Mit dem Projekt „Transferzentrum Frieden Augsburg“ intensivieren die Friedensstadt Augsburg und die Universität Augsburg ihre Zusammenarbeit im Themenfeld Frieden. Das Transferzentrum Frieden Augsburg trägt in unterschiedlichen Formaten und Kooperationsformen zum Transfer der Expertise der Friedens- und Konfliktforschung in die Praxisfelder der Friedensstadt Augsburg bei.
Zu den Praxisfeldern der Friedensstadt gehören für uns alle Räume, Aufgaben und Einrichtungen, in denen der Umgang mit Differenzen und Konflikten in einer friedensorientierten Weise gelingen soll. Beim Anspruch der Stadt Augsburg, „Friedensstadt“ zu sein, und dem daraus hervorgehenden Auftrag, ein friedliches Miteinander in der Stadtgesellschaft zu gewährleisten, unterstützt das Transferzentrum die Friedensstadt und ihre Einwohner*innen bei der Umsetzung dieser Aufgabe. Der BMFTR-geförderte Forschungsverbund „Bayerisches Zentrum für Friedens- und Konfliktforschung“ (BZeFK) ermöglicht dem Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung der Universität Augsburg, im Transferzentrum Frieden Augsburg neben städtischen Akteur*innen mitzuwirken und seine Expertise für die Praxisfelder der Friedensstadt bereitzustellen.
Transferzentrum Frieden Augsburg
Aktuelles
Auch in diesem Jahr bietet dasTransferzentrum Frieden Augsburg(TFA) im Rahmen des Friedensfestprogramms einepraxisorientierte Workshopreihe zur Bearbeitung von Konflikten im Alltagan, am 27.07., 03.08. und 05.08. jeweils von 17 - 20 Uhr im Hollbau, Annahof 4.
Konflikte gehören zu unserem Alltag – und bringen nicht selten auch Momente von Unsicherheit mit sich. Manchmal wissen wir nicht genau, wie wir ein Thema ansprechen sollen, manchmal treffen wir auf Reaktionen, mit denen wir nicht gerechnet haben. Solche Situationen fordern uns heraus und können das Gefühl von Sicherheit ins Wanken bringen. Gleichzeitig eröffnen sie aber auch die Möglichkeit, genauer hinzuschauen und neue Wege im Umgang mit Konflikten zu finden.
Eine konstruktive Bearbeitung von Konflikten kann dazu beitragen, handlungsfähig zu bleiben und schwierige Situationen nicht sich selbst zu überlassen, sondern aktiv und möglichst konstruktiv zu gestalten. Hierfür gibt es verschiedene Zugänge und Werkzeuge.
Das Transferzentrum Frieden Augsburg trägt mit seinen Veranstaltungen zum Transfer der Expertise der Friedens- und Konfliktforschung in die Praxisfelder der Friedensstadt Augsburg bei. Die Workshopreihe zur Bearbeitung von Konflikten im Alltag wird in Kooperation mit demEvangelischen Forum Annahofangeboten. In drei interaktiven Workshops lernen die Teilnehmenden unterschiedliche Herangehensweisen konstruktiver Konfliktbearbeitung kennen und erproben gemeinsam praktische Ansätze für einen bewussteren Umgang mit Konflikten im Alltag.
Workshop 1: Differenzen verunsichern, Konfliktbearbeitung gibt Sicherheit: Einführung in das Konzept konstruktiver Konfliktbearbeitung
Montag, 27. Juli 2026, 17:00-20:00 Uhr (Prof. Dr. Christoph Weller, Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung der Universität Augsburg)
Workshop 2: Keine Scheu vor der Konfliktbeziehung – Werkzeuge zur Überwindung
Montag, 3. August 2026, 17:00 – 20:00 Uhr (Martin Jank & Dr. Sylke Schlenker-Wambach, Konfliktkiste Augsburg)
Workshop 3: Umgang mit polarisierenden Konflikten
Mittwoch, 5. August 2026, 17:00 – 20:00 (Mitarbeiter*innen der Arbeitsgemeinschaft Friedenspädagogik München)
Eine Anmeldung ist erforderlich, die Zahl der Teilnehmenden ist begrenzt. Die Teilnahme ist kostenfrei, Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Es besteht die Möglichkeit, sich entweder für einzelne Workshops oder für die gesamte Workshopreihe anzumelden, je nach persönlichem Interesse. Die Veranstaltungen finden alle im Ernst-Troeltsch-Raum des Hollbaus, Annahof 4 in Augsburg statt.
Die imperialistische Großmachtpolitik ändert die Vorzeichen von Krieg, Frieden und Sicherheit. Staaten agieren zunehmend wie Warlords und setzen Krieg als Mittel der Politik ein. Übergänge von Gewaltkonflikten zu Frieden werden als „Deals“ behandelt, Mittelmächte wie die Golfstaaten treten mit neuem Selbstbewusstsein aber ambivalentem Kurs auf, und technologische Innovation verändert Kriege und erschwert die Regulierung. Zugleich befindet sich die internationale Kooperation in der Friedenssicherung – etwa in der Entwicklungszusammenarbeit oder in den Vereinten Nationen – in ihrer schwersten Krise. Innenpolitisch nehmen auch in Deutschland rassistische Einstellungen zu. Das Friedensgutachten analysiert Optionen, dennoch Frieden zu fördern.
Mit seinen konkreten Handlungsempfehlungen für Bundestag und Bundesregierung ist das jährlich erscheinende Friedensgutachten ein zentrales Medium für den Dialog zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik. Es wird herausgegeben von den deutschen Friedensforschungsinstitute: Bonn International Centre for Conflict Studies (bicc), Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg, Institut für Entwicklung und Frieden, Universität Duisburg-Essen und PRIF – Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung, Frankfurt a.M.
Christopher Daase ist Professor für internationale Beziehungen an der Goethe-Universität in Frankfurt und Ko-Direktor des Leibniz-Instituts für Friedens- und Konfliktforschung (PRIF). Er forscht seit vielen Jahren zu Fragen der Sicherheits- und Verteidigungspolitik, aber auch zu Friedensethik und Verhandlungsprozessen. Er berät politische Entscheidungsträger und arbeitet für internationale Organisationen.
Julia Reichenbacher leitet seit Juni 2025 das Büro für Kommunale Prävention der Stadt Augsburg und war zuvor bei der baden-württembergischen Polizei als Juristin tätig. Ihr Studium der Rechtswissenschaften absolvierte sie in Göttingen und arbeitete anschließend als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Stiftungsprofessur für Kriminalprävention und Risikomanagement der Universität Tübingen.
Die neuen Warlords. Gewaltdynamiken einhegen! Friedensgutachten 2026. Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Christopher Daase, Mitherausgeber des Friedensgutachtens 2026 am Dienstag, 16. Juni 2026 um 19:00 Uhr im S-Forum der Stadtbücherei Augsburg, Ernst-Reuter-Platz 1, veranstaltet vom Transferzentrum Frieden Augsburg, Friedensbüro der Stadt Augsburg und Evangelisches Forum Annahof.
Das Transferzentrum Frieden Augsburg lädt herzlich zu einem Abend mit dem Parents Circle — Families Forum ein. Darin arbeiten seit über 30 Jahren israelische und palästinensische Familien zusammen, die durch Gewalt, Terror und Krieg Angehörige verloren haben. Trotz ihres tiefen persönlichen Leids setzen sie sich konsequent für Dialog, Verständigung und ein Ende des Konflikts ein. Statt Hass wählen sie den Weg der geteilten Trauer. Ihr Anliegen ist nicht Vergebung, sondern die Transformation von Schmerz in Hoffnung — und die Überzeugung, dass Frieden nur durch gegenseitiges Zuhören und Anerkennen der unterschiedlichen Sichtweisen möglich ist. Der Parents Circle wurde 1995 gegründet und ist ungeachtet aller Eskalationen bis heute aktiv. Nach dem Hamas-Massaker an israelischen Zivilist*innen am 7. Oktober 2023 schlossen sich weitere Betroffene an — darunter Angehörige der Ermordeten sowie ehemalige Hamas-Geiseln. Gleichzeitig engagieren sich palästinensische Familien, von denen viele im Krieg im Gazastreifen zahlreiche Angehörige verloren haben. Diese Veranstaltung bietet die seltene Gelegenheit, diese außergewöhnlichen palästinensischen und israelischen Stimmen zu hören, die sich der Gewalt und den Vergeltungsgedanken entziehen — und stattdessen für Menschlichkeit, Dialog und Frieden eintreten.
Unsere Gäste werden sein:
Laila al-Sheikh lebt in Bethlehem im Westjordanland und hat Rechnungswesen und Betriebswirtschaft studiert. 2002 starb ihr sechs Monate alter Sohn Qussay, nachdem er bei einem Einsatz der israelischen Armee Tränengas eingeatmet hatte und ihm der rechtzeitige Zugang zu medizinischer Hilfe verwehrt worden war. Statt nach Rache zu sinnen, setzt sich Laila seither für eine friedlichere Zukunft für ihre Kinder ein. Seit 2016 ist sie Mitglied im „Parents Circle“. „Unsere Lebensumstände sind unterschiedlich“, sagt sie, „aber wir teilen denselben Schmerz und dieselben Tränen.“
Michal Halev arbeitete als Frauenberaterin und nutzte Kunst, um Menschen zu verbinden. Ihr einziges Kind, Laor Abramov Halev, wurde am 7. Oktober 2023 im Alter von 20 Jahren auf dem Nova-Musikfestival von der Hamas getötet. Der Verlust veränderte ihr Leben grundlegend. „Ich flehe die Welt an: Beendet alle Kriege, hört auf, Menschen zu töten, hört auf, Babys zu töten“, sagte sie kurz nach Laors Tod. „Krieg ist keine Lösung, mit Krieg lässt sich nichts regeln … Ich will keine Rache in meinem Namen.“ Seither widmet sich Michal dem Andenken ihres Sohnes und engagiert sich seit 2024 im „Parents Circle“.
Die Veranstaltung ist eine Kooperation des Transferzentrums Frieden Augsburg mit pax christi Augsburg, dem Evangelischen Forum Annahof, und der VVN-BDA.
Das Fishbowl-Panel wurden vom Arbeitskreis „Wissenschaft und Praxis“ der AFK angeboten und von dessen Koordinator Christoph Weller moderiert. Einleitend betonte er die Praxisorientierung der Friedens- und Konfliktforschung und verwies auf einige weit verbreitete Transferbeobachtungen: Obwohl in Forschungs- und Förderprogrammen Transfer mehr denn je gefordert sei, werde er vom Wissenschaftssystem kaum belohnt. Wenn aber die Chancen der Transdisziplinarität für die Friedens- und Konfliktforschung ausgeleuchtet würden, sei Transfer ein wesentliches Element, denn alle drei Kennzeichen von Transdisziplinarität seien auf gelingenden Transfer angewiesen:
(1) Für die Orientierung der Forschung an der Problembearbeitung müssen Wissenschaftler*innen verstehen, welche Praxisprobleme eigentlich bearbeitet werden sollen, weshalb Transfer in transdisziplinärer Forschung keine Ergänzung der wissenschaftlichen Publikation von Forschungsergebnissen ganz am Ende des Forschungsprozesses sei, sondern an dessen Anfang stehe, wobei die Wissenschaftler*innen dabei die Rezipient*innen des Transfers zwischen Praxis und Wissenschaft seien.
(2) Auch die Methodologie transdisziplinärer Forschung, in der nicht-wissenschaftliches Wissen in eine produktive Verbindung mit wissenschaftlichem Wissen gebracht werden soll, basiere auf gelingendem Transfer, innerhalb dessen das jeweils andere Wissen verstanden werden muss, um seine Relevanz zur erfolgreichen Problembearbeitung angemessen beurteilen zu können.
(3) Und die Umsetzung kollektiver Erkenntnisprozesse von Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen innerhalb des transdisziplinären Forschungsprozesses - als drittes Kennzeichen von Transdisziplinarität - erfordere einen kontinuierlich gelingenden Wissenstransfer. Wenn jedoch diesen drei Anforderungen transdisziplinärer Forschung durch erfolgreichen Transfer einigermaßen entsprochen werden könne, würde das, was üblicherweise mit „Transfer“ bezeichnet wird, völlig überflüssig. Denn die relevanten Praktiker*innen sind ja von Anfang an in die gemeinsame Forschung integriert und müssen nicht am Ende mit ergänzenden „Transfer“-Anstrengungen und originellen Formaten der Wissenschaftskommunikation erst noch erreicht werden.
Dieser Einführung in das Fishbowl-Panel folgten drei Diskussionsimpulse von transfererfahrenen Kolleg*innen, in denen u.a. darauf fokussiert wurde, wodurch sich der Transfer in der Friedens- und Konfliktforschung bzw. -praxis vom Transfer in anderen Forschungs- bzw. Praxisfeldern unterscheidet; zudem konnten Erfahrungen aus drei unterschiedlichen institutionellen Kontexten präsentiert werden:
Christina Pauls (Universität Augsburg) berichtete als Geschäftsführerin des „Transferzentrum Frieden Augsburg“ von den Bedarfsanalysen gemeinsam mit Praktiker*innen, die am Beginn der jeweiligen Aktivitäten des Transferzentrums stünden, dessen Aufgabe darin bestehe, in unterschiedlichen Formaten und Kooperationsformen zum Transfer der Expertise der Friedens- und Konfliktforschung in die Praxisfelder der Friedensstadt Augsburg beizutragen. Dies hänge auch damit zusammen, dass das Transferzentrum Frieden Augsburg aufgrund der gemeinsamen Trägerschaft von Stadt und Universität bereits eine transdisziplinäre Einrichtung sei.
Ginger Schmitz, Geschäftsführerin der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung, betonte, dass bereits von ihrem Selbstverständnis als „Plattform“ her der Transfer in diesem Netzwerk angelegt sei, aber aktuell wachsende Bedeutung bekomme, weil das Feld der Friedensarbeit politisch erheblich unter Druck sei, dem bei gelingendem Transfer erfolgreicher begegnet werden könne. Dabei sieht sie ein Transfer-Viereck am Werk von Wissenschaft, Praxis, Politik und Öffentlichkeit, wodurch Transfer in erheblichem Maße eine Form von Diskursarbeit darstelle. Zugleich dürfe nicht übersehen werden, dass Transfer in erheblichem Maße an einzelnen Personen hänge und nur schwer institutionell gesichert werden könne.
Christof Starke (Friedenskreis Halle & Kooperationsverbund Demokratische Konfliktbearbeitung) differenzierte vor seinem Erfahrungshintergrund fünf verschiedene Transferfelder: einerseits eine Theoriebildung, in die Praktiker*innen direkt einbezogen werden, und andererseits eine aus der Praxis heraus entwickelte Forschung, für die aber zumeist die Ressourcen fehlten. Auch Lehraufträge von Praktiker*innen an Hochschulen sind aus seiner Sicht eine wertvolle Form des Transfers, ebenso die Mitwirkung von Wissenschaftler*innen an Austausch- und Begegnungsräumen, die praxisnah geschaffen werden. Und wofür sowohl von Praktiker*innen als auch von Wissenschaftler*innen seiner Meinung nach mehr getan werden müsse, sei der Transfer Richtung Politik, Öffentlichkeit und Gesellschaft.
Mit diesen vier einleitenden Impulsen waren für die sich anschließende Fishbowl-Diskussion zahlreiche Anregungen und vielfältige Erfahrungen geliefert, um mit allen Anwesenden über die Spezifika und die Zukunft des Transfers in der Friedens- und Konfliktforschung bzw. -praxis ausführlich zu diskutieren. Und fortgesetzt wurde der Austausch dann gleich am Nachmittag bei Treffen des Arbeitskreises „Wissenschaft und Praxis“ inklusive Transfer, indem über geeignete Formate gesprochen wurde, mit denen sich Praktiker*innen und Wissenschaftler*innen gleichermaßen erreichen und miteinander vernetzen lassen.
Am Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung der Universität Augsburg wurde in Kooperation mit der Technischen Hochschule Augsburg ein neuer Open-Access-Onlinekurs für die Virtuelle Hochschule Bayern(vhb) entwickelt. Seit 17.02.2026 ist der Kurs für alle Interessierten auf der VHB-Plattform kostenlos zugänglich.
Nach einer Erprobungsphase mit Studierenden der Universität Augsburg geht der wissenschaftlich fundierte Onlinekurs „Dynamiken sexualisierter Gewalt unter Jugendlichen: Erkennen, Verstehen und Handeln“ nun online. Der Selbstlern-Kurs kann nach der Bearbeitung aller Module mit einem Zertifikat der vhb, der Universität Augsburg und der Technischen Hochschule Augsburg abgeschlossen werden.
Der Kurs vermittelt sowohl grundlegendes als auch vertiefendes Wissen zu sexualisierter Gewalt unter Jugendlichen. Er verbindet sozialwissenschaftliche und psychologische Theorien mit praxisnahen Begleit- und Präventionsansätzen und richtet sich an Studierende (u. a. der Sozialwissenschaften, Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung, Sozialen Arbeit, Erziehungswissenschaften, Lehramtsstudiengänge sowie der Psychologie), an pädagogisch Tätige, Multiplikator*innen in Bildung und Prävention sowie an alle Interessierten.
Eine besondere fachliche Qualität erhält der Kurs durch die Zusammenarbeit mit Noah Dejanović, Kinderschutzaktivist, Mitglied im Betroffenenrat der Unabhängigen Bundesbeauftragten gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (UBSKM) und Initiator des Projekts „Kinderschutz im Studium“, sowie mit Jennifer Raschke, Dipl.-Pädagogin und spezialisierte Fachberaterin für sexualisierte Gewalt mit Schwerpunkt Traumapädagogik und systemische Beratung. Ihre Expertise ergänzt den Kurs um wichtige praxis- und betroffenenorientierte Perspektiven. Darüber hinaus enthält der Kurs videobasierte Interviews mit Vertreter*innen der Polizei Augsburg, des Landes- und Amtsgerichts Augsburg sowie der Online-Beratungsstelle JUUUPORT, die wertvolle Einblicke in institutionelle und beratende Perspektiven im Umgang mit sexualisierter Gewalt geben.
Thematisiert werden unter anderem:
Begriffe, Erscheinungsformen und Häufigkeiten sexualisierter Gewalt
soziale Dynamiken in Gleichaltrigen-Gruppen und Partnerschaften
Verhalten anwesender Dritter sowie Hürden des Eingreifens
der Einfluss sexueller Skripte und gesellschaftlicher Mythen
sexualisierte Gewalt im digitalen Raum
rechtliche Rahmenbedingungen
Der Kurs arbeitet mit Fallbeispielen, Interviews und konkreten Handlungsimpulsen. Jedes Kapitel beginnt mit einer Check-in-Lektion zur Selbstwahrnehmung; ein begleitender Ressourcengarten bietet kurze Übungen zur Stabilisierung und Selbstfürsorge. Ergänzend werden weiterführende Literatur, Projekte und Materialien zur Vertiefung bereitgestellt.
Der Kurs wurde entwickelt von Dr. Rebecca Gulowski und Magdalena Holz, M. Sc., unter der Leitung von Prof. Dr. Christoph Weller (Universität Augsburg) in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Janine Linßer (Technische Hochschule Augsburg).
Arbeitsbereiche
Das Projekt „Transferzentrum Frieden Augsburg“ stellt ein wichtiges Element der Friedensarbeit in der Stadt Augsburg und ein Scharnier zwischen Friedensstadt und Universität Augsburg dar. Unsere Angebote umfassen drei Bereiche.
Erstens stellen wir ein breites und öffentliches Bildungs- und Veranstaltungsangebot bereit, insbesondere zu Themen wie gesellschaftlicher Frieden, Konfliktanalysen, Kompetenzen der Konfliktbearbeitung und Friedensbildung. Dies umfasst Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen oder Workshops zu spezifischen und bedarfsbezogenen Themen im Kontext von Konflikt und Frieden. Durch solche Veranstaltungen können auch weitere Bedarfe für den Transfer der Expertise der Friedens- und Konfliktforschung in die Friedensstadt identifiziert und darauf basierend weitere Angebote entwickelt werden.
Dass die Friedensstadt Augsburg kolonial verflochten ist, zeigt das historische Kapitel der sogenannten „Welserkolonie“. Die Augsburger Welser erhielten im Jahr 1528 die Kolonie Klein-Venedig (heute Venezuela) als sogenanntes „Lehen“ mitsamt aller Handels- und Ausbeutungsprivilegien von der spanischen Krone. Zusätzlich erhielten sie die Erlaubnis, tausende versklavte Menschen von der westafrikanischen Küste in die Karibik zu transportieren. Was oft als frühe Handelsgeschichte erzählt wird, ist also Teil einer transatlantischen Geschichte von Ausbeutung und Versklavung. Anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer der Sklaverei und des transatlantischen Sklavenhandels am 25.03. interessiert uns: Welche historischen Spuren kolonialer Gewalt wirken bis heute fort und welche Konsequenzen ergeben sich für eine verantwortungsvolle Erinnerungspraxis und unseren Umgang mit der Gegenwart, in Augsburg und darüber hinaus?
Im Zentrum des Abends steht ein moderiertes Podium, in dem das Fortwirken kolonialer Gewaltverhältnisse in aktuellen Entwicklungen in Kolumbien und Venezuela diskutiert wird. In Kurzimpulsen der Referent*innen Magda Agudelo, Alejandro Ceballos und Jochen Kleinschmidt kommen kolumbianische und venezolanische Perspektiven, sowie politikwissenschaftliche, dekoloniale und erfahrungsbasierte Kontextualisierungen ins Gespräch, bevor Raum für Fragen, Diskussionen und Austausch mit dem Publikum geboten wird. Der Abend verbindet historisches Gedenken mit einer politischen Gegenwartsreflexion. Sie erleben eine Perspektivverschiebung, in der die Augsburger Geschichte der „Welserkolonie“ nicht nur erinnert, sondern aus heutigen lateinamerikanischen Perspektiven – mit Blick auf aktuelle Konfliktlinien in Kolumbien und Venezuela, wie etwa die US-Militärintervention in Venezuela, Konflikte um Rohstoffe und Extraktivismus – neu gerahmt wird.
Jochen Kleinschmidt (Politikwissenschaftler, TU Dresden)
Moderation: Christina Pauls (Friedens- und Konfliktforscherin, Universität Augsburg)
Magda Agudelo ist darstellende Künstlerin und Literaturwissenschaftlerin. Sie wurde in Kolumbien geboren und lebt seit 2004 In Deutschland. Sie studierte Schauspiel an der Academia Superior de Artes de Bogotá (ASAB) und Germanistik an der Universität Augsburg. Mit dem Schwerpunkt Stückentwicklung und performative Ausdrucksformen in (un)konventionellen Räumen arbeitet Magda Agudelo hauptsächlich mit interdisziplinären Künstlerkollektiven in Deutschland und Kolumbien. Viele Projekte, an denen sie beteiligt ist, setzten sich mit gesellschaftskritischen Themen auseinander, wie de-koloniale, emanzipatorische Prozesse und Umgang mit Natur-Ressourcen.
Alejandro Ceballos ist Umweltwissenschaftler und Referent zu den Themen Extraktivismus und Klimagerechtigkeit. Geboren in Venezuela, studierte er Umweltwissenschaften an der Universidad Yacambu. Einen Master in Umweltmanagement absolvierte er an der Universität Hohenheim sowie an der Kopenhagen Universität, wo er mehrere Jahre zu Klimawandel und Ernährungssystemen forschte. Inhaltlich beschäftigt er sich mit Extraktivismus, kolonialen Kontinuitäten, Klimagerechtigkeit, Rassismus, Eurozentrismus und epistemischer Gewalt. Zudem war und ist er mit basisnahen Initiativen in Venezuela im Bereich ökologischer und urbaner Landwirtschaft verbunden.
Jochen Kleinschmidt ist Politikwissenschaftler. Er promovierte 2014 an der LMU München und arbeitet gegenwärtig als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Internationale Politik an der TU Dresden. Zuvor lehrte er unter anderem an der Universidad del Rosario in Bogotá, Kolumbien, der Universidad EAFIT in Medellín, Kolumbien, und der Universität der Bundeswehr München. An der Katholischen Universität Eichstätt war er Koordinator des Zentralinstituts für Lateinamerikastudien. Er beschäftigt sich mit Themen aus der Konfliktforschung wie etwa der Rolle neuer Technologien in bewaffneten Konflikten, der Grauzonenkriegführung, der organisierten Kriminalität, aber auch mit Theorien der Internationalen Beziehungen und der historischen Soziologie.
Christina Pauls ist Friedensforscherin und arbeitet schwerpunktmäßig zu Erinnerung, Frieden und Identität. Sie ist Geschäftsführerin des Transferzentrums Frieden Augsburg und freiberuflich als Beraterin für gesellschaftliche Konflikttransformation und soziale Bewegungen tätig, sowie als Bildungsreferentin für Globales Lernen, Friedensbildung, Kritisches Weißsein und kolonialkritische Bildung. Sie engagiert sich erinnerungsaktivistisch und setzt sich für eine Anerkennung und Aufarbeitung deutscher Kolonialgeschichte ein.
Veranstalter: Transferzentrum Frieden Augsburg, in Kooperation mit dem Evangelischen Forum Annahof und dem Fugger-und-Welser-Erlebnismuseum Augsburg.
Wie wird Rassismus in Zahlen übersetzt – und welche Leerstellen entstehen dabei? Dr. Daniel James diskutiert am 23. März am Transferzentrum Augsburg konzeptionelle und empirische Schwierigkeiten bei der Messung von Rassismus und plädiert für ein differenzierteres Verständnis jenseits enger Ersatzkategorien.
Vortrag und Diskussion: "Lässt sich Rassismus messen? Zahlen, Kategorien und ihre Grenzen“ mit Dr. Daniel James
23. März 2025, 18:30 Uhr
Annahof, Ernst-Troeltsch-Raum (EG) im Hollbau, Augsburg
Der Vortrag zeigt, warum gängige Ersatzkategorien wie der „Migrationshintergrund“ zentrale Aspekte von Rassismus verfehlen und plädiert für ein erweitertes Verständnis: Rassismus wird als Zusammenspiel mehrerer ineinandergreifender Mechanismen verstanden, die sich über Institutionen, Regeln und gesellschaftliche Bereiche hinweg stabilisieren. Diskutiert wird, wie eine solche Perspektive zu präziseren und verantwortungsvolleren Formen empirischer Erfassung beitragen kann und welche Auswirkungen sich für den Umgang mit Statistiken und Definitionen ergeben.
Eine Anmeldung ist für den Vortrag nicht erforderlich.
Dr. Daniel James arbeitet zu Sozialphilosophie und Philosophie der Sozialwissenschaften mit einem Schwerpunkt auf Rassismus, Wissensordnungen und kritischer Gesellschaftsanalyse. Ab April 2026 ist er Research Fellow am Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) an der Technischen Universität Berlin (TU Berlin). Weitere Informationen: www.danieljamesphilosophy.com
In einem ergänzenden Termin richtet sich die Diskussion an ein wissenschaftliches Publikum. Im Fokus stehen theoretische und methodische Fragen zur Konzeptualisierung und Messung von Rassismus, insbesondere der Vorschlag, Rassismus als Bündel ineinandergreifender Mechanismen zu verstehen. Diskutiert werden Alternativen zu gängigen Proxy-Kategorien, konzeptionelle Voraussetzungen adäquater Messungen sowie das Verhältnis von empirischer Forschung, Wissensproduktion und struktureller Macht.
Informationen zur Barrierefreiheit: Der Hollbau ist über eine Rampe und mit Türautomatik zugänglich. Ein Aufzug ermöglicht die Erreichbarkeit aller Räume. Im Kellergeschoss befindet sich ein barrierefreies WC. Weitere Informationen: https://www.annahof-evangelisch.de/wegbeschreibung
Veranstaltende: Das Transferzentrum Frieden Augsburg (TFA) in Kooperation mit dem Evangelischen Forum Annahof und der Technischen Hochschule Augsburg (Studiengang Soziale Arbeit)
Angesichts der aktuellen Herausforderungen für den Frieden wurde in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) eine neue Friedensdenkschrift erarbeitet und jüngst veröffentlicht. Sie versteht sich als friedensethische Orientierungshilfe mit einer neuen Akzentsetzung beim Schutz vor Gewalt. Konkrete Themen sind u.a. die nukleare Abschreckung, Waffenlieferungen und Rüstungsexporte, die Wehrpflicht oder die Rechtfertigung von Gegengewalt.
Die Denkschrift “Welt in Unordnung - Gerechter Friede im Blick” lädt dazu ein, „Fragen neu zu stellen, die eigenen Positionen zu prüfen und das Gewissen zu schärfen“. Dafür wollen wir bei dieser Veranstaltung in der Friedensstadt Augsburg miteinander und mit verschiedenen Expert:innen ins Gespräch kommen und laden zu einer Abendveranstaltung ein mit Informationen zu den friedensethischen Positionen der Denkschrift und viel Raum für Debatten und Nachfragen zum kritischen Prüfen der Argumente für gute Wege zu mehr gerechtem Frieden.
Veranstaltende: Transferzentrum Frieden Augsburg & Evangelisches Forum Annahof in Kooperation mit dem Friedensbüro der Stadt Augsburg
Das Augsburger Hohe Friedensfest feiert 2025 sein 375-jähriges Jubiläum – ein besonderer Anlass, um über die Bedeutung von Frieden heute nachzudenken. Prof. Dr. Christoph Weller, Professor für Friedens- und Konfliktforschung an der Universität Augsburg, begleitet das Friedensfest nicht nur wissenschaftlich, sondern ist auch Initiator des Transferzentrums Frieden Augsburg. Im Interview spricht er darüber, wie konstruktive Konfliktbearbeitung in der Stadtgesellschaft gelingen kann – und welchen Beitrag die Friedens- und Konfliktforschung dazu leisten kann.
Was bedeutet Frieden für Sie persönlich – und wann empfinden Sie eine Gesellschaft als friedlich?
Wichtig ist aus meiner Sicht, Frieden nicht als Zustand zu betrachten, den wir vielleicht irgendwann erreichen. In der Friedensforschung verstehen wir Frieden als Prozess abnehmender Gewalt und zunehmender Gerechtigkeit. Für mich entsteht gesellschaftlicher Frieden dort, wo Konflikte konstruktiv bearbeitet werden, um beispielsweise mehr Gerechtigkeit zu schaffen. Konflikte sind dabei nichts Negatives, sondern ein wichtiger Teil gesellschaftlicher Entwicklung – wenn wir lernen, gut mit ihnen umzugehen.
Sie haben das Transferzentrum Frieden Augsburg ins Leben gerufen. Was ist Ihr Ziel – und was ist dabei besonders herausfordernd?
Der thematische Schwerpunkt meines Lehrstuhls wurde im Kontext des Friedensfests 2005 auf die Friedens- und Konfliktforschung hin ausgerichtet. Weil es in der Friedensstadt Augsburg eine erhöhte Aufmerksamkeit für Friedensthemen gibt, stellen wir im Rahmen des Transferzentrums die praxisrelevanten Erkenntnisse der Friedens- und Konfliktforschung, beispielsweise wissenschaftlich fundiertes Wissen über Konfliktbearbeitung, für die Stadtgesellschaft zur Verfügung. Und die Nachfrage ist hoch: Wir bekommen auch viele Anfragen von Einrichtungen und Initiativen, die sich mehr Sicherheit im Umgang mit Konflikten wünschen.
Was ist besonders herausfordernd für das Transferzentrum?
Die Herausforderung liegt häufig darin, die passenden Formate zum richtigen Zeitpunkt anzubieten – und diese auch gut zu kommunizieren. Oft hören wir: „Wenn ich gewusst hätte, dass das stattfindet, wäre ich gerne gekommen.“ Das zeigt uns, wie wichtig neben dem inhaltlichen Angebot auch die breite Information darüber ist.
Können Sie ein Beispiel nennen, wo Ihr Lehrstuhl und das Transferzentrum konkret zu einem friedlicheren Miteinander in Augsburg beigetragen haben?
Das Transferzentrum kann kein unmittelbarer Friedensstifter sein – aber es hilft dabei, Konflikte besser zu verstehen und konstruktiv mit ihnen umzugehen. Unser Ziel ist es, Menschen zu ermutigen, Konflikte nicht zu vermeiden, sondern sie als Chance für Veränderung zu begreifen. Ein Beispiel: Im Auftrag der Stadt haben wir einen Beteiligungsprozess zur Weiterentwicklung des Programms zum Friedensfest begleitet. Dabei konnten wir die Konfliktlinien sichtbar machen, die dann konstruktiv bearbeitet werden konnten.
Sie bieten mit dem Transferzentrum vielfältige Bildungs- und Qualifizierungsangebote an. Welche Zielgruppen erreichen Sie damit – und welche Formate haben sich besonders bewährt?
Wir erleben ein breites Interesse an Fragen der praktischen Konfliktbearbeitung, quer durch alle Altersgruppen und gesellschaftlichen Bereiche. Viele Menschen werden durch Konflikte verunsichert und würden sie deshalb gerne vermeiden. Unsere Workshops vermitteln ihnen Wissen und Werkzeuge, um mit Konflikten bewusster, mutiger und konstruktiver umzugehen. Besonders gefragt sind unsere Qualifizierungsangebote für pädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen zur Stärkung ihrer Konfliktkompetenzen.
Diese Formate wollen wir künftig noch ausweiten – etwa auf andere Berufsfelder, in denen professionell mit gesellschaftspolitischen Konflikten umgegangen werden muss. Denkbar wären zum Beispiel auch Angebote für Journalistinnen und Journalisten, die mit ihrer Berichterstattung Einfluss auf gesellschaftliche Konfliktdynamiken nehmen.
Wie bringt sich das Transferzentrum darüber hinaus in das städtische Friedensengagement ein?
Zwei Beispiele möchte ich nennen, die es bereits seit vielen Jahren gibt: Die Peace Summer School, die jedes Jahr im Rahmen des Friedensfests angeboten wird, stand in diesem Jahr unter dem Thema „Intersektionalität“. Dabei ging es um die Überschneidung verschiedener Diskriminierungsformen – etwa aufgrund von Herkunft, Geschlecht oder sozialem Status – und darum, wie sich die damit verbundenen Konflikte sensibel und konstruktiv bearbeiten lassen.
Außerdem werden jedes Jahr die zentralen Ergebnisse des Friedensgutachtens der großen deutschen Friedensforschungsinstitute in Augsburg vorgestellt. Der aktuelle Bericht trägt den Titel „Frieden retten!“ und analysiert globale Konflikte – vom Krieg in der Ukraine, im Gazastreifen bis hin zum Krieg im Sudan. Zugleich formuliert das Gutachten konkrete Empfehlungen, wie Europa besser Verantwortung für den Frieden übernehmen kann.
Das Augsburger Friedensfest blickt auf eine lange Tradition zurück. Welche Bedeutung hat es heute – und was sind aus Ihrer Sicht die zentralen friedenspolitischen Aufgaben für die Zukunft?
Gerade in einer Zeit, in der globale Krisen und gesellschaftliche Spannungen zunehmen, kommt dem Friedensfest eine besondere Bedeutung zu. Es ist viel mehr als ein Feiertag – es ist Ausdruck einer besonderen Augsburger Friedens-Tradition, die sich nicht im Erinnern erschöpft. Diese Tradition wird beim Friedensfest immer wieder aktualisiert und ist heute mehr den je gefordert. Wir nennen das einen konstruktiven Konfliktbearbeitungs-Modus, was die Bedeutung des Friedensfests, aber auch des Transferzentrums Frieden zeigt.
Wo zeigte sich diese Tradition in diesem Jahr in besonderer Weise?
Der Deutschen Präventionstag fand in diesem Jahr in Augsburg unter der Themenstellung „Prävention und gesellschaftlicher Frieden“ statt. Auch das war Ausdruck dieser Tradition. Es ging um die Frage, was gesellschaftlichen Frieden stärken kann. Alle individuellen Bemühungen um konstruktive Konfliktbearbeitung strahlen positiv auf den gesellschaftlichen Frieden aus. Das lege ich in meiner Konzeptualisierung von „Gesellschaftlichem Frieden“ dar: Frieden ist ein Prozess, der im konstruktiven Umgang mit gesellschaftspolitischen Konflikten gestaltet wird. Auf diese Weise wird eine Gesellschaft vor der Eskalation ihrer Konflikte geschützt - und dazu trägt jede und jeder einzelne durch konstruktive Konfliktbearbeitung bei.
Zur Person
Christoph Weller ist Professor für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung an der Universität Augsburg. Seine Schwerpunkte sind unter anderem gesellschaftliche Konfliktbearbeitung, Friedensforschung, Gewaltprävention und politische Deutungskämpfe. Seit 2008 begleitet er das Augsburger Friedensfest wissenschaftlich und bringt friedenswissenschaftliche Expertise in die Stadtgesellschaft ein. Er ist Initiator des Transferzentrums Frieden Augsburg und Leiter des Bayerischen Zentrums für Friedens- und Konfliktforschung an der Universität Augsburg. In seiner Forschung entwickelt er u.a. Konzepte für gesellschaftlichen Frieden, die auch in der politischen Praxis Anwendung finden.
Das Transferzentrum Frieden Augsburg
Das Transferzentrum ist eine Kooperation der Universität Augsburg mit der Stadt Augsburg. Es fördert den Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, bietet Bildungsformate, begleitet kommunale Projekte und stärkt das friedliche Miteinander in der Stadt. Es wird unterstützt durch den Forschungsverbund „Bayerisches Zentrum für Friedens- und Konfliktforschung“ und geleitet von Christoph Weller; Geschäftsführung: Christina Pauls; Netzwerkkoordination: Luisa Kneer; Koordination: Alexandra Nägele.
Die vier großen deutschen Friedensforschungsinstitute legen seit 1987 in jedem Jahr ihr Friedensgutachten vor. Mit seinen konkreten Handlungsempfehlungen ist es ein zentrales Medium für den Dialog zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik. In diesem Jahr trägt das Friedensgutachten den Titel „Frieden retten!“, denn der Frieden ist auf dem Rückzug: Russlands Krieg in der Ukraine destabilisiert Europa, der Krieg in Gaza stürzt den Nahen Osten in Leid und Gewalt, und im Sudan hat der Konflikt die größte humanitäre Katastrophe der Welt ausgelöst. Zugleich fällt der globale Stabilitätsanker USA aus. Präsident Donald Trump baut das Land nicht nur zu einer Autokratie um, er setzt auch in der Außenpolitik auf das Recht des Stärkeren statt auf Regeln und Kooperation. Das Friedensgutachten 2025 zeigt, warum Europa selbst für seine Sicherheit und Verteidigung sorgen und zugleich am Ziel des Friedens festhalten muss.
Die Redaktionsleiterin des „Friedensgutachtens“, Dr. Claudia Baumgart-Ochse, wird die zentralen Ergebnisse der diesjährigen Ausgabe vorstellen, Prof. Christoph Weller moderiert die sich anschließende Diskussion. Veranstaltet wird die Friedensgutachten-Vorstellung vom Transferzentrum Frieden Augsburg (TFA) gemeinsam mit dem Friedensbüro der Stadt Augsburg in Kooperation mit dem Evangelischen Forum Annahof und dem Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung der Universität Augsburg.
Dr. Claudia Baumgart-Ochse ist Programmbereichsleiterin am Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung (PRIF) in Frankfurt. Sie forscht zum israelisch-palästinensischen Konflikt und zur Rolle von Religion in Konflikten.
Prof. Dr. Christoph Weller leitet den Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung der Universität Augsburg und das Transferzentrum Frieden Augsburg (TFA).
„Prävention und Gesellschaftlicher Frieden“ ist das Thema des diesjährigen Präventionstags, der im Messezentrum der Friedensstadt Augsburg stattfindet. Das Jubiläum „30 Jahre Deutscher Präventionstag“ steht unter dem Motto „Prävention & gesellschaftlicher Frieden“ und passt damit hervorragend zum 375-jährigen Friedensfest der Stadt Augsburg. DasTransferzentrum Frieden Augsburg (TFA) und der Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung der Universität Augsburg sind nicht nur mit einem Messe-Stand, sondern auch bei verschiedenen Panels und mit einem Vortrag von Prof. Christoph Weller zu „Gesellschaftlichem Frieden“
beteiligt.
Mit dem Eröffnungsplenum um 11:00 Uhr startet der 30. Deutsche Präventionstag am Montag, 23. Juni in sein umfangreiches Programm. Um 15:00 Uhr findet der Vortrag „Gesellschaftlicher Frieden: Ein konflikttheoretisches Konzept“ von Prof. Dr. Christoph Weller statt. Am Dienstag,24. Juni, ist der kostenfreie Publikumstag
, der allen Interessierten Zugang zur Kongressausstellung und zum Augsburg Forum ermöglicht.
Im Augsburg Forum am Dienstag von 9:00 bis 14:00 Uhr werden auf einer eigenen Bühne Augsburger Leuchtturmprojekte aus den Bereichen Frieden, Nachhaltigkeit, Sport, Demokratie, Kultur und Nachtleben präsentiert, unter anderem das Projekt
„Konfliktkompetenzen stärken - Fortbildungsangebote für pädagogische Fachkräfte“ mit Christina Pauls.
Die angrenzende Augsburg Lounge lädt zum Austausch und zur Vernetzung ein.
Die Augsburger Oberbürgermeisterin Eva Weber spricht im Podcast „Augsburg direkt“ aus Anlass des Friedensfestprogramms „375 Jahre Friedensfest“ mit Professor Christoph Weller über das Transferzentrum Frieden Augsburg, die Erwartungen der Friedensstadt an die Friedens- und Konfliktforschung und die Chancen von Konflikten und ihrer konstruktiven Bearbeitung.
Frieden als Teil der Stadtkultur fördern - dazu trägt auch der Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung der Universität Augsburg bei, weshalb in der aktuellen Episode des Podcasts „Augsburg direkt“ der Frieden im Mittelpunkt des Austauschs zwischen Oberbürgermeisterin Eva Weber und Prof. Dr. Christoph Weller steht:
Was bedeutet es eigentlich, Friedensstadt zu sein - über feierliche Anlässe hinaus? Wie lässt sich Frieden im Alltag leben, erforschen und in die Praxis übersetzen? Warum ist das gerade in Augsburg so spannend? Wie hat sich unser Verständnis von Frieden verändert? Und was macht das neue Transferzentrum Frieden Augsburg?
Im Gespräch zwischen Weber und Weller geht es um das Potenzial konstruktiver Konfliktbearbeitung und darum, wo sie in einer Stadtgesellschaft gefragt ist. Wie wissenschaftliche Erkenntnisse und praktisches Handeln ineinandergreifen, um Frieden als Teil einer vielfältigen Stadtkultur zu fördern. Und wie das Transferzentrum Frieden die Universität und die Stadt in der Friedensstadt Augsburg verbindet.
Für die Augsburger Stadtgesellschaft findet unmittelbar vor dem zweitägigen "Deutschen Präventionstag" (DPT), der in diesem Jahr zum Thema "Präventon und gesellschaftlicher Frieden" in der Friedensstadt Augsburg stattfindet, der "Aktionstag Prävention" mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen statt. Die Stadt Augsburg präsentiert am Samstag, 21. Juni von 10 - 18 Uhr an verschiedenen Orden der Innenstadt mahr als 60 Mitmachaktionen, Vortäge und Workshops. Eröffnet wird der Aktionstag durch Oberbürgermeisterin Eva Weber um 10:30 Uhr auf der Piazza im Annahof. Die Angebote des Lehrstuhls für Politikwissenschaft Friedens- und Konfliktforschung sowie des Transferzentrums Frieden Augsburg (TFA) sind:
Ab 10:00 Uhr bieten wir auf dem "Platz der Demokratie" im Annahof einen Infostand zur Friedens- und Konfliktforschung in der Friedensstadt an.
Um 13:45 Uhr bieten wir im Hollbau (2. OG) den Workshop „Zusammenleben in der Stadt: Lasst uns über wirksame Konfliktbearbeitung nachdenken!“ an.
Angeregt durch Einblicke in die aktuelle Forschung und Praxis kommunaler Konfliktberatung möchten wir mit Ihnen über Konflikte rund ums Zusammenleben ins Gespräch kommen: Wie gehen wir mit Konflikten direkt vor unserer Haustür um und woran merkt man eigentlich, dass man dabei erfolgreich ist? Ein interaktiver Workshop zur gemeinsamen Reflexion verschiedener Formen der Konfliktbearbeitung.
Um 15:15 Uhr bieten wir im Hollbau (EG) den Workshop „Frieden hinter Fragen - Ein Blick auf Frieden & Krieg in der Welt“ an.
Was ist Frieden? Wie sieht er aus? Wo gibt es Krieg auf der Welt? Was hat das mit uns zu tun? In dem interaktiv gestalteten Workshop setzen wir uns mit einem engen Friedensbegriff auseinander und betrachten kriegerische Auseinandersetzungen in der Welt anhand des sogenannten, aus dem Globalen Lernen bekannte „Weltverteidigungsspiels“. Dabei wird der Blick vor allem auf die globale Ebene geworfen und ein Überblick über verschiedene, als „Krieg“ definierte Kontexte verschafft. Was ist der "Global Peace Index“ und welche Handlungsideen lassen sich entwickeln für weiteres Engagement in diesem Bereich?
Um 16:45 Uhr beginnt im Augustanasaal der Kurzvortrag „Gesellschaftlicher Frieden: Wissenschaftliche Hinführung zum Thema des Deutschen Präventionstages 2025“ von Prof. Dr. Christoph Weller
„Prävention und gesellschaftlicher Frieden“ ist das Rahmenthema des 30. Deutschen Präventionstags 2025 in Augsburg. Der Kurzvortrag erläutert den Begriff „Gesellschaftlicher Frieden“ aus der Perspektive der Friedens- und Konfliktforschung und liefert Anregungen für eine sich anschließende Diskussion.
Um Konfliktkompetenz, Friedenskonzepte und Methoden der konstruktiven Konfliktbearbeitung zu vermitteln, bietet das Transferzentrum Frieden Augsburg Bildungs- undQualifizierungsangebote für bestimmte Ziel- und Interessengruppen oder Tätigkeitsfelder an. Dabei kooperieren wir auch mit anderen einschlägigen Einrichtungen und Institutionen. Als Plattform für Vernetzung fördert das Transferzentrum Frieden die Kooperation und Zusammenarbeit von Akteuren*innen der Konfliktbearbeitung in Augsburg.
Der Einstiegsworkshop des Transferzentrums Frieden führt in Critical Whiteness ein und beleuchtet, wie Weißsein als unsichtbare Norm mit dem europäischen Kolonialismus entstanden und bis heute wirksam ist. Teilnehmende erhalten Impulse für selbstkritische Reflexion und verantwortungsvolles Handeln. Antirassistische Arbeit ist ein zentraler Bestandteil von Friedensarbeit. Denn Rassismus wirkt als strukturelle Gewalt fort und stabilisiert Ungleichheit, Ausgrenzung und Unterdrückung. Das Transferzentrum Frieden Augsburg versteht Friedensarbeit daher nicht nur als Konfliktbearbeitung, sondern als aktives Hinterfragen gesellschaftlicher Macht- und Normverhältnisse.
In diesem Zusammenhang bietet das Transferzentrum Frieden Augsburg am Dienstag, 17.03.2026 einen Einstiegsimpuls ins Kritische Weißsein (Critical Whiteness) an. Im Fokus stehen dabei nicht die von Rassismus betroffenen Menschen, sondern die Frage, warum Weißsein als „normal“ gilt. Diese Normalität hat einen ganz konkreten Ursprung im europäischen Kolonialismus und bringt deshalb Vorteile für manche und Nachteile für andere. So (re-)produziert diese ‚unsichtbare‘ (beziehungsweise unsichtbar gemachte) Norm kontinuierlich rassistische Strukturen. Kritisches Weißsein bedeutet, die eigene gesellschaftliche Position als weiße Person zu reflektieren, um zu verstehen, wie Rassismus funktioniert und wie Verantwortung übernommen werden kann.
Der Workshop richtet sich an weiß positionierte, interessierte Personen, die offen für selbstkritische Reflexions- und Veränderungsprozesse sind. Er eignet sich sowohl für Einzelpersonen als auch für Akteur*innen aus NGOs, Trägern, Stadtverwaltung, Bildungseinrichtungen oder zivilgesellschaftlichen Organisationen, die erste Impulse für einen rassismuskritischen Organisations- oder Praxisprozess suchen.
Anmeldung: Die vorhandenen Plätze sind begrenzt. Bitte melden Sie sich verbindlich für den Workshop an unter https://eveeno.com/210890782.
Kharis Ikoko (Kokonelle) ist Bildungsreferentin in antirassistischen Themenpunkten, Kommunikationsdesignerin, Musikerin und Aktivistin.
Christina Pauls ist Bildungsreferentin, Beraterin für gewaltfreie Konflikttransformation und Geschäftsführerin des Transferzentrums Frieden Augsburg.
Im Rahmen der Kooperation des Transferzentrums Frieden mit dem Amt für Kindertagesbetreuung der Stadt Augsburg werden für die städtischen Kindertageseinrichtungen verschiedene Workshopmodule zur Stärkung von Konfliktkompetenzen angeboten. Die Workshops wurde im Transferzentrum Frieden gemeinsam mit Hildegard Schwering vom Institut für Mediation, Konfliktmanagement und Ausbildung (IMKA) entwickelt. Ziel ist es, Kommunikations-, Moderations- und Konfliktkompetenzen beim Personal von Kindertageseinrichtungen zu stärken, mit besonderem Schwerpunkt auf der Konfliktbearbeitung unter Erwachsenen.
Ausgangspunkt dieses Qualifizierungsangebots war eine Bedarfsanalyse im Frühjahr 2024, die das TFA mit dem Leitungsteam der Elterninitiative Kindernest e.V. durchführte. Daraus entstand eine viermodulige Workshopreihe für pädagogische Fachkräfte. Die Module reichen von Grundlagen der Kommunikation und Moderation bis hin zur Konfliktbearbeitung in interkulturellen Kontexten. Besonderes Augenmerk liegt auf der Methode der Konfliktmoderation, die sich insbesondere zur Bearbeitung von Gruppenkonflikten bewährt hat.
Im Oktober und November 2024 wurden bereits die ersten beiden Module im Rahmen eines Pilotprojektes erfolgreich erprobt. Die Teilnehmenden des Kinderneste e.V. reflektierten darin ihre persönlichen Konfliktverständnisse, übten konkrete Moderationsmethoden – etwa für konfliktbeladene Elternabende oder Konflikte im Team – und entwickelten neue Perspektiven für ihren beruflichen Alltag. Unterstützt wurden sie dabei durch begleitende Arbeitshefte des Transferzentrums mit interaktiven Reflexionsaufgaben und weiterführenden Materialien.
2025 wurde das Workshopangebot für die städtischen Kindertageseinrichtungen ausgeweitet und seit Juni 2025 umgesetzt. Das Transferzentrum Frieden leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Konfliktbearbeitungs-Kompetenzen in Augsburg und speziell zur Reflexion von Konfliktkompetenzen im pädagogischen Alltagsbetrieb.
Der Materialschuber „frieden.elementar“für die Friedensbildung an Schulen entstand aus einer langjährigen Kooperation der Geschäftsführerin des Transferzentrums Frieden Augsburg, Christina Pauls, mit dem Friedensbüro der Stadt Augsburg und der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit.
Der Materialschuber beinhaltet zwölf methodisch vielfältige Module, die zentrale Facetten von Frieden beleuchten – von Konflikt über Zugehörigkeit bis hin zu Gerechtigkeit – und richtet sich an Schülerinnen und Schüler aller Schularten. Ziel ist es, den Friedensbegriff aus individueller, gesellschaftlicher und internationaler Perspektive erfahrbar zu machen und zur kritischen Reflexion anzuregen. Die Module verbinden theoretische Grundlagen mit lebensweltlichen Bezügen und bieten damit einen innovativen Zugang zur politischen Bildung.
Allein das Modul „Frieden & Gewalt“, welches einen grundlegenden friedenstheoretischen Beitrag leistet und Bestandteil des Schubers sein sollte, wurde von der Redaktion der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit in der Endredaktion durch „Frieden & Sicherheit“ ersetzt, was Christina Pauls sehr bedauert. Dennoch lohnt sich der Einsatz des Materialschubers in der Friedensbildung an Schulen, wie auch in der außerschulischen Bildungsarbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen. Gerne können Sie das Modul „Frieden & Gewalt“ zusätzlich bei Christina Pauls per E-Mail anfragen.
Begleitend zum Materialschuber stehen im Onlinebereich der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit noch weitere ergänzende Arbeitsblätter, Präsentationen und Hintergrundinformationen zur Verfügung.
Der Materialschuber entstand im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen Christina Pauls, dem Friedensbüro der Stadt Augsburg und der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. Fachliche Impulse gingen unter anderem aus der gemeinsamen Lehrer*innenfortbildung „Frieden – was ist das überhaupt?“(Juni 2021) hervor. Ab 2023 wurde kollaborativ an den konkreten Methoden gearbeitet, die im Februar 2024 in der Fortbildung „Können wir Frieden lernen?“ vorgestellt wurden.
Ab sofort ist die Anmeldung zur Peace Summer School 2025 eröffnet! Vom 19. bis 21. Juni 2025 laden der ASKA – Alumni und Studierende der Konfliktforschung Augsburg e.V. und das Transferzentrum Frieden Augsburg zum neunten Mal zur dreitägigen Summer School nach Augsburg ein – diesmal unter dem Titel: MIND THE GAPS! Intersektionalität erleben, Gesellschaft gestalten.
MIND THE GAPS! Diesen Impuls nimmt die Peace Summer School 2025 zum Anlass, um gesellschaftliche Ungleichheiten und ihre Zusammenhänge zu erkunden. Teilnehmende erfahren, wie verschiedene Formen von Diskriminierung zusammenwirken und wie intersektionale Perspektiven helfen können, gesellschaftliche Konflikte besser zu verstehen. Im Mittelpunkt steht das gemeinsame Lernen: voneinander, miteinander und mit Blick auf eine Zukunft, in der die Verschiedenheit der Menschen als Stärke gedacht wird.
Das Programm beinhaltet Workshops, die Grundlagen intersektionalen Denkens mit konkreten gesellschaftlichen Herausforderungen verknüpfen: Georg Blokus (School of Political Hope) erkundet die Zusammenhänge von Arbeit, Klasse und Migration, Jermaine Irebor (Universität Erlangen-Nürnberg) lädt zum queeren Pilgern über Religion und Identität ein und Claire Rumny und Constanze Ziegler zeigen, wie kritische Soziale Arbeit und Community Organizing gesellschaftlichen Wandel ermöglichen.
Am Samstagabend findet unter dem Titel RECLAIM THE NIGHT! eine öffentliche Abendveranstaltung mit anschließender Clubnacht im Beim Weissen Lamm (Ludwigstraße 23, Augsburg) statt. Eine Diskussionsrunde beleuchtet Clubs als Räume politischer Selbstermächtigung – danach wird getanzt, gefeiert und das Erlebte in Bewegung übersetzt.
Zur Teilnahme an der Peace Summer School ist ein Ticketkauf erforderlich. Das vollständige Programm, weitere Infos und Tickets gibt es hier.
Die Peace Summer School 2025 findet im Rahmen des 375-jährigen Jubiläums FRIEDEN RISKIEREN! des Augsburger Hohen Friedensfests statt (mehr dazu hier).
Das Konzept der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (GMF) beschreibt abwertende und ausgrenzende Einstellungen und Handlungen gegenüber Menschen aufgrund ihrer realen oder zugeschriebenen Gruppenzugehörigkeit. Diese Einstellungen und Haltungen basieren auf einer Ideologie der Ungleichwertigkeit, also der Zuschreibung einer unterschiedlichen Wertigkeit von Menschengruppen. Wenn Ungleichwertigkeit erst einmal etabliert ist, kommt es dazu, dass die Abwertung einer Gruppe oft mit der Abwertung anderer Gruppen einhergeht.
Gemeinsam mit einer Reihe an Kooperationspartner*innen, dem Büro für gesellschaftliche Integration der Stadt Augsburg, der Zentralen Antidiskriminierungsstelle der Stadt Augsburg, der Gleichstellungsstelle der Stadt Augsburg, der Technischen Hochschule Augsburg (Studiengang Soziale Arbeit) und der Petra-Kelly-Stiftung, konnte diese Veranstaltungsreihe im Frühjahr 2025 erfolgreich umgesetzt werden.
Den Auftakt bildete ein umfangreicher und inhaltlich anregender Vortrag von Prof. Dr. Andreas Zick (Universität Bielefeld, Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung), der einen fundierten Einblick in das Konzept der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit und die empirischen Daten der sogenannte „ Mitte-Studie“ bot.
Im Vortrag von Prof. Zick wurde deutlich, dass rechtsextreme Tendenzen und damit einhergehende Menschenfeindlichkeit in der Mitte der Gesellschaft zunehmen – damit stellte er die Dringlichkeit der Beschäftigung mit und Sensibilisierung für die verschiedenen Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit dar.
In den darauffolgenden Wochen wurden von kompetenten und hoch engagierten Referent*innen sieben handlungsorientierte Workshops zu verschiedenen Dimensionen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit angeboten. Diese standen allen Augsburger*innen offen und wurden entsprechend gut besucht. Obwohl nicht alle Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in der Workshopreihe abgedeckt werden konnten, thematisierten die Workshops Klassismus und Wohnungslosigkeit, antischwarzen Rassismus, Antisemitismus, Hetero-Sexismus, antimuslimischen Rassismus, Antiziganismus, sowie Verschränkungen von Rassismus, Klasse und Gender. In den interaktiven Workshops wurde – je nach Schwerpunkt – thematisiert, auf welchen Ebenen Diskriminierung stattfindet, welche historischen und gegenwärtigen Entwicklungen dahinterstehen, wie menschenfeindliche Haltungen erkannt werden können und welche Anlaufstellen es in Augsburg und darüber hinaus gibt.
Die positive Resonanz der Teilnehmenden zu den Workshops, die gelungene Zusammenarbeit mit den Kooperationspartner*innen und Referent*innen der Workshops und das große Interesse an diesen Angeboten des Transferzentrums Frieden Augsburg bestärken uns darin, weitere Angebote in diesem Themenfeld in unser Programm aufzunehmen. Dazu gehört auch die Peace Summer School 25 „ Mind the Gap: Intersektionalität erleben, Gesellschaft gestalten“ am 19. - 21. Juni 2025 in Augsburg.
Daneben bietet das Transferzentrum Frieden Augsburg auch wissenschaftliche Begleitung von städtischen Projekten im Rahmen spezifischer Austauschformate von Wissenschaft und Praxis an. In diesem Rahmen begleitet der Lehrstuhl aktuell beispielsweise durch Befragung städtischer Akteur*innen die Stadt Augsburg in der Weiterentwicklung des Rahmenprogrammes des Friedensfestes.
Die Kommunale Konfliktberatung macht Kommunen ein Beratungsangebot, um sie darin zu unterstützen, dass Konflikte konstruktiver bearbeitet und damit Beiträge zum gesellschaftlichen Frieden geleistet werden können. Wie sehen diese Beiträge aus, wenn von der Organisation "Pro Peace" ein solcher Beratungsprozess durchgeführt wird? Wie wirkt Kommunale Konfliktberatung in Kommunen – und welchen Beitrag leistet sie zum gesellschaftlichen Frieden vor Ort?
Mit diesen Fragen hat sich die partizipative Forschungsgruppe aus Wissenschaftler:innen des Lehrstuhls für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung der Universität Augsburg und Praktiker:innen von Pro Peace (ehemals: Forum Ziviler Friedensdienst) befasst und nun einen umfangreichen Forschungsbericht veröffentlicht.
PaWiKo knüpfte sowohl inhaltlich als auch methodologisch an das Vorgängerprojekt „Kommunale Konfliktberatung und Partizipative Konfliktforschung“ (KomPa) an, in dem Funktionsweisen und Prozesselemente Kommunaler Konfliktberatung im Mittelpunkt standen. Während dort die Frage „Wie funktioniert Kommunale Konfliktberatung?“ bearbeitet wurde, richtete PaWiKo den Fokus gezielt auf Wirkungen entlang der Fragestellung „Welche Wirkungen von Kommunaler Konfliktberatung lassen sich mit wissenschaftlichen Methoden nachweisen?"
Charakteristisch für PaWiKo war der konsequent partizipative Forschungsansatz: Wissenschaft und Praxis arbeiteten transdisziplinär in einem gemeinsamen Forschungsprozess zusammen. Praktiker:innen der Kommunalen Konfliktberatung waren insbesondere in der Entwicklung der Forschungsfrage und in der Datenerhebung eng beteiligt; Auswertung, Interpretation und das Verfassen des Forschungsberichts wurden durch die Wissenschaftler:innen des Augsburger Lehrstuhls für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung verantwortet – begleitet durch die Praktiker:innenalsResonanz- und Reflexionspartner:innen.
Die Methodologie Partizipativer Konfliktforschung zielt explizit darauf, dass sich die Forschung an den Bedarfen der Praxis orientiert und die Forschungsergebnisse direkt in die Praxis zurückfließenkönnen – Kennzeichen einer praxisorientierten, transdisziplinären Friedens- und Konfliktforschung. Der Forschungsbericht wurde von Christoph Weller, Christina Pauls, Markus Kaistra, Annika Jahn und Felicia Höchsmann verfasst. Projektbeteiligte waren außerdem die Praktiker*innen Wolfgang Dörner, Eva Hörle und Sylvia Lustig von Pro Peace.
Das Projekt wurde finanziell durch den Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) der Europäischen Union im Rahmen des Projekts „Kommunen im Fokus: Konflikte nutzen – Integration gestalten“ gefördert.
Die Erkenntnisse aus dem mehrjährigen Projekt Partizipativer Konfliktforschung „KomPa“ zu den wesentlichen Funktionsweisen und Prozesselementen Kommunaler Konfliktberatung wurden nun in der Publikation „Perspektiven auf Kommunale Konfliktberatung“ , verfasst vom Forschungskollektiv KomPa, Open Access veröffentlicht.
Das Forschungskollektiv KomPa, an dem neben den Lehrstuhl-Mitarbeiter*innen Marius Thomay, Christina Pauls, Christoph Weller und Michaela Zöhrer auch die Praktiker*innen Wolfgang Dörner, Katharina Huxol und Sylvia Lustig vom Forum Ziviler Friedensdienst beteiligt waren, unterbreitet mit dieser Publikation ein Deutungsangebot zur Beantwortung der Forschungsfrage „Wie funktioniert die Kommunale Konfliktberatung des forumZFD?“. Diese Darstellung thematisiert einerseits wesentliche Funktionsweisen und Prozesselemente der Kommunalen Konfliktberatung (KKB) sowie einige der ihr zugrunde liegenden theoretischen und normativen (Grund-)Annahmen. Andererseits verdeutlicht der Text ebenfalls die im Forschungsprozess zutage getretenen vielfältigen Zugänge, Beobachtungen und Einschätzungen dazu, wie sich KKB verstehen und beschreiben lässt, was KKB ist und was sie ausmacht. Diese Vielfalt an Perspektiven fassen wir als grundlegende Ressource für das Verstehen der KKB auf, und sie ist zugleich auch ein wesentliches Merkmal der KKB.
Die Publikation ist Ergebnis des inzwischen abgeschlossenen Projekts „Kommunale Konfliktberatung und Partizipative Konfliktforschung“ (KomPa), eines partizipativen Forschungsprojekts unter Beteiligung des „Forum Ziviler Friedensdienst“ e.V. (forumZFD) und des Lehrstuhls für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung der Universität Augsburg. In einer etwa zweijährigen Pilotphase des KomPa-Projekts, welches von 6/2021 bis 02/2023 finanzielle Förderung durch den Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds der Europäischen Union (AMIF) im Rahmen des Projekts „Kommunale Konfliktberatung: Konflikte als Chance für eine nachhaltige Integration“ des forumZFD erhielt, wurde die Fragestellung „Wie funktioniert die Kommunale Konfliktberatung des forumZFD?“ in den Fokus gerückt.
Die Partizipative Konfliktforschung des Lehrstuhls für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung zu Kommunaler Konfliktberatung wird u.a. fortgeführt im Projekt „Partizipative Konfliktforschung zu den Wirkungen Kommunaler Konfliktberatung“ (PaWiKo).
Der Kulturausschuss der Stadt Augsburg hatte in seiner Sitzung vom 13.02.2023 die „Partizipative konzeptionelle Weiterentwicklung des Friedensbüros und des Friedensfestes" beschlossen. Mit dem Prozess sollte herausgearbeitet werden, wie künftig eine stärkere Profilierung von Augsburg als Friedensstadt möglich ist. Die Analyse unter der Leitung von Prof. Dr. Christoph Weller und Dr. Rebecca Gulowski folgte einem Ansatz Partizipativer Konfliktforschung und orientierte sich vor allem an konfliktanalytischen Fragestellungen, die auf die politischen Entscheidungsprozesse zur Weiterentwicklung der Friedensarbeit und des Friedensfests in Augsburg ausgerichtet waren. Das Team untersuchte, welche unterschiedlichen Vorstellungen und Positionen sich hinsichtlich der Bedeutung, Ziele und Wirkungen des Augsburger Hohen Friedensfests, der darauf bezogenen Friedensfestaktivitäten und der unterjährigen Friedensarbeit für die Friedensstadt Augsburg bei den Beteiligten erfassen lassen. Als wesentliche Ergebnisse konnten unterschiedliche Konflikte und Konfliktlinien beteiligter Akteur:innen herausgearbeitet werden.
Zu einzelnen Veranstaltungen und Formaten verfassen wir regelmäßig Rückblicke, damit Sie sich ein Bild darüber verschaffen können, was Sie bei unseren Veranstaltungen erwarten können.
Rückblicke zu unserem öffentlichen Bildungs- und Veranstaltungsangebot
Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus lud das Transferzentrum Frieden Augsburg zu einem interaktiven Gespräch zu den Langzeitfolgen der sogenannten Welserkolonie (https://shorturl.at/vKeiX) in Venezuela und Kolumbien ein. Die Augsburger Welser erhielten im Jahr 1528 die Kolonie Klein-Venedig (Venezuela) als sogenanntes „Lehen“ mitsamt aller Handels- und Ausbeutungsprivilegien von der spanischen Krone. Damit ist die Geschichte Augsburgs nicht bloß mit der europäischen Eroberung des amerikanischen Kontinents, sondern auch mit dem transatlantischen Versklavungshandel verbunden. Anlass für die Veranstaltung war entsprechend der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer der Sklaverei und des transatlantischen Sklavenhandels, der weltweit am 25. März begangen wird.
Im Zentrum des Abends stand die Frage, wie koloniale Gewalt in ihren Wirkungen auf die Gegenwart verstanden werden kann. Die Veranstaltung fragte deshalb nicht nur nach historischem Unrecht, sondern auch danach, welche kolonialen Kontinuitäten bis heute in Erinnerungskulturen, politischen Ordnungen, Rohstoffkonflikten und globalen Machtverhältnissen fortwirken. In Impulsen und im anschließenden Podiumsgespräch brachten Magda Agudelo, Alejandro Ceballos und Jochen Kleinschmidt ihre Perspektiven und Expertisen auf Kolumbien, Venezuela und die koloniale Verflechtung Augsburgs ein.
Insbesondere die lateinamerikanischen Perspektiven verschoben den Blick: sie kontextualisierten koloniale Gewalt nicht als abgeschlossenes Kapitel der Vergangenheit, sondern als Struktur, die Gegenwart weiterhin prägt. Magda Agudelo und Alejandro Ceballos thematisierten die Gewalt, die sich in ihre Wurzeln eingeschrieben hat und problematisierten europäische Erzählungen der Entdeckung und der zivilisatorischen Überlegenheit. Differenzierte Einblicke in aktuelle Herausforderungen der Region lieferte Jochen Kleinschmidt hinsichtlich des Krieges gegen Drogen (https://www.youtube.com/watch?v=KXJMFRYKhqU), sowie in Bezug auf neo-imperiale Politiken der USA und Europa und die Verantwortung lokaler Eliten.
Im Publikumsgespräch wurde reflektiert, welche Verflechtungen zwischen politischen und ökonomischen Entwicklungen in Kolumbien und Venezuela noch heute mit dem Alltagsleben in Augsburg sichtbar werden – und welche Verantwortung daraus erwächst. Dass beispielsweise der US-amerikanische Angriff auf Venezuela Anfang 2026 in Augsburger Medien vor allem mit Blick auf die Spritpreise aufgegriffen wurde, oder dass tropische Früchte das ganze Jahr über in lokalen Supermärkten erworben werden können, seien Ausdruck ebendieser Verflechtungen. Der Abend machte deutlich, dass eine verantwortungsvolle Erinnerungspraxis historische Gewalt nicht vom heute trennt, sondern nach ihren Nachwirkungen in Bildung, Politik und gesellschaftlicher Selbstverständigung fragt.
Bei den Internationalen Wochen gegen Rassismus 2026 war das Transferzentrum Frieden Augsburg mit einem vielfältigen Angebot vertreten. Neben einem Workshop zu ‚Critical Whiteness‘ (Link) und einem interaktiven Gespräch über die Effekte der Welserkolonie in Venezuela und Kolumbien fand ein öffentlichen Vortrag zur Frage statt, ob und wie Rassismus empirisch erfasst werden kann und welche konzeptionellen Herausforderungen damit verbunden sind. Diese Fragestellung knüpfte inhaltlich an die Veranstaltungsreihe „Menschenfeindlichkeit begegnen!“ an, die 2025 durch das Transferzentrum Frieden Augsburg 2025 angeboten wurde.
Am 23. März 2026 hielt Dr. Daniel James einen entsprechenden öffentlichen Vortrag mit dem Titel „Lässt sich Rassismus messen? Zahlen, Kategorien und ihre Grenzen“. Im Vorfeld zum Vortrag fand ein vertiefter Austausch zu theoretischen und praktischen Implikationen der Messbarkeit von Rassismus in Form eines wissenschaftliches Kolloquiums statt.
Dr. James, der zu Sozialphilosophie und Philosophie der Sozialwissenschaften mit einem Schwerpunkt auf Rassismus, Wissensordnungen und kritischer Gesellschaftsanalyse arbeitet, gab im Vortrag Einblicke in aktuelle Debatten und Forschungsansätze. Er ging außerdem darauf ein, ob und wie Rassismus empirisch erfasst werden kann und was dabei eigentlich gemessen wird. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass viele Schwierigkeiten weniger aus fehlenden Daten entstehen, sondern aus zu engen Begriffen und Kategorien. Er argumentierte, dass der Begriff „Rasse“ (race) zwar keine biologische Grundlage hat, aber als soziale Kategorie weiterhin wirksam ist und reale Folgen entfaltet. Vor diesem Hintergrund kritisierte er Versuche, den Begriff vollständig zu vermeiden – wie sie etwa in Debatten um eine mögliche Streichung des Begriffs aus dem Grundgesetz geführt wurden –, da dadurch zentrale Formen von Rassismus schwerer benennbar und erfassbar werden. Vermeintliche Ersatzkategorien wie die des „Migrationshintergrund“ bergen ebenfalls Gefahren, da sie analytisch ungenau sind und zentrale Aspekte von Rassismus verfehlen. Stattdessen plädierte er dafür, von „rassifizierten“ Menschen oder Gruppen zu sprechen, um den Fokus auf soziale Prozesse der Zuschreibung zu legen. So werde deutlich, dass es weniger um vermeintliche Eigenschaften von Menschen geht als darum, wie sie gesellschaftlich konstruiert und behandelt werden. Diese Perspektive sei auch entscheidend für eine präzisere Analyse und empirische Erfassung von Rassismus.
Der Vortrag verdeutlichte somit, dass die Frage nach der Messbarkeit von Rassismus eng mit der Wahl geeigneter Begriffe und Kategorien verbunden ist und damit grundlegende Konsequenzen für Forschung und gesellschaftliche Praxis hat.
Am 5. Februar 2026 führte das Transferzentrum Frieden eine Kooperationsveranstaltung mit dem Evangelischen Forum Annahof und dem Friedensbüro der Stadt Augsburg zur neuen Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) durch. Ausgewählte Aspekte und Positionen der umfangreichen Friedensdenkschrift wurden mit Experten und dem zahlreich erschienenen Publikum debattiert. Die kirchliche Denkschrift versteht sich als friedensethische Orientierungshilfe mit einer neuen Akzentsetzung beim Schutz vor Gewalt und lädt dazu ein, „Fragen neu zu stellen, die eigenen Positionen zu prüfen und das Gewissen zu schärfen.“
Bettina Böhmer-Lamey (Ev. Forum Annahof) eröffnete die Veranstaltung und hob die großen Erwartungen hervor, die sich angesichts der vielen unfriedlichen Entwicklungen auf der Welt weit über den Raum der Kirche hinaus an die EKD-Friedensdenkschrift richten. Einführend erläuterte dann Prof. Dr. Reiner Anselm, Vorsitzender des Redaktionsteams der Friedensdenkschrift und Professor für Systematische Theologie und Ethik an der LMU in München das Zustandekommen der inhaltlich neu-akzentuierten Denkschrift und die von der EKD damit verfolgten Ziele.
Thomas Prieto Peral, Regionalbischof des Kirchenkreises Schwaben-Altbayern, adressierte in seinem Eingangsimpuls die Herausforderungen einer Gewaltanwendung als ethischer Option in den aktuellen Spannungsfeldern zwischen Pazifismus und Kriegstüchtigkeit. Augsburgs Stadtdekan Frank Kreiselmeier stellte im Hinblick auf das Thema seiner Arbeitsgruppe die Frage an die evangelische Friedensethik: „Wann ist militärischer Angriff zur Selbstverteidigung erlaubt?“ Prof. Dr. Christoph Weller, Friedensforscher an der Universität Augsburg, fokussierte das Thema Verteidigungsfähigkeit und dessen Behandlung in der Friedensdenkschrift mit Bezügen zu den Konzepten von Friedenslogik und Sicherheitslogik. Michael Zipser vom Netzwerk „Church and Peace“ hob auf die Traditionen, biblischen Bezüge und die aktuelle Bedeutung des christlichen Pazifismus ab, den er in der neuen Denkschrift nicht ausreichend repräsentiert sieht. Prof. Dr. Reiner Anselm bot für seine Arbeitsgruppe an, den theologischen Zugang und die Gesamtanlage der Denkschrift genauer zu betrachten.
Anschließend hatten die Teilnehmenden in den fünf Arbeitsgruppen ausführlich Gelegenheit zum thematisch fokussierten Austausch untereinander und mit den eigeladenen Experten, um spezifische Aspekte der Denkschrift zu vertiefen und ihre Diskussionsergebnisse auf Plakaten festzuhalten. Die abschließende Zusammenführung der in den Arbeitsgruppen erstellten Plakate zu den unterschiedlichen Wegen zu mehr gerechtem Frieden unterstrich das Bedürfnis nach einer differenzierten Auseinandersetzung mit den kirchlichen Positionen und der erforderlichen Weiterarbeit mit der vorgelegten Denkschrift. Dabei wurde mehrfach größeres Engagement für Friedensbildung und mehr Perspektivenwechsel eingefordert und zumeist kritisch erörtert, dass die Denkschrift eine Tendenz zum Sicherheitsdenken aufweise, eine damit einhergehende militärische Logik der Abschreckung die Unsicherheit anderer Akteure verstärke und damit den Weg zum gerechten Frieden erschwere. Insgesamt bot die gelungene Veranstaltung einen fundierten Rahmen, in wichtige Aspekte und Themen der neuen evangelischen Friedensdenkschrift intensiver einzusteigen und den Transfer zwischen Theologie, Friedensforschung und gesellschaftlicher Praxis voranzubringen.
Transferzentrum Frieden
Am 26. November 2025 lud das TFA zu einer Veranstaltung ein, die sich der Stärkung von Konfliktkompetenzen widmete. Zu Gast war Karl-Heinz Bittl, Leiter des Fränkischen Bildungswerks für Friedensarbeit, der den Abend unter dem Motto „Streiten verbindet und ist gesund!“ als interaktiven Austausch gestaltete.
Bittl stieg in die Komplexität des Streitens ein: Konflikte werden zwar oft als belastende Störung und Anstrengung empfunden, sind jedoch ein fester Teil unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Durch das Offenlegen von Konflikten und Streitpunkten können diese bearbeitet und Verständnis gefördert werden.
Im gemeinsamen Austausch kristallisierte sich heraus: Wir neigen dazu, uns im Streit an unserem Gegenüber abzuarbeiten, wobei die Konfliktursachen meist nicht auf der persönlichen Ebene liegen. Karl-Heinz Bittl sensibilisierte die Gruppe dafür, den Blick zu weiten und auch strukturelle Rahmenbedingungen wie kulturelle Prägungen in Betracht zu ziehen. Um diesen Zusammenhang greifbar zu machen, arbeitet Bittl mit dem von ihm entwickelten Ansatz „Approche et Transformation Constructive de Conflits“ (frei übersetzt: Konflikte wahrnehmen und konstruktiv bearbeiten, ATCC).
Anhand dieses Modells können Konfliktursachen, Konfliktdynamiken und verschiedene Phasen eines Konflikts erkannt werden. Insbesondere die Ebene von Gefühlen, denen in Konflikten und Streits eine wichtige Rolle zukommt, wurde dabei besprochen. Diese sind weit mehr als bloße Stimmungen – sie fungieren als „Wächter“, die uns anzeigen, wenn essenzielle Bedürfnisse wie Anerkennung, Sicherheit oder Autonomie gefährdet sind.
Die Veranstaltung machte deutlich, dass ein konstruktiver Umgang mit Konflikten vor allem dann gelingt, wenn erkannt wird, auf welcher Ebene der Konflikt eigentlich liegt, dieser dort bearbeitet wird und die Botschaft hinter eigenen Emotionen verstanden wird. Der Abend bot damit viele Anregungen, die eigene Streit- und Konfliktkompetenz zu stärken.
"Was hält unsere Gesellschaft zusammen?" unter dieser Leitfrage wurde am 02.Oktober 2024 wieder die Lange Nacht der Demokratie an verschiedensten Standorten ausgerichtet.
In Augsburg beteiligte sich das Transferzentrum Frieden Augsburg mit einem Infostand, an dem wir über unsere bereits durchgeführten Veranstaltungen informierten. Das Transferzentrum lud außerdem zum Sprechen über Frieden ein, indem es Einschätzungen über notwendige Bedingungen für Frieden einholte. Durch die intensiven Gespräche am Infostand konnten so weitere Ideen und Bedarfe aus der Stadtgesellschaft eingeholt werden, die Eingang in die zukünftige Veranstaltungsplanung des Transferzentrums finden werden.
Ist der Klimawandel immer Konflikttreiber oder kann er auch zu Frieden führen? Prof.Dr. Tobias Ide beleuchtete diese Frage am 16.07.2024 in einem Vortrag im Kontext der Ausstellung ‘Friedensklima’. Er teilte überraschende Einsichten, die er aus seinen Studien zu über 20 verschiedenen Konfliktregionen gewonnen hat: In etwa der Hälfte der betrachteten Fälle führten klimawandelbedingte (Natur)Katastrophen zu keinem Effekt; in einem Viertel der Fälle verschärften sich Konflikte und in einem Viertel der Fälle deeskalierten diese sogar, zumindest zeitweise. Nachzulesen im Buch ‘Catastrophes, Confrontations, and Constraints How Disasters Shape the Dynamics of Armed Conflicts‘ (Tobias Ide 2023). Die anschließende Diskussion war vielstimmig und öffnete viele Fragen über Frieden- und Konflikverständnisse, Möglichkeiten der Kooperation sowie Überlegungen zu konfliktsensiblen und friedensorientierten Maßnahmen im Umgang mit dem Klimawandel.
Am Montag, dem 17.06.2024, stellte Prof. Dr. Conrad Schetter (Bonn International Center for Conflict Studies) das Friedensgutachten 2024 vor. Als Mitherausgeber führte er in die inhaltlichen Schwerpunktsetzungen der Analyse und Empfehlungen ein, insbesondere zum Gaza-Krieg. In seinem Vortrag und der anschließenden Diskussion wurden damit verbundene Themen diskutiert, wie etwa Dynamiken der Rüstungskontrolle, die Notwendigkeit der Achtung des humanitären Völkerrechts und innergesellschaftliche Gefährdungen der Demokratie.
Am 03.06.2024 fand eine intensive Diskussion mit Prof. Dr. Janine Linßer (Technische Hochschule Augsburg) im Annahof statt. Janine Linßer referierte zu kommunaler Radikalisierungsprävention und den Potentialen von demokratischer Beteiligung als Präventionsansatz. In der anschließenden Diskussion wurden zahlreiche Ideen und Erfahrungen geteilt und diskutiert, mit denen die Radikalisierungsprävention in Augsburg verbessert werden könnte und in welchen Praxisfeldern daran weitergearbeitet werden kann.
Das Transferzentrum Frieden war am 04.05.2024 mit einem Stand bei der Langen Nacht der Wissenschaft vertreten. Am Stand des Transferzentrums wurden intensive Gespräche über aktuelle Friedens- und Konfliktthemen geführt und die für den Sommer 2024 geplanten Veranstaltungen vorgestellt (link zu Poster/Veranstaltungsplanung). Außerdem wurden Ideen von den zahlreichen Besucher*innen gesammelt, in welchen Bereichen Handlungsbedarf in der Friedensstadt gesehen wird und zu welchen Themen es in Zukunft entsprechende Veranstaltungsformate des TFA geben sollte.
Rückblicke zu unserem Bildungs- und Qualifizierungsangebot
Am 26. und 27. März 2026 nahm das Team des TFA an einer internen Weiterbildung im Rahmen eines „Train the Trainers“-Formats teil. Im Mittelpunkt dabei stand die Weiterentwicklung des Workshopangebots zur Stärkung von Konfliktkompetenzen in Kindertagesstätten. Durchgeführt wurde die Weiterbildung von Dr. Nora Schröder, die als Learning Experience Designer tätig ist.
Seit 2025 bietet das TFA im Rahmen einer Kooperation mit dem Amt für Kindertagesbetreuung der Stadt Augsburg Workshops für pädagogische Fachkräfte in städtischen Kindertageseinrichtungen an. In mehreren aufeinander aufbauenden Modulen werden Kommunikations-, Moderations- und Konfliktkompetenzen gestärkt, mit einem besonderen Fokus auf die Konfliktbearbeitung unter Erwachsenen. Ausgangspunkt dieses Qualifizierungsangebots war eine Bedarfsanalyse im Frühjahr 2024, die das TFA gemeinsam mit dem Leitungsteam der Elterninitiative Kindernest e.V. durchführte. Seitdem wird das Workshopangebot kontinuierlich weiterentwickelt, bedarfsgerecht angepasst und inhaltlich erweitert. Vor diesem Hintergrund fand auch die interne „Train the Trainers“-Weiterbildung statt – mit dem Ziel, neue Trainer*innen zu qualifizieren und neue Impulse für deren Weiterentwicklung zu setzen.
Im Rahmen der Weiterbildung wurde die eigene Rolle als Lehrende reflektiert, zentrale Erkenntnisse aus der Bildungsforschung aufgegriffen und Erfahrungen aus den bisherigen Workshops gemeinsam ausgewertet. Darauf aufbauend wurden neue Aufgabenformate und Methoden entwickelt, erprobt und im Team praktisch durchgeführt.
Die intensiven zwei Tage boten den Beteiligten einen guten Rahmen, um die bisherigen Workshop-Erfahrungen zu reflektieren, die eigene Lehrpraxis zu hinterfragen und darauf aufbauend gemeinsam einen Blick auf die zukünftige Weiterentwicklung zu richten. Für die kommenden Monate sind bereits weitere Workshops in verschiedenen städtischen Kindertageseinrichtungen geplant und werden dort im Rahmen der Kooperation fortgeführt und umgesetzt.
Das Transferzentrum Frieden Augsburg lud am 17. März 2026 zu einem Workshop ein, der in das Thema Critical Whiteness (kritisches Weißsein) einführte. Die Veranstaltung stellte die erste von mehreren Veranstaltung des TFA dar, die im Rahmen der internationalen Wochen gegen Rassismus angeboten wurde.
Durchgeführt wurde der Workshop von Kharis Ikoko (Kokonelle), die als Bildungsreferentin in antirassistischen Themenfeldern arbeitet, und Christina Pauls, die als Geschäftsführerin des TFA sowie als Bildungsreferentin tätig ist.
Der Workshop bot eine Einführung in das Konzept des kritischen Weißseins. Damit wird Verantwortung für antirassistische Arbeit nicht bloß bei den von Rassismus Betroffenen verortet, sondern (auch) als Aufgabe weiß positionierter Menschen verstanden. Der bewusst als Einstiegsimpuls verstandene Workshop hatte zum Ziel, Weißsein als gesellschaftliche Norm sichtbar zu machen sowie dessen historische Verankerung im Kolonialismus zu reflektieren.
Eine Besonderheit war die große Altersspanne der Teilnehmenden, die von 16 bis 74 reichte.
Im Workshop wurden durch interaktive Methoden unterschiedliche Perspektiven und Selbstpositionierungen der Teilnehmenden sichtbar gemacht und angeregt, darüber nachzudenken, was Weißsein konkret bedeutet. Dabei stellte sich der generationenübergreifende Dialog sowie die Thematisierung von eigenen Erinnerungen und Erfahrungen als besondere Ressource für die Auseinandersetzung mit rassistischen Strukturen dar. Anhand eines Filmexperimentes setzten sich die Teilnehmenden auch mit zentralen Mechanismen und Effekten von zugeschriebenen Höher- und Minderwertigkeitskonstruktionen auseinander. Dies wurde außerdem in einen historischen Kontext der globalisierten Kolonialgeschichte eingeordnet sowie einige ausgewählte Kontinuitäten herausgearbeitet.
Insgesamt leistete der Workshop einen Beitrag dazu, eigene Verstrickungen in rassistische Strukturen bewusster zu erkennen und Perspektiven für kollektives verantwortungsvolles Handeln zu entwickeln. Konkrete Möglichkeiten für eine Weiterarbeit umfassen die selbstverantwortete Weiterbildung, Vernetzung und gemeinsamer Arbeit an Themenstellungen von kritischem Weißsein sowie vertiefende generationenübergreifende Erfahrungs- und Lernräume.
Am Dienstag, 25.11.2025 – pünktlich zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen – fand der Workshop "Sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen in Prävention und sexueller Bildung" – in Kooperation mit der Technischen Hochschule Augsburg – statt. Organisiert wurde der Workshop von Magdalena Holz und Dr. Rebecca Gulowski, die den online-Kurs "Dynamiken sexualisierter Gewalt unter Jugendlichen: Erkennen, Verstehen und Handeln" entwickeln.
Im Workshop teilten erfahrene Referent*innen aus sexueller Bildung und der Prävention sexualisierter Gewalt ihre Erfahrungen und Gedanken: Lynn Marquardt, Dr. Daniel Doll, sowie Dr. Rebecca Gulowski gaben zum Einstieg jeweils einen Kurzimpuls zum Thema aus ihrer jeweiligen Fachexpertise. Lynn Marquart sprach vor allem aus ihrer langjährigen Erfahrung im Bereich sexuelle Bildung und legte Überschneidungen zwischen den Zugängen der sexuellen Bildung und der Prävention dar. Sie argumentierte für ein stärkeres Zusammendenken dieser Zugänge. Dr. Daniel Doll stellte im Anschluss zentrale Ergebnisse seiner Promotion dar, in der er sich mit dem Themenkomplex „Jugend, sexuelle Gewalt und Männlichkeiten“ befasste. Er lieferte anregende Einsichten über Männlichkeitsvorstellungen und verschiedene Typen von sogenannten Bystandern – das sind Menschen, die einen sexuellen Übergriff beobachten oder denen davon erzählt wird. Dr. Rebecca Gulowski stellte das abgeschlossene BMBF-geförderte Verbundprojekt CHAT vor (Checken, Abklären und Entscheiden, Tun: Jugendliche gegen sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen stark machen). Im Anschluss folgte ein theaterpädagogischer Teil, in dem ein Rollenspiel als Ausgangspunkt für Selbstreflexion und die Auseinandersetzung mit Handlungsmöglichkeiten diente. Begleitet wurde dies von der Fachberaterin Jennifer Raschke, die den Prozess und die Betreuung der Teilnehmenden unterstützte.
Das interaktive Format, bestehend aus Fachexpertisen, Rollenspielen und gemeinsamer Auswertung, wurde von den Teilnehmenden positiv angenommen. Der Workshop wurde angeboten im Kontext der Entwicklung des vhb-Kurses "Dynamiken sexualisierter Gewalt unter Jugendlichen: Erkennen, Verstehen und Handeln", der voraussichtlich ab Mitte Januar 2026 über die Plattform openvhb der virtuellen Hochschule Bayern als Selbstlernkurs zur Verfügung steht.
Angesichts der zunehmenden menschenfeindlichen Tendenzen in Politik, Medien und gesellschaftlichem Zusammenleben, führte das Transferzentrum Frieden Augsburg eine Veranstaltungsreihe zur Sensibilisierung für gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in der Stadt Augsburg durch.
Das Konzept der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (GMF) beschreibt abwertende und ausgrenzende Einstellungen und Handlungen gegenüber Menschen aufgrund ihrer realen oder zugeschriebenen Gruppenzugehörigkeit. Diese Einstellungen und Haltungen basieren auf einer Ideologie der Ungleichwertigkeit, also der Zuschreibung einer unterschiedlichen Wertigkeit von Menschengruppen. Wenn Ungleichwertigkeit erst einmal etabliert ist, kommt es dazu, dass die Abwertung einer Gruppe oft mit der Abwertung anderer Gruppen einhergeht.
Den Auftakt bildete ein umfangreicher und inhaltlich anregender Vortrag von Prof. Dr. Andreas Zick (Universität Bielefeld, Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung), der einen fundierten Einblick in das Konzept der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit und die empirischen Daten der sogenannte „ Miite-Studie“ bot.
Im Vortrag von Prof. Zick wurde deutlich, dass rechtsextreme Tendenzen und damit einhergehende Menschenfeindlichkeit in der Mitte der Gesellschaft zunehmen – damit stellte er die Dringlichkeit der Beschäftigung mit und Sensibilisierung für die verschiedenen Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit dar.
In den darauffolgenden Wochen wurden von kompetenten und hoch engagierten Referent*innen sieben handlungsorientierte Workshops zu verschiedenen Dimensionen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit angeboten. Diese standen allen Augsburger*innen offen und wurden entsprechend gut besucht. Obwohl nicht alle Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in der Workshopreihe abgedeckt werden konnten, thematisierten die Workshops Klassismus und Wohnungslosigkeit, antischwarzen Rassismus, Antisemitismus, Hetero-Sexismus, antimuslimischen Rassismus, Antiziganismus, sowie Verschränkungen von Rassismus, Klasse und Gender. In den interaktiven Workshops wurde – je nach Schwerpunkt – thematisiert, auf welchen Ebenen Diskriminierung stattfindet, welche historischen und gegenwärtigen Entwicklungen dahinterstehen, wie menschenfeindliche Haltungen erkannt werden können und welche Anlaufstellen es in Augsburg und darüber hinaus gibt.
Die positive Resonanz der Teilnehmenden zu den Workshops, die gelungene Zusammenarbeit mit den Kooperationspartner*innen und Referent*innen der Workshops und das große Interesse an diesen Angeboten des Transferzentrums Frieden Augsburg bestärken uns darin, weitere Angebote in diesem Themenfeld in unser Programm aufzunehmen. Dazu gehört auch die Peace Summer School 25 „ Mind the Gap: Intersektionalität erleben, Gesellschaft gestalten" am 19. - 21. Juni 2025 in Augsburg.
Am Mittwoch, den 22.01.2025 lud das Transferzentrum zu einer Vernetzungsveranstaltung in den Hollbau ein, an der verschiedenste Praktiker*innen der Konfliktbearbeitung sich über Verfahren, Möglichkeiten und Grenzen von Konfliktbearbeitung austauschten. In einem ersten Teil stellten Carmen Buschinger (Antidiskriminierungsstelle Augsburg), Brigitte Hörster (IMKA), Günter Schießl (Seniors in Schools) und Frank Pintsch (Ordnungsreferent der Stadt Augsburg) ihre Arbeitsfelder und Gedanken zu Potentialen und Grenzen mediativer Verfahren dar. Anschließend folgte ein engagierter Kleingruppenaustausch zu den Arbeitsfeldern der Teilnehmenden, die im Plenum präsentiert und diskutiert wurden. Im Zentrum der Bestandaufnahme stand der Austausch über Verfahren, Möglichkeiten und Grenzen der Konfliktbearbeitung. Die Teilnehmenden stellten 'best practices' vor und reflektierten über die Rolle von Politik und Machtverhältnissen in der Konfliktbearbeitung. Sie rückten die Bedeutung von Perspektivwechsel und Empathie angesichts sich verhärtender gesellschaftlicher Rahmenbedingungen in den Fokus. Herausforderungen wurden außerdem identifiziert in den begrenzten zeitlichen und räumlichen Möglichkeiten für Konfliktbearbeitung, wie etwa in Schulkontexten. Auf der Grundlage der Kleingruppenarbeiten wurden Bedarfe nach Begegnungsräumen, Erfahrungsaustausch und Vernetzung formuliert. Insgesamt konnte die Vernetzungsveranstaltung einen Teil der Vielfalt von Konfliktbearbeitungsverfahren und -feldern in der Friedensstadt Augsburg sichtbar machen. Dieser erste Austausch hat zur Vernetzung und persönlichen Begegnung wichtiger Augsburger Akteur*innen in diesem Themenfeld beigetragen und soll – den vielfach artikulierten Wünschen entsprechend – mit weiteren Workshops und Veranstaltungsformaten fortgesetzt werden.
Kontakt
Das Transferzentrum Frieden Augsburg befindet sich
in der Grottenau 1, 86150 Augsburg
Zugang über den Osteingang ("Kleine Grottenau"), Raum N.49