Warum japanisches Recht?

 

Der „Blick über den Tellerrand“ in andere Rechtsordnungen kann helfen, die juristischen Probleme im eigenen Recht besser verstehen und einordnen zu können. Auch wenn das geographisch weit entfernte Japan auf den ersten Blick manchem vielleicht faszinierend, aber zugleich fremd erscheinen mag, bietet sich doch gerade das japanische Recht für einen solchen Vergleich in geradezu idealer Weise an. Denn Japan hat in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts weite Teile des deutschen Rechtes als Vorlage für die Gesetze genutzt, die das moderne Japan geprägt haben. Die japanische Rechtstradition ist deshalb sehr eng mit dem deutschen Recht verknüpft. Obwohl es auch beachtliche Unterschiede gibt, weil man in Japan nach dem Zweiten Weltkrieg viele Elemente des US-amerikanischen Rechts übernommen hat, so dass das japanische Recht nunmehr eine faszinierende „Mischrechtsordnung“ darstellt, bleiben die Bezüge zum deutschen Recht – quasi als DNA – bestehen.

 

Für eine hohe Vergleichbarkeit spricht auch, dass die sozialen und wirtschaftlichen Gegebenheiten in Deutschland und Japan in vielerlei Hinsicht ähnlich sind. Das Rechtssystem der beiden erfolgreichen Wirtschaftsnationen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist durch Änderungen der inneren und äußeren Umstände vor die Herausforderung gestellt, sich den neuen Gegebenheiten anpassen zu müssen. Dabei kann ein Blick auf das jeweilige andere Land helfen, neue Wege zu beschreiten, um diesen Aufgaben gerecht zu werden, zumal in einer zunehmend globalen und vernetzten Welt.

 

Die an der Juristischen Fakultät der Universität Augsburg am Lehrstuhl von Prof. Dr. Johannes Kaspar eingerichtete Forschungsstelle für Japanisches Recht institutionalisiert die seit 2009 eingerichteten Lehrveranstaltungen zum japanischen Recht, die mittlerweile ein in Deutschland einzigartiges Angebot darstellen. Neben Vorlesungen, einem Proseminar und Studienreisen werden auch landeskundliche Vorlesungen angeboten.  

 

Markenkern der Beschäftigung mit dem japanischen Recht an der Universität Augsburg sind der hohe Praxisbezug und die Ausrichtung an lebensnahen Fallgestaltungen. Durch die großzügige Förderung der Deutsch-Japanischen Gesellschaft in Augsburg und Schwaben e.V. war es in der Vergangenheit immer wieder möglich, Symposien, Summer Schools und Japanreisen anzubieten.

 

Ein Anliegen der Forschungsstelle ist es schließlich auch, die intensiven Kontakte zu unseren japanischen Partneruniversitäten, insbesondere der Meiji-Universität und der Waseda-Universität in Tokyo, zu pflegen. Aber auch ganz generell soll sie eine Anlaufstelle für japanische GastwissenschaftlerInnen sein. In den letzten Jahren hat das sogenannte „Ammersee-Wochenende“ bereits sehr guten Anklang gefunden, bei dem WissenschaftlerInnen aus Deutschland und Japan sowie Studierende in einer der schönsten deutschen Landschaften zusammengekommen sind, um sich über aktuelle Themen auszutauschen. Auch diese Tradition soll unter dem Dach der Forschungsstelle in Zukunft fortgeführt werden.

Veranstaltungen und Links

4. Januar 2021

Einweihung Forschungsstelle für Japanisches Recht

Am 22.1. wird mit einer deutsch-japanischen Online-Konferenz zum Thema "Corona und Recht" die am Lehrstuhl von Prof. Dr. Kaspar neu eingerichtete Forschungsstelle für Japanisches Recht offiziell eingeweiht. Drei renommierte Kollegen von japanischen Universitäten werden verfassungs- und strafrechtliche Aspekte der Corona-Pandemie erläutern, anschließend besteht die Gelegenheit für Fragen und Diskussionen. Alle Interessierte sind herzlich eingeladen. Mehr Informationen zur Veranstaltung und den Zoom-Link finden Sie auf der folgenden Seite.

3. Dezember 2020

Online-Interview : „Bestandsaufnahme: Die Rolle des japanischen Kaisers in der Corona-Krise und der Stand der Diskussion um die Verfassungsänderung nach Abe“

Am Donnerstag, den 22. Oktober 2020, von 18:00 Uhr bis 19:15 Uhr veranstalteten die Deutsch-Japanische Juristenvereinigung und die Deutsch-Japanische Gesellschaft in Bayern ein Online-Interview zu oben genanntem Thema. Nähere Informationen und den Link zum Interview finden Sie auf der folgenden Seite.

3. Dezember 2020

Japan in den Zeiten der Corona-Krise: Die Lage der Universitäten und die Situation an der Deutschen Schule Yokohama

In diesem einstündigen Online-Gespräch sprechen das Vorstandsmitglied und der Präsident der Deutsch-Japanischen Gesellschaft in Bayern e.V., Kiriko Nishiyama und Dr. Oliver Schön, mit Prof. Dr. Stefan Buchenberger, der seit 20 Jahren in Japan lebt und arbeitet, über den Einfluss der Corona-Pandemie auf den Lehrbetrieb an den Universitäten, aber auch über die Situation an der Deutschen Schule in Yokohama. Nähere Informationen und den Link zum Online-Gespräch finden Sie auf der nachfolgenden Seite.

Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht, Kriminologie und Sanktionenrecht
Juristische Fakultät

 

Kontakt Sekretariat:

Tel.: +49 (0) 821 598-4556
Email: michaela.braun@jura.uni-augsburg.de

 

Sprechzeiten:

Montag bis Freitag  : Vormittags

 

Hausanschrift:

Universitätsstraße 24
Gebäude H - Raum 2034
86159 Augsburg

Suche