Perspektiven

Die disziplinübergreifende gemeinsame Forschung und Lehre in den Environmental Humanities wird künftig gestärkt und intensiviert werden. Ausgangspunkt ist die Überzeugung, dass die Rolle der Geistes- und Sozialwissenschaften in der ökologischen Krise nicht darin besteht, einzelne kulturelle Aspekte nachträglich zur Problemdiagnose, die durch die Naturwissenschaften geleistet wurde, hinzuzufügen. Vielmehr sind wir der Auffassung, dass sie ebenso fundamentale Beiträge wie die Naturwissenschaften zum Verständnis der Transformation der Biosphäre geliefert haben und weiter liefern werden. Eine gleichwertige Einbeziehung dieser Fächer wird unser Verständnis des dramatischen geschichtlichen Umbruchs, in dem wir stehen, entscheidend vertiefen. Um die Environmental Humanities an der Universität Augsburg weiter zu stärken, wurde, nach einem initialen Workshop am WZU, eine Tagung zum Thema Regenerative Energie der Augsburger Environmental Humanities Gruppe in der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus durchgeführt. Dabei wurden naturwissenschaftliche Aspekte und Beiträge bewusst einbezogen. Künftig planen wir jährlich solche Zusammenkünfte, die auch Nachwuchswissenschaftlern ein Forum geben sollen. Wir werden Sorge tragen, dass der inspirierte Austausch dort, wo es sich anbietet, zu disziplinübergreifenden Forschungsprojekten weiterentwickelt wird und zugleich die Lehre bereichert.

Environmental Humanities verstehen wir nicht als Gegenprojekt zu den Umweltnaturwissenschaften, sondern als notwendige Ergänzung – jedoch auf Augenhöhe. Mit ihren präzisen Methoden und ihrer Kompetenz für soziale und kulturelle Zusammenhänge verfügen die Environmental Humanities über einen autonomen Zugang zur Umweltthematik. Sie sind in der Lage, die ökologische Krise selbst zu denken und können gerade durch ihre autonome, wenn auch nicht selbstgenügsame Methodik wichtige Beiträge zum Verständnis liefern. Wirksame Naturpolitiken können ohne Berücksichtigung sozialer und kultureller Tatsachen nicht konzipiert werden.

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