Annegret Bollée, geb. Alsdorf (4.3.1937 Berlin – 20.8.2021 Bamberg), Tochter des Indologen Ludwig Alsdorf (1904 –1978), Ehemann des Indologen Willem Bollée (1927 – 2020)

 

Romanische Philologie (Historische Linguistik, Soziolinguistik, Lexikographie, Lexik, Orthographie, Etymologie – frankokreolische Sprachen, Italienisch)

 

1955 Abitur, Hamburg; 1955-56 Stud. Franz., Latein U Hamburg; 1956/57 U Aix-Marseille; 1962-63 U Bonn; 1963-64 U London; 1964-69 U Bonn Franz., Ital., Engl.; 1971 1. StE Franz.; 1969 Prom. Bonn (Harri Meier); 1971-78 Wiss. Assist. Köln; 1976 Habil. Roman. Phil. Köln (Hans Dieter Bork); 1977 Lehrstuhlvertretung RWTH Aachen; 1978 o. Prof. (C 4) Romanische Sprachwiss. u. Mediävistik Bamberg; 1980-83 Vizepräs. U Bamberg; 1988-90 Dekanin d. Fak. Sprach- u. Literaturwissenschaften

 

DRV (1985-89 stellv. Vors.); DHV; Fachverband Italienisch in Wiss. u. Unterr.; Assoc. Intern. des Etudes Créoles

 

Die lateinischen Verbalabstrakta der u-Deklination u. ihre Umbildungen im Romanischen, Phil. Diss. Bonn, 1969 (im Druck 1970: Romanistische Versuche u. Vorarbeiten; 34); Le créole français des Seychelles: Esquisse d’une grammaire, textes, vocabulaire, Tübingen 1977 (Beihefte zur ZrP; 159 - Habil.-Schr.), Reprint 2019; https://www.uni-bamberg.de/romling/romling-prof-em-dr-annegret-bollee/schriftenverzeichnis/

 

„Meine akademischen Lehrer, Harri Meier und Hans Dieter Bork, haben mehr Frauen als Männer gefördert, weil ja schon damals im Fach Romanistik sehr viele Frauen waren, und in Bamberg ist es so gewesen, dass die Fakultät ganz jung war. Als ich kam, war sie sozusagen noch in den Kinderschuhen, und das ist das auch nie ein Thema gewesen. Es haben sich um meinen Lehrstuhl 24 Männer und eine Frau beworben. Ich habe ihn eben gekriegt, und Rolf Bergmann, der damals der geschäftsführende Dekan war und mit dem ich auch heute noch sehr gut befreundet bin, hat mir noch einmal versichert, das sei völlig belanglos gewesen, man habe nie irgendwie die Frage gestellt: ,Kann die Frau das denn und wie will die denn mit Kindern …‘, also das sei nie ein Thema gewesen“ (Bollée, „Linguistik unter Palmen“, 43).

 

„Ihre seit 1973 andauernde wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Kreolischen der Seychellen war von Anfang begleitet von einem exemplarischen persönlichen Engagement für die Aufwertung dieser, von vielen seinerzeit nur als Patois belächelten Sprache und deren Akzeptanz im seychellischen Bildungswesen. Es war Annegret Bollée, die gemeinsam mit der Seychelloise Danielle D’Offay (später de St. Jorre) 1978 eine offizielle Graphie für das Kreolische der Seychellen erarbeitete und so dazu beitrug, dass das Kreolische als Sprache der Bildung und des offiziellen Lebens neben Englisch und Französisch reüssieren konnte. Sie war es auch, die das erste auf Kreolisch verfasste Buch – eine Sammlung seychellischer Märchen – sowie das erste Wörterbuch dieser Srache (Diksyonner kreol-franse von Danielle de St. Jorre und Guy Lionnet, 1982) veröffentlichte. Mit Weitsicht und Feingefühl hat sie die sprachpolitische Entwicklung auf den Seychellen, die ihr zur zweiten Heimat geworden waren, seit den 1980er Jahren begleitet; als Wissenschaftlerin war sie immer auch eine personne engagée, wobei es ihr stets wichtig war, die vor Ort lebenden Personen einzubinden“ (Neumann-Holzschuh, Nachruf).

 

Kürschner, LH, 1994, 1, 89-90 (Photo); Annegret Bollée, „Linguistik unter Palmen“, in: Klaus-Dieter Ertler (Hrsg.), Romanistik als Passion. Sternstunden der neueren Fachgeschichte II, Wien-Berlin: LIT-Verlag, 2011, 15-45 (Photo); Ingrid Neumann-Holzschuh, Nachruf ( https://romanistik.de/aktuelles/5466).

 

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