Mehr Biodiversität auf dem Campus: Maßnahmen für die ökologische Weiterentwicklung des Augsburger Universitäts-Campus

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12/2024-12/2027

 

Landschaftspflegeverband Augsburg-Stadt, City-Farm Augsburg

 

Prof. Jens Soentgen, Simon Meißner

Ziel

Der Campus der Universität Augsburg ist ein Grünes Juwel. Er beherbergt eine erstaunliche Artenvielfalt und spielt eine wichtige Rolle für Gesundheit und Wohlbefinden der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der Studierenden; zudem wird er von vielen Anwohnern als Naherholungsgebiet genutzt. Da jedes Jahr durch Baumaßnahmen Grünflächen rund um die Universität verschwinden, nimmt die Bedeutung der verbleibenden Flächen stetig zu. Sie fungieren zudem als Trittstein der Biodiversität zwischen den Naturschutzgebieten im Süden bzw. Westen der Universität (z.B. Stadtwald Augsburg mit der Schießplatzheide, Kissinger Heide, Königsbrunner Heide) und dem Stadtgebiet. 

Auf dem Campus gibt es sowohl Trockenrasenbiotope (z.B. die Uniheide) als auch ausgedehnte, artenreiche Wiesenflächen und Gehölze sowie Gewässer. Für das ‚grüne Profil‘ der Universität Augsburg ist der Campus von zentraler Bedeutung. Das Maßnahmenpaket hat das Ziel, die Biodiversität auf dem Campus zu erhalten und deutlich zu erhöhen und zugleich einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, weil Emissionen gemindert werden bzw. Kohlendioxid in Biomasse umgewandelt wird. Zudem soll das Bewusstsein für den Wert der Natur zwischen den Hörsälen gehoben werden. 20 Biodiversität auf dem Campus Die Maßnahmen tragen bei zu dem Ziel, bis 2030 30 Prozent der noch bestehenden Grünflächen auf dem Campus ökologisch aufzuwerten bzw. in ihrer Vielfalt zu erhalten. Dieses entspricht dem Ziel der EU, bis 2030 30 Prozent der Flächen unter wirksamen Schutz zu stellen. Alle hier vorgeschlagenen Maßnahmen wurden innerhalb der Jahre 2024-2025 umgesetzt. 

 

Mikrohabitate

Die Gehölze auf dem Campus können in ihrer ökologischen Funktion deutlich aufgewertet werden, indem an verschiedenen Stellen Mirkohabitate z.B. für Igel, Eidechsen usw. errichtet werden. Diese dienen dem Unterschlupf verschiedener Kleintiere. Mikrohabitate wurden in Gestalt von Sandlinsen sowie Trockenmauern in Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband Augsburg-Stadt im Norden des Campus angelegt. 

 

Streuobstwiese 

In der bayerischen Politik wird derzeit dieses Thema intensiv diskutiert, nicht ohne Grund, verbinden doch auch Streuobstwiesen, weil sie Kohlendioxidspeichern und zugleich Biodiversität fördern, zudem schön anzusehen sind, mehrere Ziele des Klima- und Umweltschutzes. 
Im Bereich Physikwiese wurde eine geeignete Grünfläche identifiziert. Mit der Anlage der Streuobstwiesen wurde der LPV Augsburg-Stadt beauftragt. Dabei sind alte schwäbische Obst- und auch einzelne Nusssorten gewählt worden, wie sie etwa in der Versuchsstation für Obstbau Schlachters in Lindau angeboten werden. Erstmals wurden in einer von Peter Roth konzertierten Pflückung die schon vorhandenen Apfelbäume auf dem Universitätscampus geerntet. Dabei konnten rund 7 Zentner Äpfel geerntet werden, von denen ein Teil verschenkt wurde, wobei ein erheblicher Spendenbetrag für den Verein f.a.u.s.t. e.V. zusammenkam, zudem wurde ein Teil der Äpfel versaftet. Die vorhandenen Äpfel wurden außerdem von einem Pomologen bestimmt. Erwähnenswert ist auf dem schon vorhandenen Bestand u.a. der Siebenbürger Batullenapfel sowie ein Exemplar des Korbinianapfels. 

 

Ausweitung der Uni-Schafbeweidung

In Kooperation mit der CityFarm sollen die Schafe 2025- 2027 mehr Flächen nutzen, was gemeinsam mit der Grünflächenpflege der Universität (Herr Walter) umgesetzt wurde. Das Projekt wurde 2017 im Rahmen der „Grünen Lern- und Arbeitsinseln“ ins Leben gerufen. Das Projekt ist Teil einer Kooperation mit der CityFarm Augsburg, das 2017 mit einer ersten Beweidung auf der eigens angelegten Lechheide rund um das WZU begann. Beweidet wird mit einer besonderen Rasse: den Ostpreußischen Skudden, Deutschlands kleinster und einer der ältesten Hausschaf-Rassen. Die Tiere stehen auf der Roten Liste der bedrohten Nutztierrassen. Durch ihren selektiven Fraß halten sie dominante Arten kurz und ermöglichen so den Erhalt und die Ausbreitung seltener, lokaltypischer Pflanzen wie Zittergras oder Gekieltem Lauch – Arten, die auf offene, nährstoffarme Flächen angewiesen sind. Die Schafe leben nicht dauerhaft auf dem Campus, sondern werden jedes Frühjahr von der CityFarm Augsburg auf das Gelände gebracht und bis zum Herbst betreut. Die Schafbeweidung ist heute fester Bestandteil der Bemühungen für mehr biologische Vielfalt auf dem Campus. Sie ergänzt weitere Maßnahmen wie Blühwiesen, Campusbiotope, den Uni-Bienen oder neue Projekte zur Förderung der Vogelvielfalt. 


Kartierung der Brutvögel auf dem Universitätscampus 
Ohne Kartierungen können Entwicklungen nicht überwacht werden, Verbesserungen oder Verschlechterungen lassen sich nicht präzise erfassen. Eine Arbeit über die Blütepflanzen auf dem Campus wurde von Reiner Schwandt 2017 erstellt. In ihrer Bachelorarbeit (bei Andreas Benz, Geographie) hat nun die Augsburger Studentin Laura Lacher erstmals untersucht, welche Brutvögel auf dem Campus der Universität Augsburg vorkommen – und wo. Insgesamt 33 brütende Vogelarten mit 277 Brutpaaren bzw. Revieren hat sie erfasst. Mit der höchsten Brutpaarzahl, nämlich 34 Stück, ist die Straßentaube vertreten. Zusammen mit weiteren in Bayern häufig vorkommenden Arten wie der Kohlmeise oder der Amsel macht sie etwa die Hälfte der festgestellten Brutpaare aus. Als seltenere Brutvögel wurden das Teichhuhn und die Schwanzmeise identifiziert. Eine seltene und auch gefährdete Vogelart, die auf dem Campus brütet ist die Klappergrasmücke. 
Die Kartierung liefert eine Basis für Vogelschutzmaßnahmen, die die Biodiversität des Campus erhalten und steigern sollen. Lacher empfiehlt, Biotopbäume und Totholz zu fördern, Nisthilfen zu installieren sowie potentielle Gefahrenquellen für Tiere auf dem Campus zu reduzieren. Und auch große, verglaste Fensterflächen bergen eine Problematik, da Vögel diese nicht immer als Hindernis erkennen können. Anregen kann die Bestandsaufnahme auch, durch geeignete Nisthilfen Vögel anzuziehen, die bislang nicht hier brüten, obwohl das Biotop für sie geeignet wäre. Mehlschwalben sind ein Beispiel. Denn eigentlich finden sie auf dem Campus geeignete Materialien wie Lehm, Ton und Schlamm sowie reichliches Nahrungsangebot, also beste Voraussetzungen. Künstliche Nisthilfen können dabei unterstützen, die Art dauerhaft an der Universität heimisch werden zu lassen. Unterstützung erhielt Laura Lacher durch den Biologen Herrn Bernd-Ulrich Rudolph vom Landesamt für Umwelt (LfU), der sicherstellte, dass die Kartierung höchsten Standards genügte. 
Für den Vogelschutz wurde nun, in Zusammenarbeit mit dem Energiemanager Stefan Kreidenweis, auch eine Kartierung besonders kritischer Fensterflächen. Diese können dann nach und nach durch das Anbringen von Vogelschutzfolie verbessert werden. Jetzt schon konnten rund 1000 Quadratmeter Fläche gesichert werden. Dabei wurden prioritär zunächst besonders problematische Zonen gesichert, z.B. verglaste Übergänge zwischen Gebäuden. Umgesetzt wurde zudem das Anschaffen und Aufhängen geeigneter Nistkästen. Umgesetzt wurde das Projekt mit in Augsburg gefertigten Nisthilfen, die von Alexander Drittenpreis angeboten und gebaut wurden. Gebaut und aufgehängt wurden: 10 Blaumeisen Nistkästen, 5 Kohlmeisen Nistkästen, 10 Fledermauskästen sowie ein Wanderfalkenkasten. Die Lage der Kästen wurde kartiert, um jährliche Begehungen und ggf. Reinigungen zu erleichtern. Eine Kartierung des Baumbestandes soll in Zusammenarbeit mit der Abteilung Bau und Technik noch erfolgen. 
 

Ersatz invasiver Neophyten 
Auch auf dem Campus finden sich problematische Neophyten. Hierzu ist die Lorbeerkirsche zu zählen, von der mehrere Exemplare entnommen und durch heimische Sträucher ersetzt wurden. Auch die Jungfernrebe und der seidige Hartriegel sollen noch zurückgedrängt werden. 
Kommunikation 
Im Rahmen der Maßnahmen wurde der bestehende Digitale Campus-Naturführer aktualisiert. Ungefähr 60 neue Einträge wurden eingefügt. Siehe auch: (https://www.uniaugsburg.de/de/campusleben/natur/). Ferner wird auf dem Gelände der Universität Augsburg ein digitales Lehr- und Informationsangebot zur Biodiversität umgesetzt. Ziel ist es, das Wissen über Artenvielfalt innovativ zu vermitteln – für Studierende, Mitarbeitende und die Stadtgesellschaft. 
Zusätzlich zu den genannten Maßnahmen soll 2026 noch eine Rollup-Ausstellung Biodiversität Auf dem Campus realisiert werden, die übersichtliche und anregende Informationen bietet über den Campus als Biotop und die Möglichkeiten, ihn ökologisch weiter zu entwickeln und seine biologische Vielfalt zu stärken. 

 

Campus-Spaziergänge für Naturfreunde 
Häufig wurden inzwischen Biodiversitätsspaziergänge für verschiedene Zielgruppen durchgeführt. 

 

Weiterbildung
Für die mit der Grünflächenpflege betrauten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität wurden Weiterbildungen für ökologische Landschaftspflege durchgeführt. 2025 stand der Obstschnitt auf dem Programm. 

 

Ausblick 

In 2026 soll eine Ausstellung mit Roll-ups über die Biodiversität auf dem Campus realisiert werden. Zudem ist geplant, auch den Medizincampus zu betrachten, auf dem ebenfalls eventuell Maßnahmen umgesetzt werden könnten. Hinzukommen noch einige kleinere Maßnahmen auf dem Stammcampus.

 

 

 

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