Forschung

Bayerisches Zentrum für Friedens- und Konfliktforschung

Der Forschungsverbund „Bayerisches Zentrum für Friedens- und Konfliktforschung“ (BZeFK) ist ein vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördertes Regionalcluster der Friedens- und Konfliktforschung. Mit seiner Vernetzungsarbeit in der Deutungskämpfe-Forschung und einem Fokus auf den Transfer der Expertise im Feld der Konfliktbearbeitung und Friedensforschung zielt das Zentrum auf die weitere Stärkung und strukturelle Verankerung der Friedens- und Konfliktforschung in Bayern. Anknüpfend an die langjährigen Arbeiten des Augsburger Lehrstuhls für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung und die erste BZeFK-Förderphase (2022-2026) steht eine praxisorientierte, inter- und transdisziplinäre Forschung zu sozialen Konflikten und den Bedingungen des Friedens im Mittelpunkt des Zentrums. An dem nun bis März 2028 verlängerten Forschungsverbund zum Thema „Deutungskämpfe im Übergang“ sind Wissenschaftler*innen der Universitäten Augsburg, Bayreuth sowie des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin beteiligt. In Augsburg stehen Deutungskämpfe um Verantwortung in den Diskursen um sexualisierte Gewalt im Mittelpunkt des Forschungsinteresses sowie die Fortführung des Transferzentrums Frieden Augsburg (TFA).

 

Gefördert durch:

 

 

 

Die jüngsten Augsburger BZeFK-Aktivitäten:

 

 

Bayerisches Zentrum für Friedens- und Konfliktforschung für weitere zwei Jahre gefördert

Interdisziplinärer Verbund analysiert globale Krisen von der Ukraine bis zum Klimawandel – Bund stellt knapp eine Million Euro bereit

 

Die Universität Augsburg startet gemeinsam mit der Universität Bayreuth und dem Institut für Zeitgeschichte die zweite Förderphase des Bayerischen Zentrums für Friedens- und Konfliktforschung (BZeFK). Seit dem 1. April 2026 wird die erfolgreiche Arbeit des Verbunds zu „Deutungskämpfen im Übergang“ fortgeführt. Die Universität Augsburg bringt dabei insbesondere ihre ausgewiesene Expertise in Friedens- und Konfliktforschung ein, etwa über das Transferzentrum Frieden Augsburg (TFA).

 

Prof. Dr. Christoph Weller © Universität Augsburg
 

Der 2022 eingerichtete Verbund wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt mit 925.000 Euro für zwei weitere Jahre (2026–2028) gefördert. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen analysieren, wie Gesellschaften in Zeiten des Wandels um Deutungen der Vergangenheit und Gegenwart ringen, um die Zukunft zu gestalten. Dabei liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der weiteren Vertiefung regionaler Zusammenarbeit in der Friedens- und Konfliktforschung sowie auf inter- und transdisziplinärer Forschung. Das Projekt verknüpft Ansätze aus der Soziologie, der Geschichtswissenschaft, den Internationalen Beziehungen und der Politikwissenschaft.

Die Dynamiken solcher Auseinandersetzungen und eine friedensorientierte Konfliktbearbeitung werden in Fallstudien mit aktueller Relevanz untersucht, etwa in Deutungskämpfen um die Positionierung der Ukraine, den Klimawandel, die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und die Verantwortung von Rüstungskonzernen für Gewalt.

Deutungskämpfe erforschen

Der Augsburger Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung bringt sich insbesondere in das Arbeitspaket ein, das Deutungskämpfe um „Verantwortung“ und „Gerechtigkeit“ untersucht. Die Forschenden arbeiten heraus, wie Verantwortung für sexualisierte Gewalt in verschiedenen Kontexten politisch, rechtlich und moralisch definiert wird, wer an diesen Deutungen und der mit ihnen begründeten Gerechtigkeit bzw. Gewalt beteiligt ist und wie Deutungen durchgesetzt werden.

„Die Universität Augsburg hat während der ersten Förderphase des Verbunds etablierte Instrumente für den Transfer der Friedens- und Konfliktexpertise in verschiedene relevante Praxisfelder entwickelt“, zieht der Augsburger Friedens- und Konfliktforscher Prof. Dr. Christoph Weller Bilanz. Mit dem Transferzentrum Frieden Augsburg, der Peace Summer School, vielfältigen öffentlichen Formaten und konzeptionellen Arbeiten zu Transfer und Transdisziplinarität trage sie dazu bei, Orientierungswissen für aktuelle friedenspolitische Debatten und Handlungsexpertise für die Konfliktbearbeitungspraxis bereitzustellen.

Weitere Informationen finden sich auf der BZeFK-Homepage: https://www.uni-augsburg.de/de/fakultaet/philsoz/fakultat/powi-friedens-und-konfliktforschung/forschung-projekte/

Bei der Jahreskonferenz der   (AFK) in Leipzig präsentierte TFA-Geschäftsführerin Christina Pauls das Transferkonzept des  beim Roundtable „Multidirektionaler Wissenstransfer als Beitrag zur Transdisziplinarität der Friedens- und Konfliktforschung“

Das Fishbowl-Panel wurden vom   angeboten und von dessen Koordinator Christoph Weller moderiert. Einleitend betonte er die Praxisorientierung der Friedens- und Konfliktforschung und verwies auf einige weit verbreitete Transferbeobachtungen: Obwohl in Forschungs- und Förderprogrammen Transfer mehr denn je gefordert sei, werde er vom Wissenschaftssystem kaum belohnt. Wenn aber die  für die Friedens- und Konfliktforschung ausgeleuchtet würden, sei Transfer ein wesentliches Element, denn alle drei Kennzeichen von Transdisziplinarität seien auf gelingenden Transfer angewiesen: 

(1) Für die Orientierung der Forschung an der Problembearbeitung müssen Wissenschaftler*innen verstehen, welche Praxisprobleme eigentlich bearbeitet werden sollen, weshalb Transfer in transdisziplinärer Forschung keine Ergänzung der wissenschaftlichen Publikation von Forschungsergebnissen ganz am Ende des Forschungsprozesses sei, sondern an dessen Anfang stehe, wobei die Wissenschaftler*innen dabei die Rezipient*innen des Transfers zwischen Praxis und Wissenschaft seien. 

(2) Auch die Methodologie transdisziplinärer Forschung, in der nicht-wissenschaftliches Wissen in eine produktive Verbindung mit wissenschaftlichem Wissen gebracht werden soll, basiere auf gelingendem Transfer, innerhalb dessen das jeweils andere Wissen verstanden werden muss, um seine Relevanz zur erfolgreichen Problembearbeitung angemessen beurteilen zu können. 

(3) Und die Umsetzung kollektiver Erkenntnisprozesse von Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen innerhalb des transdisziplinären Forschungsprozesses - als drittes Kennzeichen von Transdisziplinarität - erfordere einen kontinuierlich gelingenden Wissenstransfer. Wenn jedoch diesen drei Anforderungen transdisziplinärer Forschung durch erfolgreichen Transfer einigermaßen entsprochen werden könne, würde das, was üblicherweise mit „Transfer“ bezeichnet wird, völlig überflüssig. Denn die relevanten Praktiker*innen sind ja von Anfang an in die gemeinsame Forschung integriert und müssen nicht am Ende mit ergänzenden „Transfer“-Anstrengungen und originellen Formaten der Wissenschaftskommunikation erst noch erreicht werden. 

Dieser Einführung in das Fishbowl-Panel folgten drei Diskussionsimpulse von transfererfahrenen Kolleg*innen, in denen u.a. darauf fokussiert wurde, wodurch sich der Transfer in der Friedens- und Konfliktforschung bzw. -praxis vom Transfer in anderen Forschungs- bzw. Praxisfeldern unterscheidet; zudem konnten Erfahrungen aus drei unterschiedlichen institutionellen Kontexten präsentiert werden: 

Christina Pauls (Universität Augsburg) berichtete als Geschäftsführerin des „Transferzentrum Frieden Augsburg“ von den Bedarfsanalysen gemeinsam mit Praktiker*innen, die am Beginn der jeweiligen Aktivitäten des Transferzentrums stünden, dessen Aufgabe darin bestehe, in unterschiedlichen Formaten und Kooperationsformen zum Transfer der Expertise der Friedens- und Konfliktforschung in die Praxisfelder der Friedensstadt Augsburg beizutragen. Dies hänge auch damit zusammen, dass das Transferzentrum Frieden Augsburg aufgrund der gemeinsamen Trägerschaft von Stadt und Universität bereits eine transdisziplinäre Einrichtung sei. 

Ginger Schmitz, Geschäftsführerin der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung, betonte, dass bereits von ihrem Selbstverständnis als „Plattform“ her der Transfer in diesem Netzwerk angelegt sei, aber aktuell wachsende Bedeutung bekomme, weil das Feld der Friedensarbeit politisch erheblich unter Druck sei, dem bei gelingendem Transfer erfolgreicher begegnet werden könne. Dabei sieht sie ein Transfer-Viereck am Werk von Wissenschaft, Praxis, Politik und Öffentlichkeit, wodurch Transfer in erheblichem Maße eine Form von Diskursarbeit darstelle. Zugleich dürfe nicht übersehen werden, dass Transfer in erheblichem Maße an einzelnen Personen hänge und nur schwer institutionell gesichert werden könne. 

Christof Starke (Friedenskreis Halle & Kooperationsverbund Demokratische Konfliktbearbeitung) differenzierte vor seinem Erfahrungshintergrund fünf verschiedene Transferfelder: einerseits eine Theoriebildung, in die Praktiker*innen direkt einbezogen werden, und andererseits eine aus der Praxis heraus entwickelte Forschung, für die aber zumeist die Ressourcen fehlten. Auch Lehraufträge von Praktiker*innen an Hochschulen sind aus seiner Sicht eine wertvolle Form des Transfers, ebenso die Mitwirkung von Wissenschaftler*innen an Austausch- und Begegnungsräumen, die praxisnah geschaffen werden. Und wofür sowohl von Praktiker*innen als auch von Wissenschaftler*innen seiner Meinung nach mehr getan werden müsse, sei der Transfer Richtung Politik, Öffentlichkeit und Gesellschaft. 

Mit diesen vier einleitenden Impulsen waren für die sich anschließende Fishbowl-Diskussion zahlreiche Anregungen und vielfältige Erfahrungen geliefert, um mit allen Anwesenden über die Spezifika und die Zukunft des Transfers in der Friedens- und Konfliktforschung bzw. -praxis ausführlich zu diskutieren. Und fortgesetzt wurde der Austausch dann gleich am Nachmittag bei Treffen des Arbeitskreises „Wissenschaft und Praxis“ inklusive Transfer, indem über geeignete Formate gesprochen wurde, mit denen sich Praktiker*innen und Wissenschaftler*innen gleichermaßen erreichen und miteinander vernetzen lassen.

, Geschäftsführerin des  (TFA) und wissenschaftlich in Forschung, Lehre und Transfer an der Schnittstelle von Friedensforschung und Friedensbildung engagiert, hat am 10.3.2026 ihr Promotionsverfahren an der Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Augsburg sehr erfolgreich abgeschlossen. Im Zentrum ihrer Dissertation steht die Frage, inwiefern dekolonialer Erinnerungsaktivismus als eine Form von Friedensarbeit verstanden werden kann und welche Impulse sich daraus für Friedensforschung und Friedensbildung ergeben.

Ausgehend von der Beobachtung, dass dekoloniale Perspektiven in der Friedens- und Konfliktforschung zwar zunehmend an Bedeutung gewinnen, konkrete erinnerungsaktivistische Praxen jedoch bislang nur selten systematisch als Friedenswissen ernst genommen werden, untersucht die Arbeit Erinnerungsaktivismus als konflikthaftes, situiertes und verkörpertes Wissen. Die Dissertation versteht dekolonialen Erinnerungsaktivismus nicht primär als Untersuchungsgegenstand, sondern als epistemische und politische Intervention, die hegemoniale Selbstverständlichkeiten von Frieden irritiert. Im Fokus stehen dabei insbesondere jene Formen des Aktivismus, die koloniale Gewaltverhältnisse, verdrängte Geschichte und fortwirkende Machtasymmetrien im öffentlichen Raum sichtbar machen und damit dominante Friedensnarrative herausfordern. Die Arbeit zeigt, dass solche Praxen wertvolle Beiträge zur Erweiterung von Friedenswissen leisten, indem sie Fragen von Verantwortung, Verstrickung, historischer Gewalt und gesellschaftlicher Transformation neu in den Blick rücken.

Anhand empirischer Fallanalysen arbeitet die Dissertation heraus, wie dekolonialer Erinnerungsaktivismus friedensrelevantes Wissen hervorbringt, hegemoniale Wissensordnungen irritiert und Lern- und Aushandlungsprozesse über Gewalt, Gerechtigkeit und Verantwortung anstößt. Damit leistet die Arbeit nicht nur einen wichtigen Beitrag zur dekolonialen Weiterentwicklung der Friedens- und Konfliktforschung, sondern eröffnet auch neue Perspektiven für eine Friedensbildung, die koloniale Kontinuitäten, Ambivalenzen und gesellschaftliche Machtverhältnisse stärker berücksichtigt.

 2025: Deutungskämpfe: Begriffe, Konzept, Bearbeitung, in: Zeitschrift für Friedens- und Konfliktforschung/ZeFKo Studies in Peace and Conflict 14: 1,  

Abstract: Der Beitrag wendet sich dem, für die Forschung am   zentralen Begriff der „Deutungskämpfe“ zu. Er verdeutlicht einleitend die Relevanz von Deutungskämpfen für die Friedens- und Konfliktforschung. Anschließend gibt der Text Einblicke in verschiedene wissenschaftliche Studien und disziplinäre Zusammenhänge, in denen der Begriff „Deutungskämpfe“ Verwendung findet und dabei jeweils Unterschiedliches hervorheben soll. Daran anknüpfend wird eine differenzierte konflikttheoretische Konzeptualisierung des Begriffs präsentiert, mit deren Hilfe die spezifischen Kennzeichen der Konfliktkonstellation des Deutungskampfes herausgearbeitet und exemplarisch am Konflikt über öffentlich akzeptable Meinungsäußerungen zur israelischen Kriegführung im Gazastreifen im Frühjahr 2024 veranschaulicht werden. Eine Friedensperspektive auf Deutungskämpfe und entsprechende Institutionen der Konfliktbearbeitung bildet den Schluss des Beitrags.

 

 

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  • Maichle, Lisa
    "Lasst Waffen sprechen! Bedeutungszuschreibungen im Kontext von unbemannten bewaffneten Luftfahrzeugen (UCAVs)" ( )

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