Projekte

Die Schriftenreihe „Klinkhardts Pädagogische Quellentexte“ und ihre Rolle innerhalb der disziplinären Wissenskommunikation in den Jahren 1960 bis 2000 (KPQ)


 

Die These, dass „Lehrbücher ein bis in die aktuelle Gegenwart kaum erforschter Gegenstand sind“ (Kauder/Vogel 2015, S. 8), trifft wohl in besonderem Maße auf Schriftenreihen zu, die für den Gebrauch in der akademischen Lehre konzipiert wurden. So ergaben (auf das 20. Jahrhundert beschränkte) Recherchen, dass pädagogische Schriftenreihen zwar vereinzelt in Fachpublikationen erwähnt, systematisiert bzw. aus verlegerischer  Sicht  thematisiert  wurden, jedoch  noch  keine  grundständigen Untersuchungen zu diesen in der Erziehungswissenschaft vorliegen. Vor diesem Hintergrund ist aus der Zusammenarbeit des Albert-Reble-Archivs mit dem Klinkhardt Verlag die Projektidee entstanden, die Reihe „Klinkhardts Pädagogische Quellentexte“ im Zusammenhang der zu ihr vorliegenden Materialien aus fachwissenschaftlicher, wissenschaftsgeschichtlicher und didaktischer Perspektive zu unter­suchen. Die Besonderheit des geplanten Projekts besteht darin, dass in ihm zur Untersuchung der Schriftenreihe auch umfang­reiche Archivmaterialien (u.a. Verlagskorrespondenz, Gesprächsprotokolle) aus einem angesehenen pädagogischen Fach­verlag berücksichtigt werden sollen. Sie stellen im hermeneutischen Verständnis einen wichtigen Kontext dar, aus dem heraus die Entstehung und Entwicklung der Reihe besser rekonstruiert und interpretiert werden kann. Damit kann ein Verlagsarchiv zu einer Quelle für die Erforschung der Wissenskommunikation und Disziplingeschichte werden, die im Unterschied zu anderen Fächern innerhalb der Erziehungswissenschaft bis heute in ihrer Bedeutung weitgehend verkannt wird.

 

Projektbezogene Publikationen

  • Balcke, Dörte/Schulz-Gade, Herwig (2019): Pädagogische Schriftenreihen - ein verkannter Gegenstand (erziehungs-)wis­sen­schaft­licher Forschung? Ein Zugang am Beispiel „Klinkhardts Pädagogische Quellentexte“. In: Viertel­jahrsschrift für wissen­schaft­liche Pädagogik. 95. Jg., H. 4, S. 569-586.
  • Balcke, Dörte/Schulz-Gade, Herwig (Hrsg.) (2020): Kontexte erziehungswissenschaftlichen (Lehrbuch-)Wissens. Exem­pl­ari­sche Betrachtungen zum Werk Albert Rebles und weitere ausgewählte Beispiele. Bad Heilbrunn.
  • Großhauser, Hannes/Kormann, Benedikt (2020): „Grundlagen und Grundfragen der Erziehung: Quellentexte für Seminar und Arbeitsgemeinschaft“ – Eine in Vergessenheit geratene Schriftenreihe. In: Dörte Balcke/Herwig Schulz-Gade (Hrsg.): Kontexte erziehungswissenschaftlichen (Lehrbuch-)Wissens. Exemplarische Betrachtungen zum Werk Albert Rebles und weitere aus­ge­wählte Beispiele. Bad Heilbrunn, S. 199-210.
  • Klinkhardt, Andreas (2020): Vierzig Jahre verlegerische Zusammenarbeit mit Albert Reble. In: Dörte Balcke/Herwig Schulz-Gade (Hrsg.): Kontexte erziehungswissenschaftlichen (Lehrbuch-)Wissens. Exemplarische Betrachtungen zum Werk Albert Rebles und weitere ausgewählte Beispiele. Bad Heilbrunn, S. 15-31.
  • Matthes, Eva (2020): Klinkhardts Pädagogische Quellentexte – Erste exemplarische Skizzen zu ihren Beziehungen zum päd­ago­gischen Kontext in Theorie und Praxis. In: Dörte Balcke/Herwig Schulz-Gade (Hrsg.): Kontexte erziehungs­wis­sen­schaft­lichen (Lehrbuch-)Wissens. Exemplarische Betrachtungen zum Werk Albert Rebles und weitere aus­ge­wählte Beispiele. Bad Heilbrunn, S. 111-127.
  • Schulz-Gade, Herwig (2020): Dokumentation der Schriftenreihe „Klinkhardts Pädagogische Quellentexte“. In: Dörte Balcke/ Her­wig Schulz-Gade (Hrsg.): Kontexte erziehungswissenschaftlichen (Lehrbuch-)Wissens. Exemplarische Be­trach­tungen zum Werk Albert Rebles und weitere ausgewählte Beispiele. Bad Heilbrunn, S. 150-162.
  • Schulz-Gade, Herwig/Balcke, Dörte (2020): Die Schriftenreihe „Klinkhardts Pädagogische Quellentexte“ in ihren Kom­mu­ni­ka­tions­zu­sam­menhängen. Kooperationsprodukt – Bildungsmedium – Rezeptionsgegenstand. In: Dörte Balcke/Her­wig Schulz-Gade (Hrsg.): Kontexte erziehungswissenschaftlichen (Lehrbuch-)Wissens. Exemplarische Betrachtungen zum Werk Albert Rebles und weitere ausgewählte Beispiele. Bad Heilbrunn, S. 128-149.

 

 

Albert Reble und die Lehrerbildung. Eine Positionsbestimmung im erziehungswissenschaftlichen Diskurs der 1950er-Jahre in der Bundesrepublik Deutschland


 

Wer sich der Person und dem Werk Albert Rebles nähert, stößt unweigerlich auf zwei Begriffe, die beide mit ihm verbunden werden: die „Geschichte der Pädagogik“ und die „Lehrerbildung“. In dem Dissertationsprojekt stehen beide Aspekte im Mittelpunkt, da diese bei Albert Reble nicht getrennt zu denken sind, wie hier u.a. aufgezeigt werden soll. Ausgangspunkt der Untersuchung ist die vielfach aufgestellte These u.a. von Wolfgang Klafki, dass Reble sich besondere Verdienste um die Akademisierung der Lehrerbildung, insbesondere der Volksschullehrerbildung erworben habe: „In der erziehungswissenschaftlichen Fachwelt weiß man darüber hinaus um seine […] Verdienste um die Entwicklung der Lehrerbildung, nicht zuletzt der Grundschul- und Hauptschullehrerausbildung auf ihrem mühsamen Wege von den Pädagogischen Akademien bzw. Hochschulen der ersten Nachkriegsepochen bis zu ihrer Integration in die Universitäten“ (Klafki 1995, S. 10). Diese These erscheint so plausibel und selbstverständlich, dass sie bisher nicht hinterfragt und auch nicht die Anstrengung unternommen wurde herauszuarbeiten, worin denn diese Verdienste im Näheren bestehen. Bisher gibt es keine Untersuchungen, die diese Behauptung bestätigen bzw. seine tatsächliche Wirksamkeit bezeugen. Diese Forschungslücke zu schließen, d.h. herauszustellen, welche Position Albert Reble innerhalb des erziehungswissenschaftlichen Diskurses (insbesondere in den 1950er-Jahren) bezogen und eingenommen hat, sowie welche Impulse er für die Entwicklung der Lehrerbildung in der Bundesrepublik Deutschland gesetzt hat, war Zielstellung des durchgeführten Projekts.

 

Projektbezogene Publikationen
  • Balcke, Dörte (2020): Albert Rebles „Geschichte der Pädagogik“ - Eine Skizze ihrer Geschichte und Rezeption. In: Dörte Balcke/Herwig Schulz-Gade (Hrsg.): Kontexte erziehungswissenschaftlichen (Lehrbuch-)Wissens. Exemplarische Betrachtungen zum Werk Albert Rebles und weitere ausgewählte Beispiele. Bad Heilbrunn, S. 65-87.

 

 

Verzeichnung und Digitalisierung der Korrespondenz Albert Rebles


 

Ausgehend von der im Albert-Reble-Archiv verwahrten Korrespondenz sollen die in ver­schie­denen Archiven, For­schungs­ein­rich­tungen und Privatsammlungen überlieferten Briefe von und an Reble ermittelt und systematisch in einem Gesamt­ver­zeich­nis erfasst werden. Ziel des Projektes ist es, alle erhaltenen Briefe von und an Albert Reble zu erschließen und sie in digitaler Form zu sichern.
Reble stand mit einem großen Personenkreis in schriftlichem Kontakt. Bislang konnten über 200 Briefpartner*innen ermittelt wer­den, zu denen u.a. namhafte Philosophen und Pädagogen zählen wie z.B. Theodor Litt, Eduard Spranger, Hans Leisegang, Wolfgang Klafki, Heinrich Roth und Josef Derbolav. Das Briefmaterial ergänzt sein publiziertes Werk um wichtige Aspekte, insofern es In­for­ma­tio­nen zu Stationen seines akademischen Werdegangs, Auskünfte über seine Forschungs­arbeiten, Stellungnahmen von Fachkollegen zu seinen Publikationen und zahlreiche Hinweise auf das intellektuelle und wissenschaftliche Netzwerk enthält, in das Reble eingebunden war. Der bisher nahezu unbekannte Briefcorpus ist für die Interpretation des Rebleschen Werkes von zentraler Bedeutung und bietet  Forschungen zur Entwicklung des Faches ein wichtiges Quellenmaterial.

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