Die Ethik der Dissonanz

Dissertationsprojekt von Stefan Schmid

Hauptaufgabe dieses Dissertationsprojekts ist es, den Ort der Dissonanz zwischen dem Bezirk der Ethik und dem der Ästhetik zu bestimmen und zu erforschen. Das literarische Bezugssystem, in welchem ein besonders dissonantes Wechselspiel von Ethik und Ästhetik ablesbar ist, besteht in Thomas Manns Roman "Doktor Faustus". Dieser in vielfältiger Weise von musikalischen Erfahrungen aufgeladene Text bildet ein eindrucksvolles und noch nicht zur Genüge erforschtes Geflecht von Theorien und Vermutungen darüber, wie Musik auf gesellschaftliche Prozesse und Strukturen einwirken kann. Auf das Thema des Romans hin konkretisiert bedeutet dies, herauszuarbeiten, wie sich (Musik-)Kultur und der geschichtliche Wandel Deutschlands in der Zeit vom Ersten bis hin zum Ende des Zweiten Weltkriegs gegenseitig bedingen, und inwieweit der Musik in ihrer damals von der Atonalität hin zur Zwölftonmusik wandelnden, "dissonanten" Gestaltung sogar Verantwortung zugeteilt werden muss. Dass die Figur der Dissonanz nicht nur in der Musik wirksam ist, sondern in verdeckter oder verwandelter Form (aber in ähnlicher Art und Weise) auch in anderen Künsten, zum Beispiel in Literatur, Malerei oder der Photographie, gehört zu den Strategien des Romans, die sichtbar gemacht werden müssen, um zu verstehen, warum sich ausgehend von Theodor W. Adorno und Arnold Schönberg die Dissonanz im ethischen Sinne als notwendige Eigenschaft moderner Kunst darstellt.

 

Projektbetreuung:

Prof. Dr. Mathias Mayer

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