Laufende Dissertationsprojekte

Versuche einer Relecture des Thomas von Aquin zur Unbefleckten Empfängnis infolge des Dogmas von 1854.

Dass Thomas von Aquin in der Frage der Unbefleckten Empfängnis eine makulistische Position vertrat, während das kirchliche Lehramt im Laufe der Jahrhunderte immer mehr zur immakulistischen Haltung tendierte – eine Entwicklung, die in der dogmatischen Definition des Jahres 1854 gipfelte – stellte die Thomisten aller Jahrhunderte vor Probleme.

 

Angefacht durch die klare lehramtliche Empfehlung des Aquinaten als der theologischen Autorität par excellence schien sich hier ein klarer Widerspruch aufzutun: Hatte Thomas sich in dieser zentralen Frage wirklich geirrt? Konnte er sich überhaupt geirrt haben? Oder anders gefragt: Durfte die Kirche eine Lehre gegen Thomas zum Dogma erheben?

 

Gerade im Nachklang der großen Thomasenzyklika Aeterni patris (1879) Papst Leos XIII. versuchten einige Denker der Neuscholastik mit Nachdruck, ihren Gewährsmann neu zu interpretieren – und kamen dabei zu dem die überwältigende Mehrheit der thomistischen Tradition der voraufgehenden Jahrhunderte torpedierenden Ergebnis, Thomas stimme bis ins kleinste Detail mit der Lehre des Dogmas überein, ja, sei der einzige der scholastischen Denker, der das Dogma so schon vertreten hätte. Eine solche Auffassung findet sich, wenn auch mit je eigener Schwerpunktsetzung, etwa beim Eichstätter Dogmatiker Franz von Paula Morgott, bei Ceslaus Maria Schneider, einem schlesischen Priester und zeitweiligen Dominikaner, oder bei Norberto del Prado, einem spanischen Dominikaner, aber auch bei Réginald Garrigou-Lagrange, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts am römischen Angelicum lehrte.

 

Neben der Sachfrage an sich, welche Haltung Thomas zum Verhältnis Mariens zur Erbsünde vertreten habe und inwiefern die Versuche einer Relecture dieser und anderer Gewährsmänner letztlich stimmig sind, birgt die Thematik noch eine weiterführende, viel allgemeinere Perspektive: Welche Autorität darf und kann ein einzelner Theologe für die Dogmatik grundsätzlich einnehmen? Anders gewendet: Ist es ein legitimes Vorgehen, sich auf einen konkreten Denker als zentrale Quelle der Theologie zu stützen?

Die Philosophie Gustav Siewerths in ihrem Einfluss auf Hans Urs von Balthasar.

Das Dissertationsprojekt soll aufzeigen, wie der philosophische Grundduktus in Balthasars Denken mit seinen ontologischen Prämissen in Gustav Siewerths eigentümlicher Interpretation der thomanischen Seinsphilosophie und Deutung der Metaphysikgeschichte eine ihm kompatible Sprache findet.


Es soll hierzu erörtert werden, dass Balthasars philosophiegeschichtlicher Entwurf in nicht geringem Maße von Siewerths an Heidegger orientierter Sicht auf eine postulierte Geschichte der Seinsvergessenheit bestimmt ist. Auch Balthasars Überlegungen zum Miteinander von göttlich-unendlicher und menschlich-endlicher Freiheit verweisen immer wieder auf Gustav Siewerth.


Das Projekt möchte im Werk des Schweizer Theologen die Bezüge zur Philosophie Siewerths herausstellen. Denn im Rekurs auf Intuitionen Siewerths, der innerhalb des Seins eine positive Differenz auszumachen beansprucht, umreißt Hans Urs von Balthasar nicht nur Elemente einer onto-trinitarischen Theologie, sondern deutet mithin eine Neufassung der Transzendentalienlehre an. So mag am Ende vielleicht auch heute nachvollziehbar werden, wie Balthasar zu der kühnen Insinuation gelangt: Liebe gehöre nicht nur zu den Transzendentalien, sondern sei letztlich noch universaler als selbst das Sein.

Maria, die „Schmerzensmutter“. Exegetische, historische und systematische Aspekte eines Marientitels.

Das Dissertationsprojekt nimmt den Marientitel „Mater dolorosa“ in den Blick und beabsichtigt, eine dogmatische Gesamtschau der marianischen Leidensthematik zu geben. In den Jahren 1910 bis 1960 und hinein in das Zweite Vatikanische Konzil hatte sich die Reflexion der Schmerzen Marias vor allem auf die Frage nach einer „Miterlöserschaft“ Marias im Heilswerk Christi zugespitzt. Nachdem sich das Konzil zu einer dogmatischen Definition unfähig sah, ebbte die Corredemptrix-Debatte in der Folgezeit rasch ab und mit ihr das nähere theologische Interesse an den Leiden der Mutter Christi. Mehr als ein halbes Jahrhundert nach Konzilsabschluss und in einer Zeit, in der die existenzielle Erfahrung von Leiden in Kirche und Welt nichts von ihrer Aktualität verloren hat, erscheint es gewinnbringend, erneut - vom Standpunkt der gegenwärtigen Forschung aus - die Leiden jener Frau zu reflektieren, die die Kirche als Mutter Christi und Mutter der Kirche verehrt.

 

Eingehend beschäftigt sich die Arbeit mit den biblischen Ausgangsstellen der Schmerzensmutter-Verehrung, Lk 2,34f. und Joh 19,25-27; Schriftworte, denen die Tradition im Hinblick auf das Thema sekundäre Bedeutung zusprach, runden das biblische Bild einer „Mutter der Schmerzen“ ab. Die Theologie- und Frömmigkeitsgeschichte des Schmerzensmutter-Motivs wird sodann in ihren wesentlichen Zügen dargestellt: von den Anfängen in der Antike über die breite Entfaltung im Mittelalter hin zur neuzeitlichen Konkretisierung der Fragestellung. In einem systematischen Teil werden die Schmerzen Marias schließlich im Kontext der marianischen Dogmen reflektiert und „im Geheimnis Christi und der Kirche“ (Lumen Gentium, 8) erwogen. Hierzu liefern heute auch die Erkenntnisse der Psychologie einen wertvollen Beitrag: Sie erhellen die mariologischen Überlegungen, indem sie auf die psychosomatischen Zusammenhänge von Leiderfahrung aufmerksam machen, und vermögen die theologischen Spekulationen so auf einer anderen Ebene der Wirklichkeit menschlichen Seins zu „erden“.

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