Lechausstellung
Projektteam: Matthias Settele, Prof. Dr. Jens Soentgen, Dr. Peter Stoll
Die Ausstellung „Der Lech – Vom Wildfluss zum Cyborg“ zeichnet die Entwicklung des Lechs vom Wildfluss in eine Stauseenkette zur Stromproduktion nach und zeigt den Fluss als stark durch menschliche Nutzungsinteressen transformiertes Gewässer. Einst war der Lech ein typischer Wildfluss der Nordalpen. Sein Flussbett erreichte in Bayern stellenweise eine Breite von bis zu zwei Kilometern. Kiesinseln, die jedes Jahr umgestaltet wurden und ausgedehnte Auwälder waren dynamische Lebensräume für eine großartige Vielfalt von Fischen, Amphibien und Vögeln.
Von all der Pracht sind heute nur mehr Überreste zu sehen. Während der Lech in Österreich aufgrund aufwändiger Renaturierungsmaßnahmen wieder einen Wildflusscharakter erkennen lässt, zeigt er sich in Deutschland noch immer als massiv transformiertes Gewässer, das in mehreren Schritten mit dem Ziel einer möglichst effizienten und umfassenden Wasserkraftnutzung umgebaut wurde. Die tiefgreifenden Umgestaltungen begannen am bayerischen Lech vor mehr als 150 Jahren. Der Fluss wurde begradigt und später auch durch Querbauwerke verbaut. In der NS-Zeit wurde der Lech dann für die Wasserkraftgewinnung herangezogen.
In der Nachkriegszeit wurden die Pläne fast ohne Abstriche und trotz vieler Proteste weiter ausgeführt. Heute ist der bayerische Lech ein hocheffizientes Wasserkraftwerk mit zahlreichen Staustufen. Er wird aus einer zentralen Leitwarte gefahren und sein Abflussverhalten wird vom an der Börse gehandelten Strompreis fast deutlicher bestimmt, als von natürlichen Faktoren. Aufgrund der ausgeprägten technischen Überformung des Flusses kann vom „Cyborg Lech“ (Soentgen 2014), einem Hybridgewässer mit natürlichen und maschinellen Bestandteilen, gesprochen werden. Mitarbeiter des Wissenschaftszentrum Umwelt und der Universitätsbibliothek Augsburg konzipierten die Ausstellung in enger Zusammenarbeit.
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