Handlungsnahe Kognitionen von Musiklehrkräften

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Projektbeschreibung

Professionelle Kompetenzen von Lehrkräften und ihre Zusammenhänge mit Lernerfolgen von Schüler*innen werden seit Jahren intensiv erforscht, insbesondere für die MINT-Fächer sowie für die Unterrichtsfächer Deutsch und Englisch liegen bereits zahlreiche Befunde vor. Im Unterschied dazu weiß man über Musiklehrkräfte im beruflichen Alltag und die Kompetenzen, die zu dessen erfolgreicher Bewältigung notwendig sind, noch immer recht wenig. Das Projekt ist Teil eines kumulativen Habilitationsvorhabens, das sich mit professionellen Kompetenzen von Lehrkräften im Musikunterricht an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland befasst. Dabei wird die alltägliche Arbeit im Unterricht als Kern der professionellen Tätigkeit in den Blick genommen, im Zentrum des Interesses steht das Singen mit Kindern im Klassenverband als fachtypische Handlungssituation.

Basierend auf Modellen aus Expertise- und Kognitionsforschung wird Unterrichten hier als Folge von Hand­lungsaufgaben aufgefasst, die mit Hilfe einer professionellen Wissensbasis und dazu passender Problemlöse­heuristiken bearbeitet werden (Dann & Haag 2017, Bromme 1992). Der Wissensbegriff ist dabei im Anschluss an ar­beitspsychologische Ansätze weit gefasst, er schließt neben kognitiven Aspekten auch Dispositionen wie prak­tische Fähigkeiten und Fertigkeiten ein (Krohne & Hock 2007). Ziel des Forschungsprojekts ist eine Er­kundung der Frage, auf welchen Grundlagen erfahrene Musiklehrkräfte während der Unterrichtens Hand­lungsentscheidungen fällen. Damit soll ein Beitrag geleistet werden zur fachspezifischen inhaltlichen Konkreti­sierung und Ausdifferenzierung empirisch fundierter Modelle von Lehrerkompetenz (Blömeke et al. 2015; für das Fach Musik: Puffer & Hofmann 2017).

Forschungsmethodisch basiert das Projekt auf der Annahme, dass Denkvorgänge sich zumindest teilwei­se über sprachliche Äußerungen abbilden lassen (Huber & Mandl 1994; Ericsson & Simon 1999) und dass dies auch für Kognitionen von Unterrichtenden gilt (Konrad 2010). Zur Datenerhebung wird folglich ein retrospektiver Zugang über „nachträgliches lautes Denken“ im Rahmen von Stimulated-Recall-Interviews gewählt, als Interviewpartner*innen standen 7 Lehrkräfte (GS, MS, RS, GY) zur Verfügung, deren Unterricht im Rahmen des Projekts LeHet Musik videographiert wurde. Die Datenauswertung folgt dem Verfahren der inhaltlich strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz (2016). 

 

Literatur

  • Blömeke, S., Gustafsson, J.-E., & Shavelson, R. J. (2015). Beyond Dichotomies. Zeitschrift für Psychologie, 223(1), 3–13.
  • Bromme, R. (1992). Der Lehrer als Experte: Zur Psychologie des professionellen Wissens. Huber-Psychologie-Forschung. Bern: Huber.
  • Dann, H.-D., & Haag, L. (2017). Lehrerkognitionen und Handlungsentscheidungen. In M. K.W. Schweer (Hrsg.), Lehrer-Schüler-Interaktion. Inhaltsfelder, Forschungsperspektiven und methodische Zugänge (3. Aufl.) (Schule und Gesellschaft, S. 89–120). Wiesbaden: Springer VS.
  • Ericsson, K. A., & Simon, H. A. (1999). Protocol analysis: Verbal reports as data (Rev. ed., 3. print). A Bradford book. Cambridge, Mass.: MIT Press.
  • Huber, G. L., & Mandl, H. (1994). Verbalisierungsmethoden zur Erfassung von Kognitionen im Handlungszusammenhang. In G. L. Huber & H. Mandl (Hrsg.), Verbale Daten. Eine Einführung in die Grundlagen und Methoden der Erhebung und Auswertung (2. Aufl) (S. 11–42). Weinheim: Beltz Psychologie-Verl.-Union.
  • Konrad, K. (2010). Lautes Denken. In G. Mey & K. Mruck (Hrsg.), Handbuch qualitative Forschung in der Psychologie, S. 476–490. Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss.
  • Krohne, H. W., & Hock, M. (2007). Psychologische Diagnostik: Grundlagen und Anwendungsfelder. Kohlhammer Standards Psychologie. Stuttgart: Kohlhammer.
  • Kuckartz, U. (2016). Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Praxis, Computerunterstützung. Grundlagentexte Methoden: Beltz Verlagsgruppe.
  • Puffer, G., & Hofmann, B. (2017). FALKO-M: Entwicklung und Validierung eines Testinstruments zum domänenspezifischen Professionswissen von Musiklehrkräften. In S. Krauss, A. Lindl & A. Schilcher (Hrsg.), FALKO: Fachspezifische Lehrerkompetenzen. Konzeption von Professionswissenstests in den Fächern Deutsch, Englisch, Latein, Physik, Evangelische Religionslehre, Musik und Pädagogik (S. 245–289). Münster u. a.: Waxmann.

Ansprechpartnerin

Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Musikpädagogik (Lehramt)

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