LeHet Musik: Evaluationsstudie

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Projektbeschreibung

Im Rahmen des Projekts LeHet Musik wurden hochschuldidaktische Lehrformen und -materialien entwickelt, die den Studierenden Grundlagen eines professionellen musikpädagogischen Umgangs mit Heterogenität in Singe-Situationen vermitteln sollen. Gefördert werden insbesondere fachspezifische diagnostische Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie das Wissen um adäquate Strategien adaptiven Unterrichtens. Die begleitende fachspezifische Evaluationsstudie konnte zeigen, dass sich auf adaptives Unterrichten zielende fachdidaktische Wissensbestände von Lehramtsstudierenden sowie deren professionelle Wahrnehmung in der Domäne „Vokaldidaktik/ Singen mit Kindern im schulischen Musikunterricht" im Rahmen des Seminarformats "LeHet Musik: Musik mit der Stimme" verbessern lassen.

 

Das Seminarkonzept wurde in einem mehrteiligen Entwicklungszyklus implementiert und optimiert (Herbst 2016 bis Sommer 2018). Seine Wirksamkeit auf fachspezifisches Professionswissen und professionelle Wahrnehmung der Studierenden wurde mit Hilfe eines eigens entwickelten vignettenbasierten mit offenem Antwortformat untersucht, der an Vorarbeiten aus dem Projekt  anknüpft. Als Stimuli dienten Audio- und Videovignetten aus schulischem Musikunterricht. Ergänzend zum Kompetenztest wurden Selbsteinschätzungen der Studierenden zu ihrem Wissenszuwachs erhoben. 


Der Test wurde den Studierenden im Rahmen eines quasi-experimentellen Prä-Post-Designs mit Versuchs- und Kontrollgruppe je einmal am Beginn und am Ende der Vorlesungszeit vorgelegt. Als Teilnehmer*innen der Kontrollgruppe standen Studierende eines parallel stattfindenden Vokaldidaktik-Seminars zur Verfügung, in dem der inhaltliche Fokus auf anderen Aspekten lag und kein Video- oder Audiomaterial zum Einsatz kam. 

 

Ergebnisse

Im Sommersemester 2018 konnte eine Vollerhebung durchgeführt werden, insgesamt nahmen 55 Studierende am Test teil. Sowohl die Teilnehmer*innen des "Lehet-Seminars" als auch die der Vergleichsgruppe (vokaldidaktisches Seminar mit einem anderen thematischen Schwerpunkt) stuften dabei ihren aktuellen Wissensstand zum Thema „Singen mit Schulklassen" deutlich höher ein als zu Beginn des Semesters. 

Die Ergebnisse des Leistungstests legen nahe, dass die Studierenden nach dem Besuch des neu entwickelten „LeHet-Seminars“ über eine deutlich umfangreichere domänenspezifische Wissensbasis und über besser entwickelte situationsspezifische Fähigkeiten verfügten als zu Beginn. Bei den Studierenden der Vergleichsgruppe ließ sich kein signifikanter Zuwachs in den interessierenden Kompetenzfacetten messen. Dies erlaubt den Schluss, dass die Leistungssteigerung der Studierenden des „LeHet-Seminars“ tatsächlich durch die Teilnahme am Seminar beeinflusst wurde.

Durch die Teilnahme am Seminar verbesserte sich jedoch offenbar nicht die Fähigkeit der Studierenden, ihre Wissensbestände und situationsspezifischen skills gezielt und problemgerecht einzusetzen. Sie gaben auch nach der Teilnahme am Seminar durchschnittlich noch mehr falsche als korrekte Testantworten. 

Berufserfahrene Musiklehrkräfte, die den LeHet-Musik-Test ebenfalls bearbeiteten, erzielten im Vergleich zu den getesteten Studierenden erheblich bessere Ergebnisse. Daraus lässt sich zunächst schließen, dass der Test tatsächlich professionelle Kompetenzen misst, die für das Unterrichten in der Domäne „Singen mit Schulklassen“ relevant sind. Darüber hinaus stellt sich aber die Frage, wie die im Vergleich zu Lehrkräften schwachen Testleistungen der Studierenden einzuordnen sind. Gilt es in erster Linie, das Seminarkonzept noch einmal kritisch zu hinterfragen? Oder lässt sich aus solchen Ergebnissen der weitreichende Schluss ziehen, dass derart komplexe situationsspezifische Fähigkeiten im Rahmen eines universitären Seminars ohne unterrichtspraktische Anteile generell nur angebahnt, nicht aber in größerem Ausmaß trainiert werden können?

 

Ausblick

Die Ergebnisse der Testauswertungen lassen auch den Schluss zu, dass das Testkonzept „Vignettentest mit offenem Antwortformat“ grundsätzlich zur Messung professioneller Kompetenzen für die Domäne „Singen mit Schulklassen“ geeignet ist. Das neu entwickelte Instrument ermöglichte sowohl das Erfassen relativ kleinräumiger Veränderungen im Rahmen der Lehrveranstaltungsevaluation als auch den explorativen Vergleich zwischen Testleistungen der Studierenden und solchen berufserfahrener Musiklehrkräfte. Eine Validierung des LeHet-Musik-Tests an einer repräsentativen Stichprobe könnte somit lohnend sein, um ihn auch als Instrument zur wissenschaftlichen Grundlagenforschung einsetzen zu können – beispielsweise zur Bestimmung verschiedener Kompetenzniveaus oder zur längsschnittlichen Exploration der Frage, wann und wie sich professionelle Kompetenzen sowie die Fähigkeit, sie situationsgerecht einzusetzen, bei angehenden Musiklehrkräften entwickeln.

 

Publikationen

Aufsätze & Buchbeiträge

(2020)

  • Puffer, G.; Hofmann, B. (i. Dr.): LeHet Musik: Förderung professioneller Kompetenzen im Umgang mit Heterogenität in Singe-Situationen. In: Hartinger, A.; Dresel, M.; Matthes, E.; Nett, U. & Peuschel, K. (Hrsg.): Lehrprofessionalität im Umgang mit Heterogenität – theoretische Konzepte, Förderansätze, empirische Befunde. Münster u. a.: Waxmann.
  • Puffer, G. (i. Dr.): Messung professioneller Kompetenzen von Studierenden zur Evaluation einer fachdidaktischen Lehrveranstaltung. (Assessing Future Music Teachers’ Professional Competencies for the Evaluation of a Teacher Training Program). In F. Platz, O. Kautny & J. Hasselhorn (Hrsg.), Beiträge der AMPF-Jahrestagung 2019 (Musikpädagogische Forschung, Bd. 41). Münster u. a.: Waxmann.

 

Vorträge & Poster

(2019)  

  • Puffer, G.: Messung professioneller Kompetenzen von Studierenden zur Evaluation einer fachdidaktischen Lehrveranstaltung. Vortrag auf der Jahrestagung des Arbeitskreises Musikpädagogische Forschung e. V. (AMPF). (Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, 27.9.2019)
  • Hofmann, B. & Puffer G.:  LeHet Musik: Umgang mit Heterogenität in Singe‐Situationen. Posterbeitrag auf der Jahrestagung des Arbeitskreises musikpädagogische Forschung e. V. (AMPF) (Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, 28.9.2019)
  • Hofmann, B. & Puffer G.: The classroom singing teacher I’d like: Addressing situation specific skills and professional vision. Vortrag auf der 27th EAS (European Association for Music in Schools) Conference "The school I'd like" (Malmö/ Schweden, 15.-18. Mai 2019). 
  • Hofmann, B. & Puffer G., mit Rattenberger, V.: LeHet Musik: Umgang mit Heterogenität in schulischen Singe-Situationen. Posterbeitrag auf dem Forschungstag der Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen Fakultät (Universität Augsburg, 24.4.2019)

Kontakt

Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Musikpädagogik (Lehramt)
Lehrstuhlinhaber
Musikpädagogik (Lehramt)

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