Politische Online-Influencer:innen als Intermediäre: Neue Konstellationen in der politischen Kommunikation

Neue Akteure. Neue Öffentlichkeiten. Neue Fragen.

 

Laufzeit: Juli 2023 - November 2026.

 

Politische Online‑Influencer:innen (POI) sind längst mehr als Randfiguren im Netz. Sie erreichen Millionen Menschen, kommentieren gesellschaftliche Entwicklungen, ordnen politische Ereignisse ein und prägen Debatten. Gleichzeitig bewegen sie sich an Schnittstellen: zwischen Journalismus und Aktivismus, zwischen Unterhaltung und Information, zwischen politischer Öffentlichkeit und Creator‑Economy.

In unserem DFG‑Forschungsprojekt untersuchen wir, wie dieser neue Akteurstyp entsteht, wirkt und welche Bedeutung er für demokratische Öffentlichkeiten.

 

Warum wir uns mit POI beschäftigen

Die digitale Öffentlichkeit wird nicht mehr nur von klassischen Intermediären gestaltet. Neben Medienhäusern, Journalist:innen und Parteien sind Creator:innen heute wichtige Stimmen im öffentlichen Raum. Sie sind:

  • Hybrid — sie wechseln zwischen Plattformen, Genres und Kommunikationsrollen.
  • Grenzgänger:innen — zwischen politischer Information, persönlicher Erfahrungswelt, Unterhaltung und Werbung.
  • Dynamisch — sie verändern ihre Rollen schnell und reagieren flexibel auf mediale Trends.
  • Schwer einzuordnen — mal Expert:in, mal Aktivist:in, mal Entertainer:in, mal politischer Akteur.

Ihre Vielfalt macht sie spannend, aber auch erklärungsbedürftig: Wer sind diese neuen Akteure? Wie wirken sie? Und was bedeuten sie für Demokratie, Öffentlichkeit und politische Kommunikation?

 

 

Wie wir arbeiten

Wir kombinieren mehrere Forschungsmethoden:

  • qualitative Tiefeninterviews mit Creator:innen, Nutzer:innen, Journalist:innen, politischen Akteuren
  • quantitative & qualitative Inhaltsanalyse mit komplexen Kodierbüchern für Profile & Videos
  • Fallstudien & dokumentarische Analyse z. B. Wahlkampf 2025
  • relational‑theoretische Modellierung zur Einordnung der neuen Akteurstypen

 

Was unser Projekt besonders macht

  • Wir verbinden Theorie + Empirie + Plattformforschung.
  • Wir untersuchen POI nicht nur als Medienphänomen, sondern als
    Akteure in einem demokratischen Gefüge.
  • Wir erforschen normative FragenRollenSelbstbilder,
    PublikumswahrnehmungParteien‑Strategien und rechtsextreme digitale Öffentlichkeiten.
  • Wir schaffen Wissen für Medien, Politik, Wissenschaft & Gesellschaft,
    um neue digitale Öffentlichkeiten besser zu verstehen.

Was wir erforschen

Unser Projekt betrachtet POI aus mehreren Perspektiven, die zusammen ein vollständiges Bild dieses neuen Akteurfeldes ergeben.

 

1. Was macht POI zu einem neuen Phänomen?

POI sind vielseitig, schwer klar abzugrenzen und entziehen sich klassischen Kategorien.
Wir klären:

  • Was unterscheidet sie von Influencer:innen, Journalist:innen, Aktivist:innen?
  • Wie entstehen Rollenbilder neuer digitaler Akteur:innen?
  • Wie verändern Plattformlogiken das, was „politische Kommunikation“ heute bedeutet?

2. Wie etablieren sie sich in der Öffentlichkeit?

Wir entwickeln theoretische Modelle, die erklären:

  • wie POI in politische Öffentlichkeiten hineinwachsen
  • wie sie Beziehungen zu Publikum, Medien und Politik aufbauen
  • welche Formen von Kapital (z.B. Mediakapital, Social Capital) sie nutzen
  • wie sie zwischen journalistischen und populärkulturellen Kommunikationsstilen wechseln

3. Chancen und Risiken für die Öffentlichkeit

Wir fragen:

  • Welche positiven Potenziale haben POI?
    → niedrigschwellige Zugänge zu Politik, Erreichen politikferner Zielgruppen, Kontextualisierung von Informationen, Sichtbarmachung marginalisierter Perspektiven.
  • Welche Risiken entstehen?
    → Desinformation, fehlende journalistische Standards, unklare Rollen, Vermischung von Werbung und Meinung, extremistische Strategien.

4. Wie sehen POI sich selbst?

In Interviewstudien untersuchen wir:

  • ihr Rollenverständnis
  • wie sie journalistische Erwartungen akzeptieren oder zurückweisen
  • wie sie Verantwortungsbewusstsein, Transparenz und Einfluss einschätzen
  • welche „Role Work“-Praktiken sie anwenden
  • wo sie sich im Vergleich zu journalistischen Akteuren verorten

5. Wie erleben Nutzer:innen politische Creator?

Wir befragen Follower:

  • Welche Rolle spielen POI im Informationsrepertoire der Nutzer:innen?
  • Wie bewerten sie journalistische vs. kreative Vermittlung?
  • Welche parasozialen Beziehungen entstehen?
  • Welche Erwartungen an Verantwortlichkeit gibt es?
  • Was macht POI glaubwürdig oder problematisch?

6. Wie arbeiten Parteien mit Creator:innen? (Bundestagswahl 2025)

Wir analysieren:

  • wie politische Parteien mit Creator:innen kooperieren
  • welche Strategien existieren (z. B. Networked Political Creation vs. Embedded Political Creation)
  • wie Die Linke und AfD mit Creator:innen arbeiteten
  • welche Rolle Creator:innen im digitalen Wahlkampf 2025 spielten

7. Was kommunizieren POI — und wie? (Inhaltsanalyse TikTok & Instagram)

Unsere große Inhaltsanalyse untersucht:

  • Themen & Narrative
  • persuasive Strategien
  • Inszenierung von Authentizität & Expertise
  • Visualität, Präsentation, Format
  • Plattformoptimierung & algorithmische Muster
  • besonders: rechte & rechtsextreme Creator:innen

Wir erfassen, wie extrem rechte Creator:innen Geschichte umdeuten, politische Feindbilder konstruieren und welche Inszenierungspraktiken sie nutzen.

Team © Universität Augsburg

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