Gastprofessur für Jüdische Kulturgeschichte

„Jüdische Kulturgeschichte“ in Augsburg – dank einer großzügigen Spende von Herrn Dr. Georg Haindl kann die Philologisch-Historische Fakultät eine Gastprofessur einrichten, die einmal im Jahr nationale und internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach Augsburg einlädt, um über jüdisches Leben und Kultur in Geschichte und Gegenwart nachzudenken. Damit wird der kulturgeschichtliche Schwerpunkt der Fakultät gestärkt und um eine zentrale Dimension globaler Geschichte erweitert. Das Themenspektrum dafür ist sehr bereit: Von der Vormoderne und der Geschichte jüdischer Aufklärung und Emanzipation, über die Shoa und die Exilliteratur bis hin zu jüdischer Literatur und Kultur in der Gegenwart.

 

Die GastprofessorInnen sind eingeladen, ihre Forschungen einer breiten Augsburger Öffentlichkeit vorzuzustellen und ihre Themen auch in Seminaren an Studierende zu vermitteln. Die Fakultät stärkt damit ihr internationales Profil und ihr fächerübergreifendes Lehrangebot. 

 

In der Regel finden die Veranstaltungen der Gastprofessur für Jüdische Kulturgeschichte in den Sommersemestern statt.

Sommersemester 2021

Für die Gastprofessur im Sommersemester 2021 konnte die Fakultät Herrn  Prof. Dr. George Y. Kohler ( Bar Ilan Univeristät, Ramat Gan, Israel) gewinnen.

 

Professor Kohler hält im Rahmen der Gastprofessur drei öffentliche Vorträge (s.u.) und zwei Lehrveranstaltungen.

 

Am Dienstag, 8. Mai, 18:30 Uhr hält er einen Vortrag zum Thema „Mystik als Nationalismus par excellence   Gershom Scholem und die jüdische Emanzipation im 20. Jahrhundert.“ Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Jüdischen Kulturmuseum Augsburg statt. Zugang zum digitalen Vortrag erhalten Sie auf den Seiten des jüdischen Kulturmuseums.

 

 

Eröffnungsvortrag Jüdische Studien an der Universität Augsburg Moses Mendelssohn - Der Beginn des modernen jüdischen Denkens als ein Unfall der Geschichte

als Zoom-Veranstaltung über die Universität Augsburg am Dienstag, dem 4. Mai 2021 um 16 Uhr,
link zur Veranstaltung über: Jüdische Kulturgeschichte – George Kohler

Mendelssohns Religionsphilosophie bildet in mehrfacher Hinsicht den Anfang eines neuen jüdischen Denkens: Vollkommen modern war Mendelssohns Ansatz, das Judentum von außen zu beschreiben, so dass der Weg für eine Lokalisierung des Judentums in der Weltgeschichte frei gemacht war, für das Erkennen des jüdischen Beitrages zur Entwicklung der Kultur der gesamten Menschheit – und damit, wiederum, für eine zivilisatorische Existenzberechtigung des Judentums auch noch in der Moderne. Diese Außensicht Mendelsohns hatte allerdings auch ihren Preis. Wollte man eine universelle, philosophisch-allgemeingültige Betrachtung des Judentums erreichen, die nicht mehr ausschließlich von der Autorität interner Glaubenssätze gestützt war, und gleichzeitig aber die identitätsstiftende Observanz des praktischen Religionsgesetzes beibehalten, so musste man beide Bereiche klar voneinander trennen – ein folgenreicher Prozess, wie hier gezeigt werden soll.

Verbindungsdaten für Zoom:

Wann: 4.Mai.2021 16:00 Uhr
Thema: VortragKohler

Klicken Sie bitte auf den nachfolgenden Link bzw. übernehmen Sie in Ihre Browserzeile, um am Webinar teilzunehmen:
https://uni-augsburg.zoom.us/j/96072795055?pwd=VWVHZmFuSUF2VVZoWEtKWkVDYTVHdz09
Kenncode: Moses+2021 (bzw. E-Mail-Adresse angeben)

Vortrag Mystik als Nationalismus par excellence - Gershom Scholem und die jüdische Emanzipation im 20. Jahrhundert

im stream als Premiere über das Jüdische Museum am Dienstag, dem 8. Juni um 18.30 Uhr, link zur Veranstaltung über das Jüdische Museum: https://jmaugsburg.de/veranstaltungen/mystik-als-nationalismus-par-excellence/

Ausgehend von der heftigen Kritik Gershom Scholems an der Kabbalah-Forschung seiner Vorgänger in der Wissenschaft des Judentums werden hier die eigentlichen ideologischen und theologischen Hintergründe dieses Konflikts dargestellt: Ein Streit um die grundverschiedenen Ansätze zu dem gemeinsamen Ziel, das Judentum durch die Moderne zu retten. Während die eine Seite eine universalistisch-ethische Interpretation des Judentums betonen will, die auf Kantisch verstandene jüdische Gesetzlichkeit und bürgerliche Emanzipation in der Diaspora setzt, wird spätestens mit Scholems Verständnis von häretischem Messianismus und jüdischer Mystik ein nationalistisch-nihilistischer Ansatz stark, der mit Nietzsche auf Absonderung (Zionismus) und „Stärke“ besteht. Während die eine Seite an einer idealistischen Definition des „Wesens des Judentums“ (Leo Baeck) arbeitet, wenn nicht gar an einer fortwährenden messianischen Mission des ethischen Monotheismus an die Zivilisation, versucht die andere Seite eine kultur-deterministische „Authentizität des Jüdischen“ festzustellen, die nicht nur in Bubers Neo-Chassidismus, sondern auch in der Bluts-Metaphorik bei Rosenzweig ihren Ausdruck findet.

Vortrag im Festsaal des Jüdischen Museums Juden verklagen Antisemiten – Gerichtsprozesse über den Talmud im Habsburger- und im deutschen Kaiserreich

Präsenzveranstaltung im Festsaal des Jüdischen Museums, Mitschnitt im Anschluss über das Jüdische Museum abzurufen, am Donnerstag, dem 8. Juli 2021 um 18.30 Uhr
Die recht unbekannte, aber sehr aufschlussreiche Geschichte von jüdischen Verleumdungs-Klagen gegen moderne Talmudkritik (August Rohling etc.) am Ende des 19. Jahrhunderts, die aber natürlich von den deutschen und österreichischen Gerichten kaum ohne Experten-Gutachten entschieden werden konnten, so dass hier die spannende politische Konstellation entsteht, in der einerseits Juden vielleicht zum ersten Mal ihre religiösen Rechte gerichtlich einklagen konnten (mit Hilfe deutscher Staatsanwälte), andererseits aber diese Gutachten selbst (von akademisch gebildeten „Doktor-Rabbinern“, eines sogar von Hermann Cohen erstellt) konfliktgeladene Texte wurden, denn natürlich enthält der Talmud tatsächlich die abwertenden Äußerungen gegenüber nicht-Juden, die ihm vorgeworfen wurden. Der Vortrag untersucht exemplarische drei Prozesse und die darin abgegebenen Gutachten.

Lehrveranstaltungen

  • Jüdische Denkgeschichte vom Talmud bis heute
  • Ist Judentum moralisch? Ethik in der jüdischen Theologie von Bibel und Talmud bis heute

Kontakt

Prof. Dr. Christiane Fäcke
Dekanin
Philologisch-Historische Fakultät
  • Telefon: +49 821 598 - 2734
  • E-Mail:
  • Raum 4019 (Gebäude D)

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