Evidenzorientiertes Denken und Handeln von Lehramtsstudierenden und Lehrkräften

  • Projektstart: 01.07.2018
  • Projektträger: DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft)
  • Projektverantwortung vor Ort: Prof. Dr. Ingo Kollar
  • Beteiligte WissenschaftlerInnen der Universität Augsburg: Dr. Katharina Kiemer, Christina Wekerle
  • Beteiligte WissenschaftlerInnen / Kooperationen: Prof. Dr. Robin Stark, Dr. Kai Wagner

 

 

Zusammenfassung

Die Lösung pädagogisch-psychologischer Problemstellungen im Schulkontext auf Basis bildungswissenschaftlicher Theorien und Befunde, wird in der Literatur als „evidenzorientiertes Denken und Handeln“ (Stark, 2017) bezeichnet. Empirische Studien zeigen, dass sowohl Lehramtsstudierende als auch praktizierende Lehrkräfte hierbei häufig erhebliche Probleme haben. Im Rahmen dieses Kooperationsprojekts mit der Universität des Saarlandes (Prof. Dr. Robin Stark) wird in einer ersten Studie durch kontrastive Analysen zwischen Lehramtsstudierenden, Lehrkräften und Bildungswissenschaftlern untersucht, welche kognitiven Prozesse und Aktivitäten ihre jeweiligen kognitiven Skripts (Schank, 1999) zum evidenzorientierten Denken ausmachen und durch welche Komponenten ein zur kompetenten Lösung pädagogisch-psychologischer Problemstellungen effektives Skript charakterisiert ist. Ausgehend von diesen Befunden werden in zwei weiteren Studien Möglichkeiten zur Förderung untersucht, unter anderem in Form von unterschiedlichen Präsentationsformaten bildungswissenschaftlicher Evidenz, Prozess- und Reflexionshilfen.

 

Beschreibung

Lehrende im Schulkontext sehen sich vielfältigen pädagogischen Problemsituationen gegenüber. Zum Beispiel müssen sie Wege finden, unmotivierte Schüler(innen) zu einer aktiven Auseinandersetzung mit den Lerninhalten zu bewegen oder Unterricht derart gestalten, dass Lernende mit unterschiedlichen kognitiven Lernvoraussetzungen von diesem profitieren können. Es wird zunehmend die Forderung erhoben, dass Lehrende derartige Probleme „evidenzbasiert“ (z.B. Bromme, Prenzel & Jäger, 2014) lösen sollen. Entscheidungen für pädagogische Handlungen sollen also nicht auf der Grundlage von alltagspsychologischen Überlegungen, sondern auf Basis bewährter bildungswissenschaftlicher Theorien und Befunde gefällt werden (KMK, 2004).

Weitgehend unklar ist, inwieweit es der aktuellen universitären Lehramtsausbildung gelingt, angehende Lehrer(innen) hinsichtlich der Entwicklung von Fähigkeiten zum evidenzorientierten pädagogischen Denken und Handeln zu fördern. Tatsächlich zeigen Lehramtsstudierende zahlreiche Defizite bei der Anwendung bildungswissenschaftlicher Evidenz auf schulische Problemsituationen (z.B. Wagner, Klein, Klopp & Stark, 2014). Als Ursachen wurden bisher neben ungünstigen Motivationslagen und Einstellungen bzgl. bildungswissenschaftlicher Theorien (z.B. Parr & Timperley, 2008) insbesondere Defizite in Umfang und Tiefe des verfügbaren bildungswissenschaftlichen Wissens (z.B. Star & Strickland, 2008) sowie bei Abruf und Anwendung dieses Wissens (träges Wissen; Renkl, 2006) herausgearbeitet, wodurch ein Rekurrieren auf Alltagswissen und subjektive Theorien (Furinghetti & Pehkonen, 2002) mitbedingt wird.

Das Projekt zielt darauf ab, weitere und differenziertere Erkenntnisse über die Ursachen für Defizite im evidenzorientierten Denken und Handeln von Lehramtsstudierenden (im kontrastiven Vergleich zu erfahrenen Lehrkräften und zu Bildungswissenschaftler(inne)n) zu generieren. Hierfür ist die Unterscheidung in einen Inhalts- und einen Formaspekt evidenzorientierten Denkens und Handelns zentral: Mit Blick auf den Inhaltsaspekt wird untersucht, auf welche Wissensinhalte Lehramtsstudierende im Vergleich zu Praxis- und Wissenschaftsexperten rekurrieren, um unterrichtsbezogene Problemsituationen zu bearbeiten. Hierbei interessiert besonders, wie die Nutzung von (bildungs-)wissenschaftlichem Wissen und Erfahrungswissen bei der Auseinandersetzung mit entsprechenden Problemen zusammenspielt. Bzgl. des Formaspekts wird untersucht, welche kognitiven Prozesse sich bei Lehramtsstudierenden im Vergleich zu erfahrenen Lehrkräften und zu Bildungswissenschaftler(inne)n bei der Bearbeitung entsprechender Problemsituationen zeigen. Diese werden skripttheoretisch (Schank, 1999) konzeptualisiert. Der Vergleich des evidenzorientierten Denkens und Handelns von Lehramtsstudierenden und erfahrenen Lehrkräften sowie Bildungswissenschaftler(inne)n auf der Form- und der Inhaltsebene wird dann für die Entwicklung und Untersuchung von Fördermaßnahmen für Lehramtsstudierende nutzbar gemacht. 

 

Weitere Mitarbeiter(innen):

Franziska Macho (studentische Hilfskraft)

Jessica Gröninger (ehemalige studentische Hilfskraft)

 

Finanzierung:

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG, KO 3462/3-1)

 

 

 

 

 

 

Ansprechpartner

Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät
  • Raum 2092 (Gebäude D)

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