Harald Weinrich (24.9.1927 Wismar - 27.2.2022 Münster), Sohn eines Realschullehrers

 

Textlinguistik des Deutschen und der romanischen Sprachen; Literaturwissenschaft

 

1943-44 Flakhelfer; 1945-47 Kriegsdienst, Kriegsgefangenschaft in Frankreich; 1948 Abitur Münster; 1948-50, 1951-52 Studium Romanistik, Germanistik, klass. Philologie, Philosophie Münster, 1950-51 Freiburg i. Br., 1952-53 Toulouse, 1953-54 Madrid; 1953 Dr. phil. Münster (Heinrich Lausberg); 1955 1. StE; 1957 Habil. Münster; 1959-65 o. Prof. Romanistik Kiel; 1965-69 Köln; 1969-78 Bielefeld (dort 1972-74 zugl. Direktor am „Zentrum für interdisziplinäre Forschung“ [ZIF]); 1978-92 o. Prof. „Deutsch als Fremdprache“ München; 1992 Prof. am Collège de France Paris, 1998 em.; Gastprofessor Univ. Michigan u. Princeton; Fellow Wissenschaftskolleg Berlin; Galilei-Lehrstuhl Scuola Normale di Pisa; 1967 P.E.N-Zentrum Deutschland; 1969 Deutsche Akad. für Sprache u. Dichtung; 1974 Rheinisch-Westfälische Akad. d. Wissenschaften, Düsseldorf; 1974 Accademia della Crusca; 1979 Bayer. Akad. d. Schönen Künste; 1990 Academia Europaea; 1991 Akad. d. Wissenschaften Göttingen u. a.

 

1968 Friedrich-Märker-Preis für Essayisten; 1977 Sigmund-Freud-Preis; 1986 Konrad-Duden-Preis; 1988 Dr. h. c. Bielefeld, später Ehrendoktorate von Heidelberg, Augsburg, Rom, Madrid und Cagliari; 1998 Carl Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz; 2008 Dr. Meyer-Struckmann-Preis.

 

Seit 2016 gibt es an der Univ. Bielefeld eine nach Weinrich benannte Gastdozentur.

 

Das Ingenium des Don Quijote, Münster 1956 (Diss.); Phonologische Studien zur romanischen Sprachgeschichte, Münster 1956, 21969 (Habil.-Schr.); Tempus - Besprochene und erzählte Welt, Stuttgart 1964; 62001 [auch span. franz., ital., japan.]; Linguistik der Lüge, Heidelberg 1966; München 62000 (Beck’sche Reihe; 1372) [auch japan.,  ital.]; Wege der Sprachkultur, Stuttgart 1985; 1988 [ital.]; Literatur für Leser, München 21986; La mémoire linguistique de l’Europe. Leςon inaugurale faite le vendredi 23 février 1990, Paris: Collège de France, 1990; Textgrammatik der deutschen Sprache, Mannheim 1993;  Knappe Zeit: Kunst und Ökonomie des befristeten Lebens, München 2004, 22008 (auch engl.: On borrowed time, the art and economy of living with deadlines).

 

„Zu den bedauerlichen Umständen der überall eingeforderten Interdisziplinarität gehört, dass der Brückenschlag heute selten auf solidem einzelfachlichem Fundament erfolgt. Dass das einmal anders war, dafür konnte Harald Weinrich als deutsches, ja europäisches Beispiel gelten. Der am 24. September 1927 Geborene stand mit beiden Füßen fest auf sprach- und literaturwissenschaftlichem Boden, zwei ,nur‘ sprachlichen Disziplinen, die aber anspruchsvoll genug sind; obendrein bediente Weinrich souverän je sowohl die romanistische als auch die germanistische Variante.

Diesen Fächern schenkte Weinrich mehrere Standardwerke, zentral ,Tempus - Besprochene und erzählte Welt‘ (1964) und die Textgrammatiken (eine französische und eine deutsche), aber auch Bücher zur Literaturgeschichte, zur Lüge, ja zur Heiterkeit und zum Vergessen. Neben der eleganten Sprache teilen sie ein Charakteristikum: So abstrakt sie auf den ersten Blick mitunter scheinen, sie lassen sich auf ein handfestes Interesse für Sprecher- und Rezipientenrolle zurückführen, eine fundamentale Ebene, auf der Sprach- und Literaturwissenschaft ohne weiteres zusammenfinden. Zudem ahnt man im Hintergrund stets einen gut gefüllten historisch-philosophischen Spei­cher, der die Grundsatzfragen des menschlichen Bewusstseins und der Existenz einspeist“ (Niklas Bender, FAZ 28.2.2022).

 

Kürschner, LH 2, 1002-1003; Werner Heidemann, „Wer interdisziplinär etwas leisten will, darf die Disziplinarität nicht überspringen: ein Gespräch mit Harald Weinrich = Quem quiser realizar um bom trabalho interdisciplinar não deve passar ao largo da disciplinaridade : entrevista com Harald Weinrich“, Pandaemonium  Germanicum 21 2012,  214-231; Hans-Martin Gauger, „Ein wahrer Grammatiker. Harald Weinrich zum neunzigsten Geburtstag“, Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) Nr. 222, 23. September 2017. Feuilleton S. 12; Wikipedia-Artikel zu Harald Weinrich; Munzinger online.

 

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