Augsburger Gespräche zu Literatur, Theater und Engagement

Gerade in Zeiten des gesellschaftlichen Wandels, in Zeiten der Globalisierung und Medialisierung zeigt sich, dass insbesondere der Literatur und dem Theater eine herausgehobene Stellung zukommt. Sie (er)finden neue Ausdrucksformen, definieren ihren Raum in der Gesellschaft neu, regen zur Reflexion an und leisten gegebenenfalls Widerstand. In Abgrenzung zur sog. politischen Literatur der 1960er und 70er Jahre legt die gegenwärtige Literatur ihren Fokus stärker auf die Reflexion von Normen und Werten, statt moralische Ansprüche zu generieren. Hier zeigt sich vor allem ihre ethische Relevanz. Auch das Theater als ehemals ‚moralische Anstalt‘ findet neue Formen der gesellschaftlichen Teilhabe.

 

Damit einher geht der Befund, dass der Begriff des Engagements in der gegenwärtigen Literatur und Kultur wieder eine herausgehobene Rolle spielt. Dies zeigt sich auch an der regen Anteilnahme, die zeitgenössische Schriftsteller*innen und Künstler*innen am gesellschaftlichen Diskurs nehmen. Flankiert wird dieser Befund von der Beobachtung, dass auch der wissenschaftliche Diskurs die politische Literatur und Kunst wieder stärker in seinen Blick nimmt. Auf diese Beobachtungen reagieren die Augsburger Gespräche zu Literatur, Theater und Engagement, indem die Diskussionen fundiert, gebündelt und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

 

In enger Kooperation mit dem Friedensbüro Augsburg, dem Staatlichen Textil- und Industriemuseum tim Augsburg und dem Sensemble Theater werden einmal im Jahr Schriftsteller*innen, Kulturschaffende und Studierende eingeladen, um über Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe zu diskutieren. Unter einem jährlich wechselnden, aktuellen Motto wird in geschlossener Runde und im öffentlichen Gespräch darüber diskutiert, wie sich soziale Wirklichkeiten verändern und wie sich Literatur und Theater dazu stellen kann. Die Liveübertragung findet auf BR2 statt.

Die Augsburger Gespräche zu Literatur, Theater und Engagement werden u.a. regelmäßig gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, die Stadt Augsburg und die Gesellschaft der Freunde der Hochschulen Augsburg e.V.

 
BayStMWK
© Universität Augsburg
© Universität Augsburg
© Universität Augsburg
Sensemble Theater Augsburg
Staatliches Textil- und Industriemuseum
BR 2

Interviews mit Künstler*innen der Augsburger Gespräche

Der 1975 in Sarajevo geborene Künstler Adnan Softić floh 1992 nach Deutschland. Er studierte in Berlin Philosophie und Politikwissenschaft sowie später in Hamburg Film und ästhetische Theorie. Heute arbeitet er zwischen Film, Installation, Hörspiel und Publikation an einer Praxis, die persönliche Erfahrung und gesellschaftliche Analyse untrennbar miteinander verschränkt. Seine Werke wurden vielfach ausgezeichnet und international gezeigt. Sie öffnen Räume der Übersetzung und ermöglichen eine Begegnung mit der Andersartigkeit des Anderen.  Softić konfrontiert seine Zuschauer mit der Brüchigkeit des Friedens, mit Krieg, Flucht und Trauma und macht verdrängte Wirklichkeiten sichtbar. Er zeigt die Architekturen der Macht und den Mythos der Nation – stabilisiert von Ideologie und Gewalt. Er berichtet von der Unfähigkeit Europas im Umgang mit Komplexität und versteht die Balkanisierung als möglichen Begriff für radikale Toleranz. Dabei plädiert Softić dafür, den Konflikt zu umarmen, anstatt ihn zu verblenden – als Haltung, die Widerstand, Heilung und demokratische Auseinandersetzung erst möglich macht. Schauinsblau hatte im Rahmen der Augsburger Gespräche 2025 die Gelegenheit, mit ihm zu sprechen.

 

 

Barbara Yelin, Comiczeichnerin und Autorin zahlreicher Graphic Novels, wurde 1977 geboren. Ihr Schaffen zeichnet sich durch den Fokus auf dokumentarische, historische und biografische Stoffe aus. 2022 veröffentlichte sie die Anthologie “Aber ich lebe – Vier Kinder überleben den Holocaust”. 2023 die Memoiren der Holocaustüberlebenden “Emmie Arbel. Die Farbe der Erinnerung”. 2024 erhielt sie den Spezialpreis der Jury des Comicsalons Erlangen. 2025 wird sie Stipendiatin der Villa Massimo.  Mit schauinsblau spricht sie über Glück, die Vielstimmigkeit des Bildes, über Farbe. Darüber, die Komplexität des Menschen sichtbar zu machen und über die Zeichen des Fragens. Über das Entgegenkommen von Geschichten und die Form der Kunst. Und sie spricht von der Perspektive der Überlebenden, über das Vergessen und Erinnern.

 

 

Wolfram Lotz verfasst Theatertexte, Hörspiele, Lyrik und Prosa. War als Drehbuchautor tätig, hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten und die Süddeutsche Zeitung kürte ihn zum „besten Dramatiker der Theater Gegenwart“.  Die Frage, ob Kunst Frieden schaffen könne, welche die Augsburger Gespräche 2023 initiierte, beantwortete Lotz in seinem Statement zu den Gesprächen folgend: „Jedes literarische Schreiben (oder vielleicht: das ich als solches ansehe?) ist doch immer und zuletzt und ganz besonders ein Schreiben gegen den Krieg (im abstrakten und konkreten Sinn).“ Schauinsblau hat mit ihm über diese These gesprochen. 

 

 

Thomas Köck wurde 1986 in Steyr Oberösterreich geboren und wurde laut der Ankündigung auf den Seiten des Suhrkamp-Verlags „durch Musik sozialisiert“. Seine Texte thematisieren Lücken und Verbindungen zwischen Pop und Politik, zwischen Gegenwart und Zukunft. Für sein dramatisches Werk wurde Köck mehrfach ausgezeichnet. Zuletzt, 2022, inszenierte er das Theaterstück vendetta, vendetta. Sein Stück eure paläste sind leer, das an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt wurde, erscheint außerdem als Buch im Oktober im Suhrkamp Verlag. Aktuell lebt er auf Einladung der Kulturakademie Tarabya in Istanbul.

 

 

Publikationen im Rahmen der Gespräche

© Starfruit Publications

 

Ruiniert Euch! Literatur – Theater – Engagement

Podiumsdiskussion und Buchpräsentation im Staatlichen Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim) am 01. August 2021 um 18.00 Uhr

 

 

Immer lauter wird heute die Frage nach Haltung und Engagement in Kunst und Literatur, immer mehr Autor*innen, Theaterleute und Kulturschaffende setzen sich in Zeiten des gesellschaftlichen Wandels und globaler Bedrohung mit Formen und Funktionen des Politischen auseinander. Sie (er)finden Ausdrucksformen dafür, definieren ihren Raum in der Gesellschaft neu, regen an zu Diskussion und Reflexion – und leisten gegebenenfalls Widerstand.

 

In welcher Form und mit welchen Intentionen können sich Ästhetik und Engagement im 21. Jahrhundert verbinden, welche gesellschaftlichen Funktionen sollten Literatur und Kunst übernehmen, wie verhält es sich mit dem althergebrachten Anspruch an das Theater, als moralische Anstalt zu fungieren? Wo ist der Ort des Politischen in Literatur und Kunst? Was ist »Haltung«? Welche Denk- und Möglichkeitsräume können die Literatur und das Theater schaffen gegenüber den politischen, sozialen und kulturellen Herausforderungen unserer Zeit?

 

Die Anthologie Ruiniert Euch! – Literatur, Theater, Engagement behandelt diese Fragen vielstimmig und durchaus kontrovers, aus verschiedenen Perspektiven und in verschiedenen Formaten. Zahlreiche Essays und Interviews sowie poetische und künstlerische Interventionen von rund 40 Kulturschaffenden liefern Anstöße zur Debatte: Welche Positionen beziehen Literatur und Theater heute, wie reagieren sie auf die drängenden Fragen unserer Zeit, können Literatur und Kunst die Welt verändern – vielleicht sogar zum Besseren?

 

Das Buch erscheint am 01. August 2021 bei starfruit publications. Herausgeber*innen sind Stephanie Waldow (Universität Augsburg), Sebastian Seidel und Anne Schuester (Sensemble Theater), Manfred Rothenberger (starfruit publications) und Christiane Lembert-Dobler (Friedensbüro).

 

   Wer am 1. Oktober leider nicht mit dabei sein konnte, hat hier die Möglichkeit die Veranstaltung online zu genießen:

 

Teil 1 (https://youtu.be/ytRysE3ymHk)
 

Teil 2 (https://youtu.be/-qbDcSfnC7Y)
 

Teil 3 (https://youtu.be/NgnGJ34_9lw)

 

 

 

Hier geht’s direkt zum Buch-Teaser:

 

Anthologie #Ruiniert Euch! Literatur, Theater, Engagement (https://youtu.be/NGtqB74dkfM)

 

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Augsburger Gespräche 2020  —  Der Film

 

 

  

Augsburger Gespräche zu Literatur und Engagement #Rituale (https://youtu.be/YFPGgGEMvEk)

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