Etablierung der Friedens- und Konfliktforschung in Bayern und Augsburg

Projektbeschreibung

Befindet sich die Friedens- und Konfliktforschung nach den jüngsten Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Weiterentwicklung der Friedens- und Konfliktforschung im Juli 2019 in einem ähnlichen Transformationsprozess, wie er sich für die Entstehungsphase Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre identifizieren lässt? Um diese Fragestellung zu bearbeiten, ist einerseits die wissenschaftshistorische Beschreibung und Rekonstruktion der Anfangsphase der Friedensforschung in der Bundesrepublik Deutschland zu erarbeiten (Projekt „Entstehung und Entwicklung der Friedensforschung in Deutschland") und andererseits in einem wissenschaftssoziologisch angeleiteten Vergleichsdesign mit Entwicklungen der vergangenen zehn bis zwanzig Jahre zu vergleichen. Hierfür bietet sich Bayern und insbesondere die Friedensstadt Augsburg an, in der es seit Ende der 1990er Jahre erste Aktivitäten und Bemühungen gab, Friedensforschung in Augsburg zu etablieren. 

Während der Beitrag Bayerns zum Scheitern der Deutschen Gesellschaft für Friedens- und Konfliktforschung (DGFK) 1983 vielfach untersucht und beschrieben wurde, sind die Anstrengungen zur Etablierung gerade der Augsburger Friedensforschung weitgehend unerforscht. Der 450. Jahrestag des Augsburger Religionsfriedens 2005 gab den Anstoß für die Entscheidung, einen politikwissenschaftlichen Lehrstuhl der Universität Augsburg auf den Schwerpunkt „Friedens- und Konfliktforschung“ hin auszurichten. Doch was im Vorfeld dieser Entwicklung erforderlich war und unter welchen Bedingungen die entsprechenden Prozesse erfolgreich sein konnten, lässt sich nur mithilfe von Zeitzeugenberichten und intensiven Archivrecherchen rekonstruieren. Konkret werden Interviews mit Zeitzeugen geführt und die entstandenen Transkripte fragestellungsbezogen ausgewertet sowie eine Dokumentensammlung erstellt mit Quellen, die Aufschluss geben über das Zustandekommen der Entscheidungen für die Einrichtung des Augsburger Lehrstuhls für Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung, seine Vorgeschichte, über erkennbare Einflüsse und die Beteiligten an den Entscheidungsprozessen sowie die damit verbundenen Ziele, Erwartungen und ggf. auch Widerstände.

Diese wissenschaftssoziologische und wissenschaftshistorische Forschung leistet sowohl einen Beitrag zum besseren Verständnis der Entwicklungen dieses praxisbezogenen, interdisziplinären Forschungsfelds, als auch zur jüngsten Augsburger Stadt- und Wissenschaftsgeschichte. Denn die Friedensstadt Augsburg sieht sich nicht nur in einer historischen Dimension mit dem Thema „Frieden“ verbunden, sondern weit mehr noch in einem aktuellen und zukunftsbezogenen Sinne. Das Augsburger Hohe Friedensfest verweist zwar einerseits auf eine seit 1650 bestehende Tradition, aber dessen Aufnahme in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes (UNESCO) basiert andererseits vor allem auf der stetigen Aktualisierung dieses kulturellen Erbes der Regelung des konfessionellen Konflikts des 16. und 17. Jahrhunderts: Neben Politik und Kultur, vielen städtischen Einrichtungen, den Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie vielfältigen gesellschaftlichen Initiativen leistet auch die Wissenschaft in verschiedenen Disziplinen relevante Beiträge zum Thema „Frieden“ in Augsburg.

Das Teilprojekt zur Rekonstruktion der Entwicklung der Friedens- und Konfliktforschung in Bayern wird 2019/2020 finanziell unterstützt durch den Bayerischen Landtag.
Das Teilprojekt „Etablierung der Friedensforschung in der Friedensstadt Augsburg“ wird 2019 und 2020 finanziell gefördert durch das Kulturamt der Stadt Augsburg.

 

Stadt Augsburg

Literatur

  • Böschen, Stefan/ Weller, Christoph 2019: Die institutionelle Bearbeitung politischer und epistemischer Differenzen bei der Etablierung der Friedensforschung in Deutschland“. Panel beim 51. Kolloquium der Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung (AFK) am 9. März 2019 in Erfurt.
  • Weller, Christoph 2017: Friedens- und Konfliktforschung - Herausforderung für die Internationalen Beziehungen? In: Frank Sauer/ Carlo Masala (Hrsg.): Handbuch Internationale Beziehungen, Wiesbaden: Springer VS, 551-572.

Ansprechpartner*in

Lehrstuhl für
Politikwissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung

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