Laufende Projekte

Bildung für nachhaltige Entwicklung und Hochwasserschutz als Aufgabe europäischer Richtlinienpolitik

Promotionsprojekt

 

Gegenstand der Dissertation ist die Betrachtung und Untersuchung des Hochwasserschutzrisikomanagements im Kontext der generationenübergreifenden Herausforderung „Nachhaltigkeit“ und der damit verbundenen Querschnittsaufgabe Bildung für nachhaltige Entwicklung, welche sich u.a. explizit am Prinzip der Partizipation in der politischen Bildung widerspiegelt. In diesem Rahmen sollen aus einer sozialwissenschaftlichen Perspektive heraus die komplexen Zusammenhänge des Hochwasserschutzrisikomanagements in den Ländern Deutschland und Österreich sichtbar gemacht und untersucht werden. Dafür wurde u.a. ein Fragebogen entworfen, welcher den Kern des empirischen Forschungsvorhabens darstellt. Hierfür sollen verschiedene Akteure (Behörden, Institute, NGOs, Bürgerinitiativen etc.) befragt werden, die mit dem Aufgabenfeld des Hochwasserschutzes befasst sind.

 

Da „dem Anspruch, BNE als inhaltliche und organisatorische Querschnittsaufgabe umzusetzen“[1], die Politische Bildung bislang jedoch nicht gerecht wurde und es gilt, die „Themen der BNE stärker als bisher in Projekten und Bildungsangeboten aufzugreifen und die komplexen Zusammenhänge sichtbar zu machen“[2], leistet die Arbeit anhand des Themenkomplexes „Hochwasserschutzrisikomanagement und Hochwasserschutz“ aus einer politikdidaktischen Perspektive heraus einen Beitrag zur Diskussion um die Bildung für nachhaltige Entwicklung. Dieser Themenkomplex, exemplarisch für einen Aspekt der Bildung für nachhaltige Entwicklung, wird gewählt, da er aus der fachwissenschaftlichen Perspektive heraus unterschiedliche Gesichtspunkte in Bezug auf die Bildung für nachhaltige Entwicklung enthält. Beispielsweise steht das Thema „Hochwasserschutz“ für eine öffentliche und gemeinwohlorientierte Aufgabe und ist deswegen aus didaktischer Sicht äußerst interessant, da es u.a. das Querschnittsziel Partizipation ermöglicht. Zusätzlich ist das Thema „Hochwasserschutz“ als reales gesellschaftliches Problem und „Fallbeispiel einer öffentlichen und gemeinwohlorientierten Querschnittsaufgabe innerhalb der vertikalen Gewaltenteilungssystems der Europäischen Union, der Bundesrepublik Deutschland, der Länder sowie der kommunalen Gebietskörperschaften […]“[3], für die politische Bildung geeignet. Darüber hinaus ermöglicht dieses Forschungsvorhaben neue Sichtweisen, insofern es sich dem Thema „Hochwasserrisikomanagement“ aus einer sozialwissenschaftlichen Perspektive nähert und die weitreichenden Folgen für den Menschen betrachtet. Ebenso wird der Forschungsstand mit Ergebnissen aus der damit verbundenen quantitativ-empirischen Sozialforschung erweitert.

 

 

[1] Zit. Erben, Friedrun/ De Haan, Gerhard: Nachhaltigkeit und politische Bildung, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zur Wochenzeitung ‘Das Parlament’ 31-32/2014 v. 28.07.2014, S.24.

 

[2] Ebenda, S.25.

 

[3] Zit. Brunold, Andreas: Europäische Richtlinien und praktisches Verwaltungshandeln: das Beispiel Hochwasserschutz, in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), Themen und Materialien. Konzepte des Grundgesetzes - die verfassungsgemäße Ordnung der Bundesrepublik. Neun Bausteine für die schulische und außerschulische politische Bildung, Bonn 2013,  S.196.

Bildung für nachhaltige Entwicklung am Beispiel der deutschen Energiewende

Bildung für nachhaltige Entwicklung am Beispiel der deutschen Energiewende – Diagnose der Lernvoraussetzungen von Schülern und Entwicklung eines adaptiven Unterrichts zum Thema Nachhaltigkeit am Beispiel der Mobilität an Gymnasien

 

Katharina Hiller, Studienrätin am Gymnasium, Promotionsprojekt im Rahmen des Projekts LeHet (Förderung der Lehrerprofessionalität im Umgang mit Heterogenität)

 

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) erfährt eine immer profiliertere Stellung in den Lehrplänen aller Schulformen. Das vorliegende Forschungsvorhaben reagiert auf diese positive Entwicklung und möchte mit seinen Erkenntnissen BNE im Fach Sozialkunde an Gymnasien stärken. Anhand der Energiewende und des Beispiels Mobilität sollen Schüler(innen) befähigt werden, im Sinne eines mündigen Bürgers und zukünftigen Konsumenten zwischen nachhaltigen und nicht nachhaltigen Entscheidungen und Handlungen zu unterscheiden und zu urteilen. Auf der Grundlage eines konstruktivistischen Lernverständnisses werden die unterschiedlichen Präkonzepte der Schüler(innen) berücksichtigt, um darauf aufbauend adaptiven Unterricht zum Thema BNE zu entwickeln.

 

 

Die Forschungsfrage der geplanten Qualifizierungsarbeit lautet dementsprechend:

 

„Wie kann BNE durch eine gezielte, auf Fachkonzepte bezogene Diagnostik und den Einsatz adaptiver Lehr-Lernangebote an Schulen gestärkt werden?“

 

Mit dem Einsatz von Concept Maps als Erhebungsinstrument werden die Lernvoraussetzungen der Schüler(innen) zum Aufgabenfeld der Bildung für nachhaltige Entwicklung am Beispiel der Energiewende in Deutschland erhoben, um adaptives Unterrichten unter dem Einsatz der Dilemmamethode zu ermöglichen.

 

 

Folgendes Vorgehen dient der Umsetzung der quasi experimentellen Interventionsstudie:

  1. In einem ersten Schritt findet die Konzeption einer Concept Map als Erhebungsinstrument statt. Dieser Entwurf ist mit einer Einigung zwischen den beteiligten Lehrkräften und Wissenschaftlern auf eine gemeinsame Concept Map verbunden. Die Konstruktvalidität wird durch die gemeinsame Konzeption einer Expertenmap von beteiligten Fachlehrkräften und Wissenschaftlern erreicht, die der Korrespondenzanalyse dient.
  2. In 10. Klassen an Gymnasien werden in einem Pretest die Lernvoraussetzungen der Schüler(innen) durch die beteiligten Lehrkräfte erhoben. Im Anschluss findet die Auswertung des Pretests in Form der Korrespondenzanalyse (interindividueller Vergleich zwischen Schüler-Concept-Maps und Expertenmap) mit Zuhilfenahme der Open Source Software CMap durch die verantwortliche Wissenschaftlerin statt. Ziel ist es dabei, einen Einblick in die Präkonzepte innerhalb einer Lerngruppe zu erhalten.
  3. Im nachfolgenden Schritt erfolgt der Aufbau eines adaptiven Lehr-Lernarrangements basierend auf den Erkenntnissen des Prestests für jede Lehrgruppe. Die Entwicklung der Unterrichtssequenz findet gemeinsam mit den beteiligten Fachlehrkräften statt.
  4. Nach Erhebungen und Auswertung der jeweiligen Lernvoraussetzungen in den Lerngruppen kommt es zur Intervention. Die Dilemmamethode wird als Unterrichtsmethode innerhalb einer zweistündigen Unterrichtssequenz angewendet, um der Komplexität der Thematik und den Gestaltungskompetenzen innerhalb der BNE gerecht zu werden.
  5. In zuvor bestimmten Kontrollgruppen findet kein Treatment statt. Dies betrifft sowohl den Aspekt des adaptiven Unterrichtens als auch den Einsatz der Dilemmamethode.
  6. Die Lerneffekte der Unterrichtssequenzen werden anschließend in einem Posttest überprüft, der den Fortschritt des Wissensaufbaus und der Urteilskompetenz sowie die Perspektiven der Entscheidungs- und Handlungskompetenz hinsichtlich der ausgewählten Nachhaltigkeitsthematik binnen einer Schuljahresfrist berücksichtigt. Er wird in denselben Lerngruppen sowie nach Möglichkeit mit denselben Lehrkräften durchgeführt werden wie der Pretest. Für diesen Posttest wird als Erhebungsinstrument adäquat zum Prestest die Concept Map zur Ermittlung des Lernerfolgs eingesetzt.
  7. Auf der Grundlage der Ergebnisse des Posttests werden die verwendeten Lernarrangements und Maßnahmen des adaptiven Unterrichts im Hinblick auf ihre Leistungsfähigkeit reflektiert. Entsprechend ihrer Eignung werden diese identifiziert, modifiziert sowie weiter ausdifferenziert. Ziel ist es, unter Einbezug der Ergebnisse typische Fehlkonzepte zur Thematik zu identifizieren und ein entsprechendes Lehrangebot zur Thematik basierend auf diesen typischen Lernvoraussetzungen zu konzipieren, das den Fachlehrkräften als Handreichung bereitgestellt werden soll, um das Aufgabenfeld BNE insgesamt im Fach Sozialkunde an Gymnasien zu stärken.

Zum Umgang mit Präkonzepten und zur Anwendung adaptiver Unterrichtsmethoden werden die teilnehmenden Lehrkräfte in Fortbildungen geschult.

 

 

 

Tätigkeiten von Katharina Hiller im Rahmen des Projekts LeHet

 

Publikationen

  • Hiller, K. & Reichhart, B. (2017). Motivation of Civic Education Teachers-in-Training in theField of Education for Sustainable Development. Discourse and Communication forSustainable Education, 8(1), 81-89.

 

Teilnahme an Tagungen und Kongressen

  • Agendakongress 2016 Bildung für nachhaltige Entwicklung des Bundesministeriums fürBildung und Forschung, Berlin: 11.-12.07.2016
  • 6. Tagung des Deutschsprachigen Netzwerks LehrerInnenbildung für eine nachhaltigeEntwicklung – LeNa, Lüneburg: 13.-14.07.2017
  • Agendakongress 2017 Bildung für nachhaltige Entwicklung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Berlin: 27.– 28.11.2017

 

Konferenzvorträge und Workshopausrichtungen

  • Vortrag: „Education for sustainable development using the example of the German energytransition – Diagnosis of students` preconditions and the development of adaptive teaching forthe topic “sustainability using the example of automobiles at German grammar schools“: 14th International JTEFS/BBCC Conference Sustainable Development, Culture, Education,Konya/Türkei: 12.-14.05.2016
  • Vortrag: “Concept Maps as a diagnostic tool for analysing students’ perceptions of playersand conflicting goals within the topic “sustainability and mobility transition” – the necessityof considering all dimensions of sustainability using the example of the German dieselscandal: 15th International JTEFS/BBCC Conference Sustainable Development, Culture, Education, Riga/Lettland: 16.-18.11.2017
  • Workshop: „Diagnostizieren der Lernvoraussetzungen von Schülerinnen und Schülerzum Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung“: LeHet-Netzwerktreffen, UniversitätAugsburg: 08.04.2016
  • Workshop: “Bildung für nachhaltige Entwicklung an Schulen“: 2. Augsburger Begabungstag - Nachhaltige Bildung, Bildung für Nachhaltigkeit, Augsburg: 11.11.2016

 

Ausrichtung von Lehrerfortbildungen im Rahmen des LeHet-Projekts

  • „Wie kann Bildung für nachhaltige Entwicklung durch gezielte Diagnostik der Präkonzepteder Schüler(innen) und den Einsatz adaptiver Lehr-Lernangebote an der Schule gestärktwerden?“ LehrerInnenfortbildung, Universität Augsburg: 12.10.2016
  • „Wie kann Bildung für nachhaltige Entwicklung durch Sozialkundeunterricht an der Schule gestärktwerden?“ LehrerInnenfortbildung, Universität Augsburg: 25.01.2017
  • „Einsatz von Concept Maps im Unterricht“, LehrerInnenfortbildung, Universität Augsburg: 05.12.2017

 

Teilnahme an Fortbildungen und Workshops

  • Fortbildung: „Latente Klassenanalysen und Lantende Profilanalysen“, Universität Augsburg: 11.-12.02.2016
  • Workshop: „Diagnose und Förderung von Schüler(inne)n im Rahmen kooperativer Lehr-Lernveranstaltungen“, im Rahmen des 2. LeHet–Netzwerktreffens, Universität Augsburg: 23.10. 2015
  • Workshop: „Elternberatung im Kontext von Heterogenität“, im Rahmen des 4. LeHet–Netzwerktreffens, Universität Augsburg: 19.05.2017

Politische Bildung an deutschen Auslandsschulen

Promotionsprojekt mit Anschlussfähigkeit an ein zu beantragendes Projekt der Bayerischen Forschungsallianz (BayFor)

 

Das Projekt beschäftigt sich mit der in der Politischen Bildung und Politikdidaktik bisher nahezu vollständig ausgeblendeten Frage, wie die Politische Bildung an den Deutschen Auslandsschulen vermittelt wird. Die Bedeutung der Fragestellung ergibt sich dabei gleichermaßen aus bildungspolitischer und politikdidaktischer Perspektive.  

 

Der bildungspolitische Kontext ist zunächst dadurch gekennzeichnet, dass sich die politische Bildung an den Schulen in Deutschland aufgrund der föderalen Bildungsstrukturen als sehr heterogen darstellt. Dies gilt sowohl im Hinblick auf das Selbstverständnis des Schulfaches Politik und seiner gesellschaftspolitischen Bedeutsamkeit als auch in seiner praktischen Umsetzung vor allem in den Sekundarstufen der Schulen. Diese Verschiedenheit spiegelt sich beispielsweise auch in den teilweise stark voneinander divergierenden Benennungen des Faches wider, die hinsichtlich der Begrifflichkeit von Bezeichnungen wie Politik, Politikwissenschaft, Politische Bildung bis hin zu Sozialwissenschaften, Sozialkunde, Gemeinschaftskunde oder Wirtschaft/Politik reicht. Diese semantische Heterogenität setzt sich an den mehr als 140 Deutschen Auslandsschulen fort. Hinzu kommt, dass die Deutschen Auslandsschulen das Unterrichtsfach Politik häufig an die jeweiligen nationalen Curricula anpassen, wodurch weitere politikdidaktische Fachverständnisse bei der Vermittlung politischer und gesellschaftlicher Inhalte zum Tragen kommen können. Auch wird – ebenso wie im föderalen deutschen Bildungssystem – die Politische Bildung häufig bestimmten sozialwissenschaftlichen Fächerverbünden zugeordnet. Diese Aspekte sollen u.a. in diesem Forschungsvorhaben ebenfalls untersucht werden.

 

Die Deutschen Auslandsschulen verfolgen vorrangig die Zielsetzung, deutsche sowie auch europäische Kulturvermittlung und Traditionen in den jeweiligen Länderregionen zu verankern. Hauptschwerpunkte dabei sind u.a. selbstverständlich die Vermittlung der deutschen Sprache, wobei im Zuge globaler Entwicklungen und Krisenerscheinungen ebenfalls Sachverhalte einer Bildung für nachhaltige Entwicklung wie auch Werte europäischer Demokratieentwicklungen priorisiert werden. So gewinnen neben den Dimensionen „knowledge“, „skills“ und „attitudes“ auch Aspekte der „values“ immer mehr an Bedeutung. Im Unterschied zu den Schulen in Deutschland gelten Deutsche Auslandsschulen als private Institutionen als so genannte „Leuchttürme“ deutscher Außenpolitik und erfüllen damit auch die Funktion als „Aushängeschilder“ deutscher Kulturpolitik im globalen Kontext.

 

Indem die Deutschen Auslandsschulen oftmals die föderalen deutschen Curricula übernehmen, stellen sie ein Bindeglied zwischen der deutschen und der nichtdeutschen Kulturperspektive dar. Alle Deutschen Auslandsschulen unterstehen der deutschen Schulaufsicht, werden vom Auswärtigen Amt subventioniert bzw. teilfinanziert und orientieren sich bezüglich der curricularen Prüfungsanforderungen an den Richtlinien der KMK. Darüber hinaus bieten die Deutschen Auslandsschulen neben den deutschen Schulabschlüssen meist auch nationalstaatliche Abschlüsse an, um der zumeist heterogenen Schülerschaft ein breites Angebot an Zukunftsperspektiven zu ermöglichen. In diesem Spannungsfeld zwischen deutschen und aus dieser Perspektive ausländischen Abschlüssen sowie den vielfältigen Adaptionen von Lehrplänen stehen die Politische Bildung und ihre Vermittlungspraxis als singuläres Fach in einem besonderen gesellschaftspolitischen Fokus.

 

Das Zentrum des Forschungsvorhabens bilden zunächst Analysen von Lehrplänen, Unterrichtswerken und Schlüsselbegriffen der Politischen Bildung in den jeweiligen Ländern. Zur Erhebung quantitativer und qualitativer Daten ist des Weiteren eine Befragung unter den Politiklehrkräften an den Deutschen Auslandsschulen geplant, die in den entsprechenden Fächerverbünden unterrichten. Ziel dabei ist es, nicht nur die verschiedenen Konzepte und Vermittlungspraktiken der Politischen Bildung zu ermitteln und gegenüberstellen zu können, sondern auch kulturell-politische Verflechtungen mit Hilfe vergleichender Aussagen herauszuarbeiten.

 

Um die Forschungsbefunde der quantitativen Erhebung inhaltlich stärker fundieren zu können, ist u.a. eine qualitativ gestützte Begleitforschung vor Ort (Leitfadeninterviews etc.) notwendig. Dabei wird an die Ergebnisse der Befragung von Lehrkräften angeknüpft mit dem Ziel, etwa drei bis vier exemplarisch ausgewählte „best practice“-Beispiele zu ermitteln. Die ausgewählten Schulen sollen als Modelle für exzellente Politikvermittlung an Deutschen Auslandsschulen das Forschungsprojekt abrunden. Zur Drittmittelfinanzierung dieser Auslandsaufenthalte soll bei der Bayerischen Forschungsallianz (BayFor) ein Antrag mit Projektskizze eingereicht werden.

Der biographisch-personenzentrierte Ansatz in der Politikdidaktik anhand des Themas „Politische Partizipation“

Paul Ernst, Studienrat am Gymnasium, Promotionsprojekt

 

Diese Arbeit hat zum Ziel, den biographisch-personenzentrierten Ansatz in der Politikdidaktik für das Thema „politische Partizipation“ im Politikunterricht fruchtbar zu machen.

 

Ausgangspunkt ist dabei der Eindruck, dass Jugendliche bzw. junge Erwachsene ihren Einfluss auf Politik eher gering einschätzen. So wird in der Shell-Jugendstudie 2010 deutlich, dass etwa die Hälfte der Jugendlichen an demokratischer Partizipation interessiert ist, dazu aber zu wenig Möglichkeiten sieht und einen Mangel an Vorbildern unter den „Berufspartizipierern“ kritisiert (vgl. Shell Deutschland Holding 2010). Eine Möglichkeit, diese empfundene Distanz zwischen eigenem Leben und politischem System für SchülerInnen anschaulich zu überbrücken, besteht im biographisch-personenzentrierten Ansatz. Dieser Ansatz wird als besonders geeignet angesehen, um anhand von Biografien Mikro-Makro-Zusammenhänge zu veranschaulichen (vgl. Hoppe 1996). Die besondere Anschaulichkeit und Motivation zur Auseinandersetzung durch Identifikation wird bisher aber eher in Top-down-Zusammenhängen von Politik verwendet (vgl. Partetzke 2013, Deichmann 2013). In dieser Arbeit soll es dagegen um den Einsatz in einem Bottom-up-Kontext gehen, in dem Biografien von Interventionsbürgern (vgl. Detjen 2007; auch Himmelmann 2007) im Unterricht verwendet werden, um Partizipationswege für SchülerInnen anschaulich zu machen und persönliche Zugänge zu ermöglichen. Die zentrale Fragestellung der Arbeit ist also, inwiefern der biographisch-personenzentrierte Ansatz im Schulunterricht dafür fruchtbar gemacht werden kann, SchülerInnen den Übergang vom reflektierte Zuschauer zum Interventionsbürger nahezubringen. Dies soll anhand einer empirischen Unterrichtsstudie untersucht werden.

 

 

Literatur

Deichmann, Carl 2013: Der personenbezogene Ansatz. In: Deichmann, Carl/Tischner, Christian K. 2013 (Hrsg.): Handbuch Dimensionen und Ansätze in der politischen Bildung. Schwalbach/Ts., S. 287-300.

 

Detjen, Joachim 2007: Politische Bildung. Geschichte und Gegenwart in Deutschland. München.

 

Himmelmann, Gerhard 2007: Demokratie Lernen als Lebens-, Gesellschafts- und Herrschaftsform. Ein Lehr- und Arbeitsbuch. Schwalbach/Ts.

 

Hoppe, Heidrun 1996: Subjektorientierte politische Bildung. Begründung einer biographie-zentrierten Didaktik der Gesellschaftswissenschaften. Opladen.

 

Partetzke, Marc 2013: Der biographisch-personenbezogene Ansatz. In: Deichmann, Carl/Tischner, Christian K. 2013 (Hrsg.): Handbuch Dimensionen und Ansätze in der politischen Bildung. Schwalbach/Ts., S. 301-313.

 

Shell Deutschland Holding (Hrsg.) 2010: Jugend 2010. Eine pragmatische Generation behauptet sich. 16. Shell Jugendstudie. Frankfurt a.M.

Entwicklung eines Seminarkonzeptes zur Förderung der politikdidaktischen Kompetenz von Lehramtsstudierenden

Entwicklung eines Seminarkonzeptes zur Förderung der politikdidaktischen Kompetenz von Lehramtsstudierenden anhand des Themas „Erneuerbare Energien auf europäischer Ebene – exemplarisch dargestellt an der Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens“

 

Christina Glückler, M.A., Promotionsprojekt mit Anschlussfähigkeit an ein zu beantragendes Jean Monnet-Projekt der Europäischen Union

 

Zahlreiche Befunde weisen darauf hin, dass viele Sozialkundelehrer gerade mit dem fachdidaktischen Teil des Studiums unzufrieden sind. Auch andere Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Veränderungen im Bereich der Fachdidaktik notwendig erscheinen. Daher soll im Zuge einer Dissertation ein Seminarkonzept im Bereich der Politische Bildung/Politikdidaktik entwickelt werden, welches die politikdidaktische Kompetenz der Teilnehmenden fördern soll. Das zu entwickelnde Seminar soll an mehreren bayerischen Universitäten durchgeführt und evaluiert werden. Pre- und Posttests dienen der Überprüfung, inwiefern das Seminar die politikdidaktische Kompetenz beeinflusst bzw. verändert hat.

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