Europas mitzieht.

Hierfür kommt den Bildungsinstitutionen vom Kindergarten über die Schule und außerschulische Jugendbildungsstätten bis zu Einrichtungen der Erwachsenenbildung eine immense Bedeutung zu.

In all diesen Institutionen kommen Bildungsmedien zum Einsatz; von daher ist es von hoher Relevanz, dass sich Bildungsmedienforscher*innen mit Fragen auseinandersetzen, wie Europa in Bildungsmedien in Geschichte und Gegenwart repräsentiert wurde und wird, ob und, wenn ja, wie die Vorteile der EU und eines Europa ohne Grenzen und auf menschenrechtlichem Fundament jungen Menschen nahegebracht werden oder ob nationale Vorurteile und Stereotypen Platz finden oder gar überwiegen.

Eine wichtige, hoffnungsvoll stimmende Perspektive bieten in diesem Zusammenhang gemeinsame Bildungsmedienprojekte verschiedener europäischer Länder, die in diesem Band ebenfalls vorgestellt werden.

 

 

 

Eva Matthes / Thomas Heiland / Alexandra von Proff (Hrsg.): Open Educational Resources (OER) im Lichte des Augsburger Analyse- und Evaluationsrasters (AAER). Interdisziplinäre Perspektiven und Anregungen für die Lehramtsausbildung und Schulpraxis (Bad Heilbrunn: Klinkhardt 2019)

In einem früheren Band dieser Reihe (Fey/Matthes, Das Augsburger Analyse- und Evaluationsraster für analoge und digitale Bildungsmedien (AAER), Bad Heilbrunn 2017) wurde bereits das AAER vorgestellt und in domänenspezifischen Konkretisierungen in seiner Anwendung gezeigt. Eine besondere Herausforderung für Lehrkräfte, aber auch für alle in der Lehramtsausbildung Tätigen stellen aktuell Open Educational Resources (OER) dar, deren - bisher vernachlässigte - Erforschung in diesem Band in interdisziplinärer Perspektive im Zentrum steht.

In einem ersten allgemeinen Teil finden sich ein Überblick über den Forschungsstand zu OER, rechtliche Einordnungen dieser Lehrmaterialen, und die Darstellung eines Analysemodells für OER-Plattformen. Ein zweiter Teil enthält fachdidaktische Analysen von OER mithilfe des Augsburger Analyserasters. Der Band kann in der Lehrkräfteausbildung eingesetzt werden und gemäß den Zielen des Augsburger Projekts "Förderung der Lehrerprofessionalität im Umgang mit Heterogenität (LeHet)" den professionellen Umgang mit und Einsatz von OER der zukünftigen Lehrkräfte vorbereiten helfen und somit die Praxisrelevanz des Lehramtsstudiums stärken.

 

 

Newsletter der Interessengemeinschaft Fibeln

© Universität Augsburg

Newsletter No. 15 der Interessengemeinschaft Fibeln (SIG RP) vom April 2018
mit vielen interessanten Beiträgen rund um die Fibelforschung.

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