Internationale Gesellschaft für Schulbuch- und Bildungsmedienforschung e.V.

Tagung 2020 "Nation, Nationalismus und Schule im zeitgenössischen Europa" - verschoben auf 2021

Die IGSBi-Tagung in Parma kann wegen der Corona-Pandemie leider nicht wie geplant in diesem Jahr stattfinden. Die Veranstalter*innen vor Ort werden sie vom 15. März 2021 an als Webinar durchführen. Sobald Genaueres bekannt ist, werden wir Sie an dieser Stelle darüber informieren.

 

 

 

 

 

Rückblick auf die Jahrestagung 2019 "Migration und Bildungsmedien"

Die 17. Jahrestagung der Internationalen Gesellschaft für Schulbuch- und Bildungsmedienforschung e.V. (IGSBi) fand in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Graubünden vom 6. bis zum 8. Oktober 2019 an der PH in Chur (Schweiz) statt.


 

Ekaterina Romashina
Ekaterina Romashina
Ekaterina Romashina
Ekaterina Romashina
Ekaterina Romashina

 

Bildungsmedienforscher*innen und -schaffende aus dreizehn verschiedenen Ländern beschäftigten sich in diesen Tagen intensiv mit dem Thema „Migration und Bildungsmedien“.

Auf einen Eröffnungsvortrag zur „Kulturalität des Verstehens als Problem für zugewanderte Kinder und Jugendliche“ folgten drei dicht gefüllte Themenblöcke:

 

  • „Bildungsmedien für Migrant*innen – historische Perspektiven“
  • „Bildungsmedien für Migrant*innen – aktuelle Perspektiven“
  • „Die Darstellung von Migration und Migrant*innen in Bildungsmedien“

Die Beiträge des ersten Blocks behandelten u.a. Bildungsmedien für russische und spanische Migrant*innen im 19. und 20. Jahrhundert, Lehrmittel für migrierte Französischlehrer*innen in Polen und Bildungsmedien für spezifische Gruppen von sogenannten „Bildungsmigrant*innen“ – Schulbücher für ungarische Jugendliche, die jenseits der Grenze in österreichische Schulen gingen, und ein eigens für mosambikanische Jugendliche, die in der DDR eine sogenannte „Schule der Freundschaft“ besuchten, verfasstes Biologielehrbuch.

 

Im zweiten Block ging es um aktuelle Lehrmittel für Migrant*innen z.B. in Italien, Deutschland und der Schweiz, um unterschiedliche dabei zum Einsatz kommende mediale Formen – neben Schulbüchern z.B. Bilderbücher und digitale Lern-Apps –, aber auch um inhaltliche Anpassungen von Bildungsmedien aufgrund von Migrant*innen mit einem anderen religiösen und kulturellen Hintergrund, z.B. in Kanada.

 

Die Beiträge des dritten Blocks behandelten die Darstellung von Migrant*innen und fragten aus verschiedenen Perspektiven nach deren Angemessenheit. Hier kamen diverse Fächer(kulturen), wie Geographie- und Fremdsprachenunterricht, in wiederum unterschiedlichen Ländern, etwa Deutschland, Finnland, Ungarn und der Schweiz, zu Wort. Auch ein didaktisches Spiel wurde vorgestellt und diskutiert.

 

Neben den interessanten Vorträgen und den anregenden Diskussionen sowie Gesprächen in den Pausen bestand ein besonderer Höhepunkt der Tagung in der Verleihung des Arsen-Djurović-Preises für historische Schulbuchforschung an zwei Preisträgerinnen (Dr. Sabrina Schmitz-Zerres, Universität Duisburg-Essen, und Dr. Evita Wiecki, Ludwig-Maximilians-Universität München, beide Deutschland) sowie des einmalig vergebenen Arsen-Djurović-Sonderpreises für historische Bildungsmedienforschung (Dr. Iris Seri-Hersch, Aix-Marseille-Université in Aix-en-Provence, Frankreich) im Rahmen eines gemeinsamen Abendessens.

 

 

† Prof. Dr. Vitaly Bezrogov (1959–2019)


 

Wir sind tief bestürzt über den plötzlichen und unerwarteten Tod unseres geschätzten Stellvertretenden Vorsitzenden, Prof. Dr. Vitaly Bezrogov. Er war langjähriges Mitglied der Internationalen Gesellschaft für Schulbuch- und Bildungsmedienforschung e.V. und der Interessengemeinschaft Fibeln. Auf der IGSBi-Jahrestagung 2017 in Augsburg wurde er zum Stellvertretenden Vorsitzenden unserer Gesellschaft gewählt. Er brachte sich engagiert in die Vorstandsarbeit ein. Das Thema und die Konzeption der Jahrestagung von 2019 in Chur – „Migration und Bildungsmedien“ – gingen auf seine Initiative zurück.

Die Internationale Gesellschaft für Schulbuch- und Bildungsmedienforschung wird sich immer in Dankbarkeit an Prof. Dr. Vitaly Bezrogov erinnern und ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Verleihung des Arsen-Djurović-Preises für historische Schulbuchforschung

In diesem Jahr wurde der Arsen-Djurović-Preis für historische Schulbuchforschung, der von Dr. Milica Djurović, der Witwe des langjährigen serbischen Vizepräsidenten von IGSBi, alle zwei Jahre gestiftet wird, zum vierten Mal vergeben.

 

Aufgrund der zahlreichen hochqualifizierten Einreichungen wurde der Preis wie schon im Jahre 2017 zwischen zwei Personen aufgeteilt. Verliehen wurde er an

  • Sabrina Schmitz-Zerres von der Universität Duisburg-Essen, Deutschland, für ihre Arbeit „Die Zukunft erzählen. Inhalte und Entstehungsprozesse von Zukunftsnarrationen in Geschichtsbüchern von 1950 bis 1995“ (Vandenhoeck & Ruprecht 2019) und an
  • Evita Wiecki von der Ludwig-Maximilians-Universität München, Deutschland, für ihre Arbeit „,Ein Jude spricht Jiddisch‘. Jiddisch-Lehrbücher in Polen – ein Beitrag zur jüdischen Bildungs- und Kulturgeschichte im 20. Jahrhundert“ (Vandenhoeck & Ruprecht 2018, 22019).

Außerdem wurde in diesem Jahr einmalig ein Arsen-Djurović-Sonderpreis für historische Bildungsmedienforschung verliehen, da in einer der eingereichten Arbeiten nicht Schulbücher, sondern Manuale für Lehrkräfte im Zentrum stehen (also Bildungsmedien in einem weiteren Sinne), die Jury diese Veröffentlichung aber aus verschiedenen Gründen so herausragend fand, dass sie sich zur Vergabe eines Sonderpreises entschied, und zwar an

  • Iris Seri-Hersch von der Aix-Marseille Université in Aix-en-Provence, Frankreich, für ihre Arbeit „Enseigner l’histoire à l’heure de l’ébranlement colonial. Soudan, Égypte, empire britannique (1943-1960)“ [„Geschichtsunterricht in Zeiten der kolonialen Auflösung: Sudan, Ägypten und das Britische Empire (1943–1960)“] (Institut d'études de l'Islam et des sociétés du monde musulman Paris 2018).

Näheres zu den ausgezeichneten Schriften und den Preisträgerinnen sowie deren Würdigung durch die Jury kann den betreffenden Laudationes entnommen werden.

 



Neuerscheinungen

Michael Annegarn-Gläß: Neue Bildungsmedien revisited. Zur Einführung des Lehrfilms in der Zwischenkriegszeit (Bad Heilbrunn: Klinkhardt 2020)

Im vorliegenden Band wird der Frage nachgegangen, wie technologischer Fortschritt die Unterrichtspraxis beeinflussen kann. Dabei wird mit der Einführung des Lehrfilms als neues Bildungsmedium zum einen ein historisches Beispiel vorgestellt und zum anderen am Fallbeispiel der Vermittlung von kolonialem Wissen im Deutschland der Zwischenkriegszeit untersucht, inwiefern sich die Darstellungen im Schulbuch und Lehrfilm unterscheiden.

Häufig wird die – bereits von den Nationalsozialisten verbreitete – These vertreten, dass erst nach 1933 der Film in Deutschland in großem Umfang unterstützt wurde. Wie in dieser Arbeit gezeigt wird, baute aber insbesondere im Lehrfilmsektor die nationalsozialistische Bildungspolitik auf staatlichen und halbstaatlichen Institutionen sowie Akteuren auf, die bereits in der Weimarer Republik aktiv waren.

Die Untersuchung ergab verschiedene Faktoren, wie Finanzierung, Akzeptanz in der Lehrerschaft und Verfügbarkeit, die die Einführung eines neuen Bildungsmediums förderten wie auch bremsten. Heute stehen wir mit der Digitalisierung des Unterrichts vor ähnlichen Herausforderungen. Dabei zeigt sich, dass sich die Argumentationslinien gleichen – der Blick auf die Einführung des Lehrfilms kann uns also helfen, heutige Debatten besser zu verstehen.

 

 

 

Annemarie Augschöll Blasbichler / Eva Matthes / Sylvia Schütze (Hrsg.): Europa und Bildungsmedien / Europe and Educational Media (Bad Heilbrunn: Klinkhardt 2019)

Die Europäische Union konnte bei den jüngsten Europa-Wahlen zwar viele Anhänger mobilisieren; allerdings ist auch sichtbar geworden, dass sie immens an Attraktivität eingebüßt hat. Eine Wiederbelebung der europäischen Idee von Menschenrechten, Demokratie, Freiheit und Toleranz und damit auch des Wertefundaments der Europäischen Union kann allerdings nur gelingen, wenn eine deutliche Mehrheit der Bürger*innen Europas mitzieht.

Hierfür kommt den Bildungsinstitutionen vom Kindergarten über die Schule und außerschulische Jugendbildungsstätten bis zu Einrichtungen der Erwachsenenbildung eine immense Bedeutung zu.

In all diesen Institutionen kommen Bildungsmedien zum Einsatz; von daher ist es von hoher Relevanz, dass sich Bildungsmedienforscher*innen mit Fragen auseinandersetzen, wie Europa in Bildungsmedien in Geschichte und Gegenwart repräsentiert wurde und wird, ob und, wenn ja, wie die Vorteile der EU und eines Europa ohne Grenzen und auf menschenrechtlichem Fundament jungen Menschen nahegebracht werden oder ob nationale Vorurteile und Stereotypen Platz finden oder gar überwiegen.

Eine wichtige, hoffnungsvoll stimmende Perspektive bieten in diesem Zusammenhang gemeinsame Bildungsmedienprojekte verschiedener europäischer Länder, die in diesem Band ebenfalls vorgestellt werden.

 

 

 

Eva Matthes / Thomas Heiland / Alexandra von Proff (Hrsg.): Open Educational Resources (OER) im Lichte des Augsburger Analyse- und Evaluationsrasters (AAER). Interdisziplinäre Perspektiven und Anregungen für die Lehramtsausbildung und Schulpraxis (Bad Heilbrunn: Klinkhardt 2019)

In einem früheren Band dieser Reihe (Fey/Matthes, Das Augsburger Analyse- und Evaluationsraster für analoge und digitale Bildungsmedien (AAER), Bad Heilbrunn 2017) wurde bereits das AAER vorgestellt und in domänenspezifischen Konkretisierungen in seiner Anwendung gezeigt. Eine besondere Herausforderung für Lehrkräfte, aber auch für alle in der Lehramtsausbildung Tätigen stellen aktuell Open Educational Resources (OER) dar, deren - bisher vernachlässigte - Erforschung in diesem Band in interdisziplinärer Perspektive im Zentrum steht.

In einem ersten allgemeinen Teil finden sich ein Überblick über den Forschungsstand zu OER, rechtliche Einordnungen dieser Lehrmaterialen, und die Darstellung eines Analysemodells für OER-Plattformen. Ein zweiter Teil enthält fachdidaktische Analysen von OER mithilfe des Augsburger Analyserasters. Der Band kann in der Lehrkräfteausbildung eingesetzt werden und gemäß den Zielen des Augsburger Projekts "Förderung der Lehrerprofessionalität im Umgang mit Heterogenität (LeHet)" den professionellen Umgang mit und Einsatz von OER der zukünftigen Lehrkräfte vorbereiten helfen und somit die Praxisrelevanz des Lehramtsstudiums stärken.

 

 

Newsletter der Interessengemeinschaft Fibeln

© Universität Augsburg

Newsletter No. 15 der Interessengemeinschaft Fibeln (SIG RP) vom April 2018
mit vielen interessanten Beiträgen rund um die Fibelforschung.

Suche